Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Ehemaliger SS-Wachmann: Dienst aus Angst vor den Nazis getan

Die Anklage lautet auf hundertfache Beihilfe zum Mord. Ein ehemaliger SS-Wachmann soll vom systematischen Töten im KZ Stutthof nicht nur gewusst, sondern es durch seinen Dienst erst ermöglicht haben. Jetzt äußert sich der 94-Jährige erstmals vor Gericht.



SS-Wachmann
Dritter Prozesstag im Landgericht Münster gegen den ehemaligen SS-Wachmann im Konzentrationslager Stutthof: Dem 94 Jahre alten Mann aus dem Kreis Borken wirft die Staatsanwaltschaft hundertfache Beihilfe zum Mord vor.   Foto: Guido Kirchner

Im Prozess um hundertfache Beihilfe zum Mord im Konzentrationslager Stutthof hat sich der Angeklagte nach eigener Aussage aus Angst vor den Nazis nicht gegen seinen Einsatz gewehrt.

Das ließ der 94 Jahre alte Angeklagte vor dem Landgericht Münster in einer Stellungnahme von seinem Anwalt vorlesen. Er bestreite nicht die Gräueltaten in dem deutschen Lager der Nazis bei Danzig. Laut Erklärung sei ihm auch der fürchterliche Zustand vieler Häftlinge nicht verborgen geblieben. Er habe als damals 18 Jahre alter SS-Wachmann allerdings von systematischen Massentötungen nichts mitbekommen. Eine Entschuldigung bei den Opfern oder Überlebenden äußerte der Angeklagte in seiner ersten Stellungnahme nicht.

Dem 94 Jahre alten Mann aus dem Kreis Borken in Nordrhein-Westfalen wirft die Staatsanwaltschaft vor, als Wachmann in dem Lager mehrere Hundert Morde zwischen 1942 und 1944 ermöglicht zu haben. Nach seiner Schilderung war der in Rumänien geborene Deutsche zuerst als untauglich für die Front eingestuft worden. Dann habe er den Befehl zum Dienst bei den SS-Wachmannschaften erhalten.

Die Anwälte des 94-Jährigen hatten im Prozess erklärt, dass es nicht darum gehe, die Gräueltaten der Nazis in dem Lager zu leugnen. «Das Geschehen in Stutthof ist natürlich keine Fiktion. Aber in dem Verfahren hier muss es um die Situation des Angeklagten gehen», sagte Verteidiger Andreas Tinkl am zweiten Verhandlungstag.

Weil sein Mandant war als 18-Jähriger als SS-Wachmann in das Lager gekommen war, wird vor der Jugendkammer verhandelt. Aus Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand dauern die Prozesstage maximal zwei Stunden.

Nach Angaben der für die Aufklärung von NS-Verbrechen zuständigen Zentralen Stelle in Ludwigsburg starben bis Kriegsende 65 000 Menschen in Stutthof und seinen Nebenlagern sowie auf den sogenannten Todesmärschen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 11. 2018
15:12 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angeklagte Angst Konzentrationslager Lager Mord Nationalsozialisten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Angeklagter

24.09.2019

Noch 29 Strafverfahren gegen mutmaßliche NS-Täter

Nur noch wenige Nazi-Verbrecher leben - und die wenigen, gegen die Ermittlungen laufen, sind oft hochbetagt. Der NDR hat die noch laufenden Verfahren zusammengezählt. » mehr

Konzentrationslager Auschwitz

06.12.2019

Merkel warnt in Auschwitz vor Antisemitismus und Hassreden

Ihr erster Besuch im ehemaligen deutschen KZ Auschwitz-Birkenau fiel Kanzlerin Merkel ganz offensichtlich alles andere als leicht. Die Gedenkstätte sei Mahnung gegen Vergessen und Relativieren. Merkel wandte sich klar ge... » mehr

Amanda Knox

15.06.2019

«Ich bin kein Monster» - Knox versucht den Befreiungsschlag

Amanda Knox polarisiert noch immer. In Italien hat sie nach einem sensationellen Mordfall zwei Schuld- und zwei Freisprüche hinter sich. Nun kehrt die US-Amerikanerin zurück. Warum tut sie sich das an? » mehr

Stutthof-Museum

19.04.2019

Anklage gegen ehemaligen SS-Wachmann aus Hamburg

Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat Anklage gegen einen 92-jährigen ehemaligen SS-Wachmann wegen Beihilfe zum 5230-fachen Mord erhoben. » mehr

Saul Friedländer

01.02.2019

Holocaust-Überlebender warnt im Bundestag vor Nationalismus

Millionen Menschen haben die deutschen Nationalsozialisten getötet. Vor dem Bundestag erinnert der israelische Historiker Friedländer an sie - und an seine Eltern, die in Auschwitz ermordet wurden. » mehr

Prozess gegen ehemaligen SS-Wachmann

21.10.2019

Ehemaliger KZ-Wachmann äußert Bedauern über Leid der Opfer

Er sei 1944 nicht freiwillig Wachmann im KZ geworden, er habe nie zur Waffe gegriffen. Einmal habe er Häftlingen geholfen, behauptet der 93 Jahre alte Angeklagte im Hamburger Stutthof-Prozess. Eine Äußerung bezeichnet di... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

HSC 2000 Coburg - DJK Rimpar Wölfe Coburg

HSC 2000 Coburg - DJK Rimpar Wölfe | 14.12.2019 Coburg
» 9 Bilder ansehen

Tödlicher Unfall bei Gleisenau Gleisenau

Tödlicher Unfall bei Gleisenau | 12.12.2019 Gleisenau
» 5 Bilder ansehen

Schwerer Unfall auf der B 303 Ebersdorf

Unfall auf der B 303 | 12.12.2019 Ebersdorf
» 16 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 11. 2018
15:12 Uhr



^