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Corona-Krise zwingt Eltern zur Improvisation

Die Corona-Krise hat Eltern angesichts geschlossener Kitas, Schulen und Homeschooling viel abverlangt. Eine Studie zeigt nun die Folgen auf - auch für die Arbeitsteilung in den Familien.



Geschlossener Spielplatz
Geschlossene Schulen, geschlossene Spielplätze und das Büro plötzlich zu Hause - die Krise hat auch den Familien einiges abverlangt.   Foto: David Inderlied/dpa

Eltern in Deutschland haben in der Corona-Krise einer Untersuchung zufolge viel Improvisationstalent beweisen müssen, was auch Auswirkungen auf die Arbeitsaufteilung in der Familie hat.

Der Anteil der Väter an der Familienarbeit - also Kinderbetreuung und Hausarbeit - sei im Schnitt von 33 auf 41 Prozent gestiegen, teilte das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) in Wiesbaden mit. Die Zeit, die Väter darauf pro Tag verwendeten, stieg demnach zwischen 2018 und April 2020 von 3,3 auf 5,6 Stunden.

Der Anstieg zeige sich besonders bei Vätern in Kurzarbeit, die nun deutlich mehr Familienarbeitsstunden leisteten, teilten die Studienmacher mit. Mütter verbrachten demnach durchschnittlich 7,9 Stunden mit Familienarbeit, 2018 waren es 6,6 Stunden gewesen. Angesichts der Krise lasse sich eine «pauschale Re-Traditionalisierung in der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung (...) empirisch nicht bestätigen», fasste BIB-Forschungsdirektor Martin Bujard die Ergebnisse auch mit Blick auf eine entsprechende Diskussion darum zusammen.

Ein weiteren Ergebnis der Studie ist, dass mit 52 Prozent mehr Mütter als Väter (34 Prozent) in systemrelevanten Berufen arbeiten.

Den Studienmachern zufolge gibt es in Deutschland derzeit rund 14,6 Millionen Eltern mit 11,1 Millionen minderjährigen Kindern im Haushalt. «Insgesamt waren Eltern in einer historisch sehr, sehr schwierigen Situation, denn sie waren doppelt belastet», sagte Bujard angesichts des Spagats zwischen Kinderhüten, Homeschooling und Beruf während der Schul- und Kitaschließungen. Gerade bei Müttern sei die psychosoziale Belastung hoch.

Der bisherige Höhepunkt der Corona-Pandemie in Deutschland ist der Studie zufolge für fast die Hälfte der Eltern eine sehr belastende Phase gewesen. Das Institut analysierte auch, wie viel Zeit Frauen und Männer in die Erwerbsarbeit investierten. Bei den Männern fiel der Aufwand von 9,6 auf 7,4 Stunden pro Tag, bei Frauen von 8,3 auf 7,0 Stunden. Die Rückgänge seien bei Eltern und Kinderlosen zu beobachten gewesen.

Als eine Konsequenz aus den Ergebnissen leiten die Studienmacher unter anderem die wachsende Bedeutung von Heimarbeit ab: «Mehr Homeoffice bedeutet größere zeitliche Flexibilität und damit auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf», sagte BIB-Direktor Norbert F. Schneider. Zudem sollten bei den Maßnahmen während einer möglichen zweiten Corona-Welle die Interessen von Eltern und Familien eine größere Priorität bekommen.

© dpa-infocom, dpa:200714-99-791302/2

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Veröffentlicht am:
14. 07. 2020
19:32 Uhr

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dpa

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14. 07. 2020
19:32 Uhr



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