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Dutzende Verletzte bei schweren Unwettern über Deutschland

Das Unwetter ist kurz, aber heftig. 21 Verletzte zählt die Polizei allein im Kreis Offenbach im Süden Hessens. Vielerorts sind die Schäden groß. Bahnreisende brauchen weiter Geduld.



Unwetter in Langen
Nichts mehr zu sehen: Ein starkes Gewitter mit Sturmböen zieht durch die Straßen der südhessischen Stadt Langen.   Foto: Frank Rumpenhorst » zu den Bildern

Ausgefallene Flüge, verspätete Züge, gesperrte Straßen und mehrere Verletzte: Über die Mitte und den Süden Deutschlands sind Unwetter hinweggezogen. Örtlich richteten Starkregen und Böen erhebliche Schäden an.

Im Kreis Offenbach in Südhessen wütete der Sturm am Sonntagabend besonders heftig. 21 Menschen wurden verletzt, vier von ihnen schwer. Unter ihnen war nach Angaben eines Polizeisprechers auch ein Kind. Die meisten seien von umstürzenden Bäumen oder herumfliegenden Gegenständen verletzt worden.

Das Ausmaß der Schäden werde sich erst in den kommenden Tagen beziffern lassen, teilte die Polizei. Das Unwetter hatte Bäume und Strommasten abgeknickt, Dächer teilweise oder komplett abgedeckt. Zeitweise kam es zu Strom- und Telefonausfällen.

Die Feuerwehr sprach in einer Mitteilung von Montag von einer «Schneise der Verwüstung» im Kreis Offenbach. Die Feuerwehren seien von Sonntagabend ab 18 Uhr zu mehr als 1000 Einsätzen gerufen worden.

Im Mainzer Stadtteil Ebersheim wurden zwei Menschen unter einem umgestürzten Baum eingeklemmt. Ein 34-Jähriger wurde bei Ginsheim-Gustavsburg östlich von Mainz in seinem Zelt von einem umgefallenen Baum getroffen, teilte die Polizei mit. Lebensgefahr bestehe nicht.

Bei Roth in der Region Nürnberg saßen 400 Reisende am Sonntagabend über Stunden in einem ICE fest, der auf dem Weg von Hamburg nach München war. Der Zug musste auf freier Strecke stoppen, weil umgestürzte Bäume die Oberleitung beschädigt hatten. Um Mitternacht brachten Retter alle Reisenden unverletzt in Sicherheit.

Nachdem Unwetter am Sonntag gleich zweimal Flugplan und Abfertigung am Frankfurter Flughafen durcheinanderwirbelten, hat die Hessische Luftaufsicht 32 Starts nach 23 Uhr genehmigt. Mehr als 40 Flüge wurden annulliert, es kam zu Verspätungen bei den Starts und Landungen. In der Zeit zwischen 23 Uhr und 5 Uhr herrscht am größten deutschen Verkehrsflughafen Nachtflugverbot.

Bahnpendler mussten regional weiter mit Problemen rechnen. Wegen eines Blitzeinschlags in ein Stellwerk im südhessischen Mörfelden-Walldorf ist die Strecke zwischen Frankfurt/Main und Mannheim nicht zu befahren, wie auf der Internetseite der Bahn mitgeteilt wurden. Die Arbeiten würden voraussichtlich bis Dienstagmittag dauern, die Züge des Fernverkehrs zwischen Frankfurt/Main und Mannheim würden «großräumig umgeleitet».

Auch die Strecke zwischen Aschaffenburg und Hanau war nach Angaben der Bahn wegen Unwetterschäden gesperrt. Der Fernverkehr zwischen Frankfurt/Main und Würzburg wurde deshalb in beiden Richtungen umgeleitet. Autofahrer waren ebenfalls betroffen: So war die Autobahn 45 in Richtung Seligenstadt zeitweise voll gesperrt.

Die Region um Mörfelden-Walldorf war besonders stark von Unwettern betroffen, wie die Polizei mitteilte - sie sprach von chaotischen Zuständen. Ein Blitz schlug in eine Druckerei in Mörfelden-Walldorf ein und legte sie lahm, wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» twitterte.

Auch in Bayern krachte es. «Im Landkreis Aschaffenburg haben wir 96 Einsätze wegen des Sturms gezählt, das Dach der Polizeiinspektion Alzenau wurde abgedeckt», sagte ein Polizeisprecher. In einigen Gemeinden in Unterfranken fiel zeitweise der Strom aus.

In Flörsheim-Dalsheim in Rheinland-Pfalz hatte das Unwetter am Sonntagabend spektakuläre Folgen: Ein 1200-Tonnen-Raupenkran stürzte nach Polizeiangaben in einem Windpark um und riss dabei einen zweiten Kran mit. Die beiden Kräne stürzten auf einen Baucontainer mit Arbeitsgeräten. Niemand wurde verletzt.

Über Brandenburg zog ebenfalls ein heftiges Gewitter. «Die Schäden sind beachtlich, fast alle Häuser in Klaistow sind betroffen, sieben davon schwer», sagte der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth am Montag. «Der Sturm war nur etwa eine (Minute) bis anderthalb Minuten unterwegs. Da kann man sehen, was die Natur anrichten kann.»

Auch in Sachsen gab es Probleme: Ein umgestürzter Baum behinderte einen Regionalexpress auf der Strecke zwischen Leipzig und Dresden an der Weiterfahrt, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn am Montag mitteilte. Der Zug kam demnach gegen 22.00 Uhr zwischen den Gemeinden Priestewitz und Niederau auf freier Strecke zum Halt. Auf der Bahnstrecke lief der Verkehr am Montagmorgen nach Angaben des Sprechers wieder planmäßig. Die 50 Reisenden seien gegen 1.00 Uhr nachts aus dem Zug geholt worden.

In den Landkreisen Lörrach und Waldshut in Baden-Württemberg behinderten mehrere umgestürzte Bäume den Verkehr. Gewitter und Böen führten auch in Südthüringen zu einigen Einsätzen der Feuerwehr.

Im Kreis Offenbach sprachen Zeugen nach Polizeiangaben am Sonntag von einem Tornado. Der Deutsche Wetterdienst bestätigte dies nicht und sprach von sogenannten Fallböen. Dabei trifft Luft mit hohem Tempo am Boden auf, in Tälern und Häuserschluchten könnten Düseneffekte entstehen. Sie könnten Schneisen der Zerstörung anrichten, ähnlich wie ein Tornado, aber ohne dessen rotierende Luftwirbel, erklärte DWD-Experte Andreas Friedrich.

Laut der DWD-Vorhersage ist in der Nacht zum Dienstag über dem Süden Deutschlands mit viel Regen zu rechnen: Südlich der Donau komme es zu Dauerregen mit 30 bis 50 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden. In den anderen Teilen Deutschlands werden der Dienstag und Mittwoch laut DWD in der Regel freundlich, immer wieder scheine die Sonne.

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dpa

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Veröffentlicht am:
19. 08. 2019
17:17 Uhr

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dpa

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19. 08. 2019
17:17 Uhr



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