Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Demonstrant angeschossen: Neue Gewaltwelle in Hongkong

Nach dem Tod eines Studenten eskalieren die Proteste in Hongkong. Wütende Demonstranten blockieren Straßen und setzen einen Mann in Brand. Mehrere Polizisten ziehen ihre Dienstwaffen - ein 21-Jähriger wird von einer Kugel getroffen.



Tränengas-Opfer
Ein Obdachloser wird von medizinischen Helfern behandelt, nachdem er während einer Demonstrationen von Tränengas getroffen wurde.   Foto: Aidan Marzo/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa » zu den Bildern

Fünf Monate nach Ausbruch der Proteste gegen die Regierung in Hongkong nimmt die Gewalt kein Ende.

Nachdem am Morgen erneut ein 21 Jahre alter Demonstrant von einem Polizisten angeschossen und in den Oberkörper getroffen worden war, spielten sich in der chinesischen Sonderverwaltungsregion teils chaotische Szenen ab. Insgesamt waren nach Angaben von Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam mehr als 60 Verletzte zur Behandlung im Krankenhaus. Darunter war auch ein Regierungsanhänger, der mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet worden war.

An mehreren Orten in der Stadt entluden sich Proteste in Gewalt, radikale Demonstranten blockierten Straßen, legten Feuer und warfen Pflastersteine. Die Polizei setzte Gummigeschosse und Tränengas ein.

Der 21 Jahre alte Demonstrant wurde am Morgen an einer von Protestierern blockierten Kreuzung von einem Polizisten angeschossen. Nach Angaben der Krankenhaus-Behörde war er in kritischem Zustand. Seit dem Ausbruch der regierungskritischen Proteste im Juni war es das dritte Mal, dass ein Demonstrant von der Polizei angeschossen wurde.

Auf einem in sozialen Netzwerken geteilten Video ist zu sehen, wie ein Polizist zunächst aus nächster Nähe seine Waffe auf einen Demonstranten richtet und es zu einem Handgemenge kommt. Als von der Seite ein weiterer Demonstrant auf den Beamten zukommt, schießt der Polizist auf diesen und feuert noch zwei weitere Schüsse in Richtung anderer Demonstranten ab.

Die Polizei bestätigte den Vorfall und gab an, dass Beamte auch an zwei weiteren Orten in der Stadt ihre Dienstwaffen gezogen hätten. Verantwortlich dafür seien die illegalen Taten der «Randalierer» gewesen. Die Polizei suspendierte zudem einen Beamten, der mit seinem Motorrad in eine Gruppe von Demonstranten gefahren war.

Zu Gewalt kam es auch erneut zwischen Gegnern und Anhängern der Regierung. Wie die «South China Morning Post» berichtete, wurde ein Mann mit einer Flüssigkeit bespritzt und in Brand gesetzt, nachdem er einer Gruppe «Ihr seid keine Chinesen» zugerufen habe. Der Mann wurde demnach mit Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht und befand sich ebenfalls in einem kritischen Zustand.

Joshua Wong, eines der bekanntesten Gesichter der Demokratie-Bewegung, forderte ein Ende der Polizeigewalt. «Nicht wir haben die Gewalt eskaliert, sondern die einzige Seite, die eskaliert, ist die Polizei», sagte Wong der britischen BBC. «Aus Hongkong wird ein Polizeistaat gemacht.»

Wong appellierte an den US-Senat, einen Gesetzentwurf im US-Abgeordnetenhaus zur Unterstützung der Demokratiebewegung in Hongkong anzunehmen. Der bekannte Aktivist forderte die internationale Gemeinschaft auf, nicht mehr wegzuschauen.

Mit ihren Blockade-Aktionen wollten die Demonstranten zunächst an den Tod eines Studenten erinnern. Der 22-Jährige war am Freitag an den Folgen seiner schweren Verletzungen gestorben, nachdem er in der vergangenen Woche am Rande von Protesten von einem Parkhaus gestürzt war. Durch die Schüsse der Polizei schaukelte sich die Lage dann weiter hoch.

Regierungschefin Lam verurteilte die gewalttätigen Demonstranten. Die Regierung werde durch die Eskalation von Gewalt nicht «die so genannten politischen Forderungen» erfüllen. «Das wird nicht passieren», sagte Lam.

