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Deutsche Katholiken auf Konfrontationskurs mit dem Papst

Nach dem Missbrauchsskandal will sich die katholische Kirche in Deutschland reformieren. Doch jetzt funkt der Vatikan dazwischen - mit einer sehr klaren Botschaft.



Deutsche Katholiken
Zwei Frauen der Initiative Maria 2.0 werben vor dem Freiburger Münster für «Weiheämter auch für Frauen».   Foto: Patrick Seeger

Angeredet wird Reinhard Marx von seinem römischen Kardinalskollegen Marc Ouellet aus dem Vatikan gestelzt-höflich mit «Eure Eminenz». Aber dann hagelt es Kritik. In einem Gutachten lässt der Vatikan kaum ein gutes Haar am geplanten Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland.

Worum geht es? Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Kleriker hat das Vertrauen in die Kirche erschüttert. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) - die Vertretung der Gläubigen - sind sich deshalb einig: Jetzt muss etwas geschehen. Sonst ist der Schaden irreparabel.

Deshalb wollen sie einen Reformprozess einleiten, den «synodalen Weg». Es geht darin um vier Punkte: den Umgang der Kirche mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, die umstrittene Ehelosigkeit von Priestern (Zölibat) und die Position von Frauen in der Kirche. All diese Punkte haben nach Expertenmeinung strukturell dazu beigetragen, dass der Missbrauch über so lange Zeit ungestraft stattfinden konnte.

Die große Frage ist: Dürfen die deutschen Katholiken sowas überhaupt? Schließlich sind sie nur ein Teil der viel größeren Weltkirche, und an deren Spitze steht der Papst. Einen ersten Warnschuss aus Rom gab's schon im Sommer: Da warnte Papst Franziskus die deutschen Glaubensbrüder und -schwestern in einem Brief vor Alleingängen. Weil er seine Aussagen aber in eine blumig theologische Betrachtung verpackte, blieb alles so unscharf, dass der DBK-Vorsitzende Reinhard Marx das Schreiben sogar als «Ermutigung» werten konnte.

Das jetzt veröffentlichte Schreiben des Vatikans lässt dagegen keinen Spielraum mehr für Interpretationen. Die deutsche Teilkirche könne nicht über Themen wie die Position der Frauen entscheiden, weil diese die ganze Weltkirche beträfen, heißt es darin klipp und klar. Und die Nicht-Kleriker vom ZdK haben demnach schon mal gar kein Recht, mitzuentscheiden - schließlich sei die Kirche «nicht (...) demokratisch strukturiert».

Der Kirchenrechtsexperte Thomas Schüller ist in seiner Bewertung eindeutig: «Der synodale Prozess kann damit nicht wie geplant durchgeführt werden», folgert er. «Eine kleine Minderheit der Bischöfe unter Führung von Kardinal Woelki hat es durch gute Kontakte nach Rom geschafft, den ganzen Reformprozess zu konterkarieren.» Der in Kirchenfragen erzkonservative Rainer Maria Woelki aus Köln hatte kürzlich sogar gewarnt, es drohe eine Abspaltung der deutschen Katholiken von der Weltkirche, wenn der Reformprozess weitergehe.

ZdK-Präsident Thomas Sternberg zeigt sich dagegen entschlossen, den «synodalen Weg» weiterzugehen: «Glaubt irgendjemand, man könne in einer solchen Krise der Kirche das freie Gespräch, das nach Ergebnissen und notwendigen Reformschritten sucht, unterdrücken?»

Doch Schüller ist pessimistisch: «Die Vorstellung, die Laien könnten auf Augenhöhe mitentscheiden, ist illusorisch in einem hierarchischen System, in dem letztlich immer die Bischöfe und der Papst entscheiden.» Tatsächlich rudern die deutschen Katholiken schon zurück: Wie verlautet, soll in wichtigen Fragen beim «synodalen Weg» allein das Votum der Bischöfe ausschlaggebend sein.

«Das schöne Reden von Papst Franziskus, der immer von Stärkung der Kirche vor Ort spricht, ist Makulatur», stellt Schüller fest. Es gelte vielmehr der streng zentralistische Kurs der römischen Kurie, des päpstlichen Regierungs- und Verwaltungsapparats. Kardinal Marx werde von der Kurie «wie ein Bär am Nasenring durch die Manege geführt». Für den Experten steht fest: «Die Maske des Reformers fällt Franziskus vom Gesicht.»

Für die katholische Kirche in Deutschland könnte das alles fatale Folgen haben, befürchtet er: «Die Letzten, die noch bereit waren, ernsthaft mitzudiskutieren, werden sich frustriert abwenden.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
13. 09. 2019
15:43 Uhr

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13. 09. 2019
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