Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Brennpunkte

Chef der Wirtschaftsweisen: Klimagas CO2 mit Preis versehen

Schon jetzt hat sich die Erde um rund ein Grad erwärmt. Die fatalen Folgen sind unter anderem mehr Wetterextreme wie Starkregen und Dürren. Doch wie gegensteuern? Ein Wirtschaftsweiser hat konkrete Ideen dazu.



Wirtschaftsweiser Christoph Schmidt
«Am besten wäre ein CO2-Preis auf der globalen Eben,» sagt Christoph Schmidt.   Foto: Michael Kappeler

Im Kampf gegen die Erderhitzung rät der Chef der Wirtschaftsweisen der Politik dazu, den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) mit einem Preis zu versehen. Dies sei die kostengünstigste Methode, sagte Christoph Schmidt, Wirtschaftsprofessor an der Universität Bochum.

«Die Chance, dieses Preissignal nun in die Tat umzusetzen, war noch nie so groß wie jetzt.» Er ist von der Bundesregierung damit beauftragt, eine Studie dazu auszuarbeiten.

Ohne Belastungen sei mehr Klimaschutz nicht zu haben. «Die Umstellung auf eine klimaneutrale Wirtschaft quasi ohne Emissionen aus fossilen Energieträgern wie Kohle und Öl bis 2050 ist das richtige Ziel. Es ist aber auch sehr aufwendig und teuer: Wir reden hier von mehreren Billionen Euro», sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Doch müsse man nicht nur die Schäden dagegen rechnen, die ansonsten entstünden - etwa durch Hochwasser und andere Wetterextreme. Es drohten auch hohe Strafzahlungen, wenn Deutschland seine internationalen Verpflichtungen zum Klimaschutz nicht einhalte.

Weiter sagte der Präsident des RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung: «Auch mit Blick auf den einzelnen Bürger muss man ehrlich sagen: Klimaschutz kostet etwas, er ist nicht umsonst zu haben. Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif.»

Die Erhitzung der Erde ist voll im Gang: Schon jetzt hat sie sich nach Befunden des Weltklimarats IPCC um rund ein Grad aufgeheizt seit der vorindustriellen Zeit um 1750. Geht es weiter wie bisher, ist sie Ende dieses Jahrhunderts wohl gut drei Grad wärmer. Zu den fatalen Folgen gehören je nach Region mehr Hitzewellen, längere Dürren sowie mehr Stürme, Starkregen und Hochwasser. Doch auch im vergangenen Jahr stieg der Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid an, anstatt zu sinken.

Eine CO2-Bepreisung oder eine CO2-Steuer würde den Ausstoß dieses wichtigsten Treibhausgases etwa beim Autofahren und Heizen verteuern. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) ist für eine CO2-Steuer, will aber einen sozialen Ausgleich. Das hält auch Schmidt für wichtig. «Wie können wir verhindern, dass gerade die Schwächeren zu sehr belastet werden? Das kann gelingen, indem die Einnahmen durch die CO2-Bepreisung an die Bürger zurückverteilt werden.» Ähnlich sei es global: «Die ärmsten Länder brauchen Unterstützung, damit sie etwa keine für das Klima wichtigen Wälder abholzen.»

Schmidt lehnt es aber ab, dass Deutschland bei der Bepreisung von CO2 allein vorangeht. «Am besten wäre ein CO2-Preis auf der globalen Ebene. Nicht zuletzt würde eine rein nationale Klimastrategie, selbst wenn sie auf einem einheitlichen Preissignal über alle Sektoren beruhen würde, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft erheblich gefährden.»

Zu Forderungen, die im Vergleich zu Benzin ermäßigte Mineralölsteuer auf Diesel zu erhöhen, äußerte sich Schmidt zurückhaltend: «Jetzt an der geringeren Besteuerung von Diesel zu rütteln, würde das Ringen um die Akzeptanz für den neuen CO-Preis nicht leichter machen. Denn man hat ja den Leuten lange gesagt: Kauft Diesel, das ist gut für die Umwelt. Es ist schwierig, ihnen jetzt quasi das Gegenteil zu erzählen.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 06. 2019
11:34 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Benzin Diesel Hitzewellen Hochwasser und Überschwemmung Intergovernmental Panel on Climate Change Klimaschutz Mineralölsteuer SPD Starkregen Stürme Svenja Schulze Treibhausgase Wetterextreme
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Eisbär im Nordpolarmeer

10.02.2020

Folgen des Klimawandels in Deutschland noch abzumildern

Starke Stürme, Dürren, Überschwemmungen: Die Erderwärmung macht sich auch in Europa bemerkbar. Wie schlimm es wird, liegt aber noch in Menschenhand, sagen Experten. » mehr

Smog in Neu Delhi

02.12.2019

UN-Klimakonferenz: Guterres fordert Tempo

Der Klimawandel ist längst keine abstrakte Bedrohung mehr, sondern weltweit spürbar. Was auf dem Spiel steht, wird auch beim Auftakt der UN-Klimakonferenz in Madrid deutlich. Die Unterhändler haben zwei schwierige Wochen... » mehr

25. UN-Klimakonferenz in Madrid

14.12.2019

Klimagipfel zwischen Sorge und Wut: Kein Durchbruch in Sicht

Ein Ende ist noch nicht abzusehen: Die Verhandlungen bei der UN-Klimakonferenz in Madrid gestalten sich auch am Tag nach dem geplanten Abschluss weiter schwierig. Bei den Umweltschützern wächst die Wut. Und auch Umweltmi... » mehr

US-Präsident Trump

05.11.2019

Empörung nach US-Kündigung des Pariser Klimaabkommens

US-Präsident Donald Trump hält Wort und kündigt das Pariser Klimaabkommen auf. Fast gleichzeitig warnen Tausende Wissenschaftler vor «unsäglichem menschlichem Leid». Aber nicht nur die USA verzögern den Kampf gegen die K... » mehr

Flugzeug

21.10.2019

Koalition nennt Details zum neuen CO2-Preis

Nach langen Beratungen soll es beim Klimaschutz jetzt schnell gehen: Noch in diesem Jahr will die große Koalition viele Gesetze unter Dach und Fach bringen. Dazu gehört auch der CO2-Preis. Neue Details sorgen bei Kritike... » mehr

Großstadtklima

08.08.2019

Weltklimarat fordert schnelles Handeln

Taten statt Worte, auch bei der sorgsamen Landnutzung - das muss nach Meinung des Weltklimarats das Motto der kommenden Jahre sein. Die Erderwärmung könnte die Versorgung mit Lebensmitteln beeinträchtigen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

HSC Coburg: Training und Media Day

HSC Coburg: Training und Media Day | 12.08.2020 Coburg
» 25 Bilder ansehen

WG: HSC - mögliche Aufmacher

WG: HSC - mögliche Aufmacher | 12.08.2020 Coburg
» 26 Bilder ansehen

Großbrand in Tettau auf Bauernhof

Großbrand auf Tettauer Bauernhof | 09.08.2020 Tettau
» 50 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 06. 2019
11:34 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.