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Europa soll grüner werden: Artenschutz und gute Lebensmittel

Eine grüne Revolution für gesünderes Essen und sichere Lebensräume für Bienen, Vögel und andere Tiere im dicht besiedelten Europa: Die EU-Kommission hat weitreichende Pläne für die nächsten zehn Jahre. Doch es gibt heftigen Widerstand.



«Green Deal»
Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, spricht im Dezember 2019 bei einer Pressekonferenz über den «Green Deal».   Foto: Francisco Seco/AP/dpa

Mit Plänen für gesündere Lebensmittel und umfassenden Naturschutz hat die EU-Kommission heftigen Protest von Bauern ausgelöst. Von einem «Generalangriff auf die gesamte europäische Landwirtschaft» sprach der Präsident des Deutschen und Europäischen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, am Mittwoch.

Die EU-Kommission präsentierte ihre Strategien für eine nachhaltigere Ernährung und mehr Artenschutz in der Europäischen Union jedoch selbstbewusst. «Das ist die konkrete Übersetzung dessen, was wir mit dem «Green Deal» angekündigt haben», sagte Vizepräsident Frans Timmermans.

Der «Green Deal» ist ein Kernvorhaben der EU-Kommission unter Ursula von der Leyen - stand zuletzt aber im Schatten der Corona-Krise. Die EU soll bis 2050 «klimaneutral» werden, es sollen also keine neuen Treibhausgase mehr in die Atmosphäre gelangen. Was nicht eingespart werden kann, muss gespeichert werden. Die Landwirtschaft trägt vor allem in der Viehzucht erhebliche Mengen Klimagase bei. Andererseits kann Aufforstung große Mengen Kohlendioxid binden.

In ihrer «Vom-Hof-auf-den-Teller»-Strategie nimmt die EU-Kommission nun die gesamte Produktionskette von Lebensmitteln in den Blick. Die EU solle weltweit zum Vorbild für gesunde, umweltschonende und wirtschaftlich verträglich Ernährung werden. Die Pläne sehen unter anderem vor, dass der Einsatz gefährlicher oder schädlicher Pflanzenschutzmittel innerhalb von zehn Jahren halbiert wird.

Außerdem sollen bis 2030 mindestens 20 Prozent weniger Dünger benutzt und der Verkauf antimikrobieller Mittel wie Antibiotika etwa für Nutztiere um 50 Prozent reduziert werden. Um digitale Innovation in der Landwirtschaft voranzutreiben, soll bis 2025 in allen ländlichen Gebieten schnelles Internet verfügbar sein.

Unmittelbare Auswirkung auf das Verhalten von Verbrauchern soll ein verpflichtendes Nährwertlogo auf der Vorderseite von Lebensmitteln haben. Es gehe nicht darum, den Menschen vorzuschreiben, was sie kaufen, sagte Timmermans. Aber sie sollten ihre Entscheidung besser informiert treffen. Die Behörde werde dazu einen Gesetzesvorschlag machen.

Deutschland will noch in diesem Jahr ein Logo für Fertigprodukte einführen - allerdings auf freiwilliger Basis der Hersteller. Bei dem System handelt es sich um den aus Frankreich stammenden Nutri-Score. Dieser bezieht neben Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe in die Bewertung ein und gibt einen Wert auf einer fünfstufigen Skala an.

Damit in der EU künftig weniger Lebensmittel im Müll landen, will die EU-Kommission bis 2023 Gesetzesvorschläge vorlegen. So sollen die Lebensmittelabfälle im Einzelhandel und von Verbrauchern in Einklang mit bestehenden UN-Zielen bis 2030 halbiert werden.

Die Strategie für mehr Artenvielfalt soll Bienen, Vögel und andere Tiere vor dem Aussterben bewahren. Dafür sollen 30 Prozent der Land- und Meeresfläche in Europa bis 2030 unter Schutz gestellt werden. Derzeit sind es im Rahmen des europäischen Netzwerks Natura 2000 rund 18 Prozent. Solche Flächen dürfen zwar genutzt werden, aber mit Beschränkungen. Ein Drittel der geschützten Fläche soll besonders geschützt und quasi naturbelassen werden.

Weiteres Ziel der Biodiversitätsstrategie 2030 sind verbindliche Regeln zum Erhalt und zur Wiederherstellung geschädigter natürlicher Flächen. Mindestens 25.000 Kilometer Flüsse sollen renaturiert werden. Zudem sollen bis 2030 drei Milliarden Bäume gepflanzt werden. Landwirte sollen künftig auf mindestens 25 Prozent der Ackerfläche in Europa Ökolandbau betreiben. Die nötigen Investitionen zur Umsetzung der Strategie beziffert die Kommission auf jährlich 20 Milliarden Euro.

Rukwied vom Bauernverband machte klar, dass er von den Plänen nichts hält: «Wir wollen den Weg hin zu einer umweltfreundlichen Landwirtschaft weitergehen und weiterentwickeln. Aber dieser Vorschlag ist der falsche Weg.» Anstelle neuer Auflagen müsse auf mehr Kooperation gesetzt werden.

Der europäische Verbraucherschutzverband Beuc begrüßte die Vorhaben hingegen. Generaldirektorin Monique Goyens sprach von einem Meilenstein auf dem Weg zu nachhaltiger Lebensmittelproduktion. Insbesondere ein verpflichtendes Nährwertlogo auf Lebensmitteln befürworten die Verbraucherschützer.

Greenpeace kritisierte die «Vom-Hof-auf-den-Teller»-Strategie als nicht weitreichend genug. «Die EU-Kommission hat heute die Chance vertan, das Ende der Massentierhaltung einzuleiten», sagte Christiane Huxdorff. Ohne verbindliche Maßnahmen für weniger Fleischkonsum könnte die Klimaziele nicht erreicht werden. Das Climate Action Network sprach dennoch von einem «wichtigen Schritt nach vorne».

Der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling sagte: «Der Schritt der EU-Kommission hin zu weniger Pestiziden auf den Feldern ist richtig, aber Hochrisikopestizide müssen komplett aus dem Verkehr gezogen werden.» Norbert Lins von der CDU beklagte hingegen, dass die Kommission die Verantwortung hauptsächlich den Landwirten übertrage.

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dpa

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Veröffentlicht am:
20. 05. 2020
17:55 Uhr

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