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Drei Deutsche bei Mallorca-Unwetter gestorben

Kaum ist die Strandsaison vorbei, hält der Herbst in Südeuropa mit Wolkenbrüchen Einzug. Auf Mallorca stehen viele Bürger vor dem Nichts, Sardinien kämpft gegen Hochwasser, an der Côte d'Azur werden Autos ins Meer gespült. Auch Deutsche sind unter den Opfern.



Unwetter auf Mallorca
Einwohner von Sant Llorenc des Cardassar gehen nach dem schweren Unwetter an Autowracks vorbei.   Foto: Clara Margais

Bei dem schweren Unwetter auf der spanischen Insel Mallorca sind drei Deutsche ums Leben gekommen. Bei zwei am Donnerstag entdeckten Leichen handle es sich um ein deutsches Ehepaar, bestätigte eine Sprecherin des Notdienstes der Balearen der Deutschen Presse-Agentur.

Auch ein bereits kurz nach dem Unwetter geborgener Toter sei ein Deutscher, sagte die Sprecherin. Bei diesem handelt es sich um einen Journalisten aus Niedersachsen, wie am Abend der Chefredakteur der «Neuen Presse» in Hannover bestätigte. Der Reporter sei auf der Insel im Urlaub gewesen. Er habe am Dienstag eine Freundin vom Flughafen abholen wollen, sei dort aber nie angekommen. Die Freundin und eine Nachbarin haben den Mann demnach identifiziert.

Insgesamt stieg die Zahl der Toten auf der Urlaubsinsel damit auf zwölf. Auch in anderen südeuropäischen Regionen gab es verheerende Unwetter mit Starkregen und Toten.

Das Ehepaar auf Mallorca sei in der Nähe seines Fahrzeugs gefunden worden, das auf der überfluteten Strecke zwischen den Orten Artà und Canyamel leer aufgefunden worden war, hieß es. Zur genauen Herkunft der deutschen Opfer gab es zunächst keine Angaben, aber das Paar soll Informationen des Notdienstes zufolge auf Mallorca gelebt haben. Nach Angaben des spanischen Fernsehens waren die beiden 63 und 61 Jahre alt.

Ein fünfjähriges Kind wurde weiter vermisst. Nach Angaben von Balearen-Präsidentin Francina Armengol beteiligten sich rund 800 Einsatzkräfte an der Suche nach dem Jungen und den Deutschen.

Nach einem Sturzregen am Dienstagabend waren mehrere Orte an der Ostküste Mallorcas überschwemmt worden. Straßen verwandelten sich in reißende Flüsse und wurden teilweise komplett weggespült. Die Ortschaften Betlem und Colònia de Sant Pere seien weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten, berichtete das «Mallorca Magazin». Auch auf der italienischen Insel Sardinien und in Südfrankreich gab es ungewöhnlich heftigen Regen.

Bei den anderen auf Mallorca geborgenen Toten handele es sich um sechs Männer und vier Frauen, so die Einsatzkräfte auf Twitter. Neben den Deutschen seien drei weitere Opfer Ausländer - ein Paar aus Großbritannien und eine Holländerin.

Am schlimmsten betroffen war der Ort Sant Llorenç des Cardassar 60 Kilometer östlich von Palma. Innerhalb von nur zwei Stunden waren in der Region nach Angaben des Wetterdienstes mehr als 230 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel gefallen. Daraufhin trat ein Bach über die Ufer - die Wassermassen rissen alles mit, was sich ihnen in den Weg stellte.

Am Freitag wollen König Felipe und Königin Letizia Medienberichten zufolge in das Gebiet reisen, um sich persönlich ein Bild von der Lage zu machen.

«Der Weg durch das Dorf gleicht einer Odyssee», sagte ein Kommentator im spanischen Fernsehen. Menschen wateten auch zwei Tage nach dem Unwetter noch immer knöcheltief durch braunen Schlamm. Tausende Einwohner verloren bei der Katastrophe all ihre Besitztümer, wie es hieß. Balearen-Präsidentin Armengol sprach von «Millionenschäden».

An den Aufräumarbeiten und Hilfsaktionen beteiligten sich zahlreiche Freiwillige, darunter der mallorquinische Tennis-Star Rafael Nadal. Bereits kurz nach der Katastrophe hatte er seine Sportanlage «Rafa Nadal Academy» in Manacor für Menschen geöffnet, die nicht in ihren Häusern übernachten konnten. Auf Bildern ist zu sehen, wie der 32-Jährige zudem in Gummistiefeln und Arbeitshandschuhen eine Autowerkstatt mit einem Besen von Schlamm befreit.

Auch Sardinien kämpfte am Donnerstag mit Hochwasser und heftigem Regen. Der Chef des Zivilschutzes, Angelo Borrelli, rief die Bürger auf, sich keinen unnötigen Risiken auszusetzen. Besonders schlimm war die Situation rund um die Hauptstadt Cagliari. Schulen und öffentliche Einrichtungen blieben geschlossen.

Dutzende Menschen wurden in Sicherheit gebracht, Straßen gesperrt. Offenbar gerade rechtzeitig: Die Überführung einer Verbindungsstraße zwischen Cagliari und Capoterra hatte am Mittwoch der Wucht des Wassers nicht standgehalten und war gebrochen. «Für mich ist das einzige, was zählt, dass es keine Verletzten gegeben hat. Die Schäden lassen sich reparieren», sagte der Bürgermeister von Capoterra, Francesco Dessì.

Andernorts spielten sich aber dramatische Szenen ab: Eine Familie wollte im Auto fliehen, weil der Fluss in der Nähe ihres Hauses bedrohlich angeschwollen war. Der Vater und die drei Töchter konnten sich in Sicherheit bringen, die Mutter wurde vom Wasser mitgerissen und am Donnerstag tot gefunden. Das Hochwasser hatte das Auto förmlich verschluckt, wie auf Fotos zu sehen war. Auch in anderen Teilen Italiens gab es Unwetterwarnungen, etwa in Ligurien.

Betroffen war auch Südfrankreich, wo nach heftigem Regen mehrere Autos ins Mittelmeer gespült wurden. Ein Mensch wurde tot in seinem Wagen gefunden. Bei der Gemeinde Sainte-Maxime in der Nähe von Saint-Tropez an der Côte d'Azur seien fünf Autos von einem über die Ufer getretenen kleinen Fluss mitgerissen worden, sagte der örtliche Präfekt Jean-Luc Videlaine am Donnerstag dem Sender BFMTV.

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11. 10. 2018
20:21 Uhr

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