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Brennpunkte

Elf Tote bei Protesten und Plünderungen in Chile

Eine Oase im unruhigen Lateinamerika - so beschrieb Chiles Präsident Piñera noch vor kurzem sein Land. Nach Protesten und Plünderungen spricht er jetzt von einem «Krieg». Höhere Preise für die U-Bahn sind der Funken, der lang aufgestauten Frust entzündet hat.



Proteste in Chile
Ein Demonstrant wirft bei Protesten in Santiago de Chile eine Tränengasgranate zurück auf Polizisten.   Foto: Miguel Arenas/AP/dpa

Bei gewalttätigen Protesten gegen soziale Missstände und Plünderungen sind in Chile mindestens elf Menschen ums Leben gekommen.

Die Leichen wurden in der Hauptstadt Santiago gefunden, unter anderem in ausgebrannten Supermärkten, einer Baumarktkette und einer Textilfabrik, wie die Behörden am Montag berichteten.

«Wir sind im Krieg mit einem machtvollen und unerbittlichen Feind, der nichts und niemanden respektiert», sagte Staatschef Sebastián Piñera am Sonntagabend in einer vom Fernsehen übertragenen Rede zu der Gewalt auf den Straßen. Das Ziel vieler Protestierender sei es, Geschäfte, Krankenhäuser und andere Gebäude in Brand zu setzen, um größtmöglichen Schaden anzurichten. Zugleich sagte er: «Ich habe die Stimme meiner Mitbürger gehört».

Piñeras Vorgängerin und jetzige UN-Kommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, kritisierte scharf die Aussagen Piñeras. «Eine erhitzte Rhetorik wird nur die Lage verschlimmern», erklärte Bachelet. Sie forderte die Regierung auf, im Dialog mit der Gesellschaft Lösungen zu finden, die den Frieden wiederherstellten. Auch der von Piñera ernannte Kommandeur des Ausnahmezustands, General Javier Iturriaga, distanzierte sich von den Äußerungen des Präsidenten. «Ich stehe gegen niemanden im Krieg», sagte er.

Die Proteste hatten sich an einer Fahrpreiserhöhung für die U-Bahn in Santiago um vier Euro-Cent pro Ticket entzündet. Die Demonstrationen hielten am Montag in mehreren Städten noch an, obwohl Piñera die Maßnahme inzwischen zurückgezogen hat. Beobachtern zufolge entlädt sich in dem südamerikanischen Staat mit seinen rund 18 Millionen Einwohnern ein über Jahre aufgestauter Frust über die wachsende soziale Ungleichheit sowie über niedrige Renten und hohe Hürden für Arme beim Zugang zum Bildungssystem.

Setzen sich die gewalttätigen Proteste fort, könnte auch die UN-Klimakonferenz in Chile vom 2. bis zum 13. Dezember beeinträchtigt werden. Zu dem Treffen reisen mehrere tausend Diplomaten, Aktivisten und Journalisten aus aller Welt nach Santiago.

Rund 9400 Soldaten sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums im Einsatz. Insgesamt gab es bisher nach Angaben der Staatsanwaltschaft 1554 Festnahmen. Mehr als 110 Supermärkte und andere Einrichtungen wurden in verschiedenen Städten geplündert und mindestens 14 in Brand gesetzt, wie Innenminister Andrés Chadwick am Montag berichtete. Aufgrund der anhaltenden Unruhen und Proteste wurde den dritten Tag in Folge eine Ausgangssperre für Montagabend in Santiago de Chile, Valparaíso, Concepción und Antofagasta verhängt.

Angesichts der Proteste in anderen Ländern Lateinamerikas wie etwa Ecuador hatte Piñera noch vor kurzem gesagt, Chile sei wie eine «wahre Oase, eine stabile Demokratie, eine wachsende Wirtschaft». Doch unter der Oberfläche schwelt nach Einschätzung von Beobachtern seit Jahren Unmut über eine wachsende soziale Ungleichheit.

Fünf der bisher elf Toten wurden in einer geplünderten und in Brand gesetzten Kleiderfabrik in Santiago de Chile geborgen, wie die Feuerwehr am Sonntagabend mitteilte. Am Morgen waren in zwei Supermärkten der Hauptstadt zwei Frauen und ein Mann ebenfalls bei Bränden nach Plünderungen umgekommen. Weitere zwei Tote wurden in der ausgebrannten Halle einer Baumarktkette im Süden Santiagos aufgefunden, teilte Bürgermeisterin Karla Rubilar mit. Auch in Coquimbo, im Norden Chiles, kam mindestens ein Mann bei den Unruhen ums Leben.

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dpa

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Veröffentlicht am:
21. 10. 2019
21:19 Uhr

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21. 10. 2019
21:19 Uhr



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