Auch am Wochenende war es in Hongkong erneut zu Ausschreitungen gekommen. Die Hongkonger demonstrieren bereits seit dem 9. Juni gegen die eigene Regierung. Sie kritisieren einen wachsenden Einfluss der Pekinger Führung auf die ehemalige britische Kronkolonie. Immer wieder kommt es dabei zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten.

Auslöser der Proteste waren ursprünglich die kontroversen Pläne der Regierungschefin für ein Auslieferungsgesetz. Damit hätten auch Personen, die vom chinesischen Justizsystem verdächtigt werden, an China ausgeliefert werden können. Die Regierung lenkte schließlich ein und begrub das Gesetz. Die Demonstranten fordern aber zudem freie Wahlen, eine unabhängige Untersuchung von Polizeibrutalität sowie Straffreiheit für die bereits weit mehr als 2000 Festgenommenen. Auch der Rücktritt von Regierungschefin Lam gehört zu ihren Forderungen.

Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China nach dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» autonom regiert. Anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik genießen die sieben Millionen Hongkonger Meinungs- und Versammlungsfreiheit, fürchten aber zunehmend um ihre Freiheitsrechte.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 11. 2019
14:40 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Beamte British Broadcasting Corporation Demonstranten Krawalle Polizei Polizeistaat Polizistinnen und Polizisten Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungschefs Regierungskritik Sozialer oder politischer Protest Tränengas US-Senat
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Demonstrationen in Hongkong

27.07.2019

Neue Zusammenstöße in Hongkong nach verbotenem Protest

Die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong kommt nicht zur Ruhe. Die Polizei verbietet einen Marsch. Demonstranten schreckt das nicht ab. Schließlich wird Tränengas verschossen. » mehr

Festnahmen in Bogota

22.11.2019

Ausschreitungen bei Demos gegen Regierung in Kolumbien

In dem südamerikanischen Land gehen Tausende auf die Straße - gegen Arbeitsmarktreformen und Gewalt gegen soziale Aktivisten. Die Regierung fürchtet, dass der Funke der jüngsten Proteste in der Region nun auch auf Kolumb... » mehr

Flammen

05.10.2019

Demonstranten in Hongkong trotzen dem Vermummungsverbot

Das Vermummungsverbot in einem Rückgriff auf ein fast 100 Jahre altes koloniales Notstandsrecht verschärft die Spannungen in Hongkong. Aktivisten protestieren weiter mit Maske - andere ziehen vor Gericht. » mehr

Proteste in Hongkong

02.11.2019

Dutzende Festnahmen nach neuen Ausschreitungen in Hongkong

Die Atmosphäre in Hongkong ist aufgeheizt. Seit 22 Wochenenden in Folge wird demonstriert. Die Polizei setzt Tränengas und Wasserwerfer ein. Aktivisten attackieren erstmals Chinas Staatsagentur Xinhua. » mehr

Steine als Wurfgeschosse

15.11.2019

Weiteres Todesopfer nach Zusammenstößen in Hongkong

Innerhalb eine Woche sterben bei den sich zuspitzenden Protesten in Hongkong zwei Menschen. Zunächst stürzte ein Demonstrant von einem Parkhaus, nun wurde ein alter Mann von einem Pflasterstein getroffen. Die Regierung m... » mehr

Marsch

06.10.2019

Krawalle in Hongkong: Regierungsgegner erzielen Teilerfolg

Chaos und Randale auf den Straßen, Argumente vor Gericht gegen das Notstandsrecht. Zehntausende demonstrieren - viele trotzen dem Vermummungsverbot. Erstmals ziehen Demonstranten vor Chinas Garnison. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Küpser Markt-Weihnacht

Küpser Markt-Weihnacht | 09.12.2019 Küps
» 20 Bilder ansehen

Kunstvolle Weihnacht Kronach

Kunstvolle Weihnacht in Kronach | 08.12.2019 Kronach
» 18 Bilder ansehen

Heim-Wettkampf SG Coburg Schützen

Heim-Wettkampf SG Coburg Schützen | 08.12.2019 Coburg
» 15 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 11. 2019
14:40 Uhr



^