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Dammbruch in Brasilien: Rettungskräfte finden fast 100 Tote

Die Suche in den zähen Schlammmassen gestaltet sich schwierig. Die Helfer kommen nur langsam voran und die Ortung der Leichen in der Mischung aus Erde, Geröll, Ästen und Wasser ist Millimeterarbeit. Noch immer werden über 250 Menschen im Morast vermutet.



Dammbruch in Brasilien
Ein erschöpfter und mit Schlamm bedeckter Feuerwehrmann am Rand der Rettungsarbeiten.    Foto: Lincon Zarbietti

Nach dem verheerenden Dammbruch an einer Eisenerzmine in Brasilien entdecken die Einsatzkräfte immer mehr Tote. 99 Leichen seien mittlerweile in den Schlammmassen gefunden worden, teilte der Zivilschutz mit.

57 Tote wurden demnach bereits identifiziert. Noch immer galten 259 Menschen als vermisst. Die Zahl der Todesopfer dürfte noch weiter steigen. Nach Einschätzung der Rettungskräfte gibt es kaum noch Aussichten, weitere Überlebende zu finden. Die letzten Überlebenden waren am Samstagmorgen geborgen worden.

Der Damm an der Mine Córrego do Feijão des brasilianischen Bergbaukonzerns Vale war am Freitag gebrochen. Eine Schlammlawine war über Teile der Anlage und benachbarte Siedlungen nahe der Ortschaft Brumadinho im Bundesstaat Minas Gerais hinweggerollt und hatte Menschen, Häuser und Tiere unter sich begraben. Insgesamt ergossen sich rund zwölf Millionen Kubikmeter Schlamm auf eine Fläche von etwa 290 Hektar - das entspricht gut 400 Fußballfeldern.

Die Sucharbeiten seien sehr mühsam, sagte Feuerwehr-Sprecher Pedro Aihara. «Der Schlamm ist wohl einer der schwierigsten Untergründe zum Arbeiten.» Es könnten keine schweren Maschinen eingesetzt werden. «Und es ist auch schwieriger als Wasser, denn Wasser ermöglicht es uns, die Körper sehr leicht zu identifizieren», sagte er.

An der Seite von Feuerwehrleuten, Mitarbeitern des Zivilschutzes, Polizisten und freiwilligen Helfern beteiligten sich auch rund 130 israelische Soldaten an den Arbeiten. Neben Geräten zur Ortung von Handysignalen kamen auch Spürhunde und einfache Werkzeuge wie Stangen und Schaufeln zum Einsatz.

Aihara sprach auch von den Belastungen für die Suchmannschaften: «Es ist schockierend.» Wegen der Wucht der Schlammwelle seien die Körper häufig nicht mehr vollständig erhalten. In dem Schlamm sei es für die Helfer zudem oft schwierig, menschliche Überreste von Tieren oder anderen organischen Stoffen zu unterscheiden.

Unterdessen bot die Betreiberfirma Vale den Familien der Opfern Geld an. Das Unternehmen wolle pro Todesopfer oder Vermisstem 100.000 Reais (23.600 Euro) zahlen, kündigte Konzernsprecher Sergio Leite am Mittwoch an. Dies sei ein freiwilliges Angebot des Unternehmens und keine Entschädigungszahlung.

Die Ursache des Unglücks blieb zunächst unklar. Der Damm war noch im vergangenen Jahr von Mitarbeitern des Münchner Unternehmens TÜV Süd geprüft worden. Am Dienstag nahm die Polizei drei Mitarbeiter von Vale und zwei TÜV-Prüfer vorläufig fest. «TÜV Süd bedauert zutiefst den Dammbruch in Brumadinho», hieß es am Mittwoch in einer kurzen Stellungnahme.

Nach Angaben der Firma hatten TÜV-Mitarbeiter im Auftrag von Vale im Juni 2018 eine regelmäßige Überprüfung des Damms durchgeführt und im September 2018 eine reguläre Sicherheitsinspektion. Weitere Angaben wollte TÜV Süd wegen der laufenden Ermittlungen nicht machen.

Bereits im Jahr 2015 gab es im Bundesstaat Minas Gerais ein ähnliches Unglück. Bei der «Tragödie von Mariana» kam es in einem Eisenerzbergwerk zu einem Dammbruch an einem Rückhaltebecken. Seinerzeit kamen 19 Menschen ums Leben.

Das damalige Betreiberunternehmen Samarco gehörte ebenfalls Vale sowie dem australisch-britischen Konzern BHP. Eine riesige Welle mit Schlamm und schädlichen Stoffen ergoss sich in angrenzende Ortschaften und kontaminierte den Fluss Rio Doce auf rund 650 Kilometern Länge - bis in den Atlantik floss die braunrote Brühe.

Vale kündigte nach der neuen Katastrophe weitreichende Konsequenzen an. Das Unternehmen werde alle Dämme von der Bauart wie in Brumadinho und Mariana abreißen, sagte Konzernchef Fabio Schvartsman. Die Stilllegung der zehn baugleichen Dämme werde etwa fünf Milliarden Reais (1,18 Mrd Euro) kosten und die Eisenerzproduktion des Unternehmens um 40 Millionen Tonnen pro Jahr drosseln.

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dpa

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Veröffentlicht am:
31. 01. 2019
08:15 Uhr

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31. 01. 2019
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