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De Klerk: Ende der Apartheid hat Bürgerkrieg verhindert

Südafrika feiert den 25. Jahrestag der ersten freien Wahlen nach der Abschaffung der Apartheid. Der frühere Präsident de Klerk erinnert sich an die turbulente Zeit des Umbruchs. Heute warnt er die Regierung vor zunehmender Diskriminierung der weißen Minderheit.



De Klerk und Mandela
Der 83-Jährige Willem de Klerk war für die Abschaffung der Apartheid gemeinsam mit Nelson Mandela mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Foto: Nic Bothma/EPA Files/Archiv   Foto: dpa

Die Abschaffung des rassistischen Apartheid-Systems vor 25 Jahren hat nach Ansicht von Südafrikas letztem weißen Präsidenten einen «verheerenden Bürgerkrieg» verhindert.

Obwohl weiße Südafrikaner damals alle Macht in den Händen gehalten hätten, sei um der Gerechtigkeit willen ein vollständiger Bruch mit der Apartheid nötig gewesen, sagte der frühere Staatschef in einem Interview mit dem ZDF.

Südafrika feiert am Samstag den 25. Jahrestag der ersten freien Wahl 1994. Der 83-Jährige de Klerk war für die Abschaffung der Apartheid gemeinsam mit Nelson Mandela mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. «Ich glaube, dass wenn wir nicht getan hätten, was wir getan haben, dann hätte es einen verheerenden Bürgerkrieg gegeben, es hätte uns gehen können wie Syrien», sagte de Klerk dem ZDF.

Der Politiker war zur Zeit der Apartheid, als die schwarze Bevölkerungsmehrheit systematisch unterdrückt wurde, Abgeordneter und später Minister. 1989 wurde er Präsident und begann, das System außer Kraft zu setzen. «Apartheid war falsch. Es hat lange gedauert, bis ich das vollständig realisiert habe und zugegeben habe, dass es nicht zu rechtfertigen ist, auch moralisch nicht», sagte de Klerk.

Südafrika sei heute allerdings nicht die vom Anti-Apartheid-Kämpfer Nelson Mandela erstrebte «Regenbogennation» von einer in Vielfalt geeinten Nation, kritisierte de Klerk. Die Regierung müsse früheres Unrecht ausgleichen, inzwischen gehe die Politik der positiven Diskriminierung zugunsten der Schwarzen aber zu weit und laufe Gefahr, Rassismus mit anderem Vorzeichen zu sein, sagte de Klerk. Die Mehrheit im Land sei allerdings nicht rassistisch und habe verinnerlicht, dass alle Südafrikaner im gleichen Boot säßen. «Alles, was dieses Boot beschädigt, führt dazu, dass wir alle sinken.»

Südafrikas Apartheid-Staat kam ab Ende der 1980er Jahre immer stärker unter Druck: Im Inland hatten Sicherheitskräfte zunehmend Schwierigkeiten, Aufstände und Proteste unter Kontrolle zu halten, das Ausland setzte Südafrika mit harschen Sanktionen unter Druck.

Als Präsident leitete de Klerk dann die Legalisierung der schwarzen Opposition und die bedingungslose Freilassung Mandelas ein. Gemeinsam verhandelten die beiden den Übergang Südafrikas zu einer Demokratie, in der alle Menschen die gleichen Rechte haben. «Was ich an ihm am meisten mochte, war sein volles Bekenntnis zur Versöhnung», erinnerte sich de Klerk an Mandela. «Am meisten bewundert habe ich das bemerkenswerte Fehlen von Bitterkeit nach 27 Jahren Gefängnis.»

Nach der ersten freien Wahl am 27. April 1994 diente de Klerk in der Regierung Mandelas als Vizepräsident. 1997 zog er sich aus der Politik zurück. Mandela gab das Präsidentenamt zwei Jahre später ab. Er starb Ende 2012 im Alter von 95 Jahren.

In Südafrika sind heute noch rund acht Prozent der 55 Millionen Einwohner weißer Hautfarbe. Im Durchschnitt geht es der weißen Minderheit nach wie vor deutlich besser als der schwarzen Mehrheit. Die anhaltende Ungleichheit ist auch eines der wichtigsten Themen bei der bevorstehenden Parlamentswahl am 8. Mai.

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 04. 2019
09:49 Uhr

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27. 04. 2019
09:49 Uhr



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