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Früherer Papst-Vertrauter Pell wegen Missbrauchs verurteilt

Als Finanzchef war der australische Kardinal George Pell einer der höchsten Männer im Vatikan. Jetzt ist der einstige Papst-Vertraute wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden. Ihm drohen viele Jahre Haft - doch der Vatikan zögert mit Konsequenzen.



George Pell
Kardinal George Pell verlässt das Gericht in Melbourne.   Foto: Erik Anderson/AAP

Als bislang ranghöchster katholischer Geistlicher ist der bisherige Finanzchef des Vatikans, George Pell, wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt worden.

Der Australier wurde von einem Gericht in Melbourne für schuldig befunden, sich in den 1990er als Erzbischof Jahren an zwei 13-jährigen Jungen vergangen zu haben . Für Papst Franziskus ist die Verurteilung Pells kurz nach dem Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan eine weitere Hiobsbotschaft.

Der Vatikan will mit möglichen Konsequenzen in dieser Sache auf ein anstehendes Berufungsverfahren warten. Bereits verhängte Maßnahmen gegen Pell würden weiter gelten, sagte der Vatikansprecher. Der Kardinal dürfe weder sein Priesteramt öffentlich ausüben noch Kontakt mit Minderjährigen haben.

Nun muss in Australien das genaue Strafmaß für Pell festgelegt werden. Vermutlich geschieht dies Mitte März. Pell drohen insgesamt bis zu 50 Jahre Haft. Über seine Anwälte wies er am Dienstag abermals alle Vorwürfe zurück. Die Entscheidung gegen den Kurienkardinal erging bereits im Dezember, wurde bislang aber unter Verschluss gehalten. Wegen einer Anordnung des Gerichts durfte darüber nicht berichtet werden. Am Dienstag hob die Justiz diese Nachrichtensperre auf.

Als Finanzchef war der Australier praktisch die Nummer drei des Vatikans. Pell gehörte auch zu den engsten Beratern des Papstes. Wegen der Vorwürfe hatte er sich im Sommer 2017 beurlauben lassen. Seither lebt er wieder in seiner Heimat Australien, im Vatikan war er nicht mehr. Seine fünfjährige Amtszeit als Präfekt des Wirtschaftssekretariats - so der offizielle Titel - ist seit diesem Sonntag regulär vorbei. Am Dienstagabend bestätigte Papstsprecher Alessandro Gisotti auf Twitter, dass Pell diesen Posten nicht mehr innehabe. Einen Nachfolger für das wichtige Amt hat der Papst noch nicht ernannt. Unklar ist, ob Pell Kardinal und Priester bleiben darf.

Papstsprecher Alessandro Gisotti erklärte, dass der Vatikan auf das Berufungsverfahren warten werde. Pell habe «das Recht, sich bis in die letzte Instanz zu verteidigen». Gisotti sprach dennoch von einer «schmerzhaften Nachricht».

Für Franziskus hängt seine Glaubwürdigkeit auch vom Umgang mit dem Fall Pell ab, zumal der Pontifex beim großen Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan erst am Sonntag eine harte Hand gegen Täter und Vertuscher angekündigt hatte.

Das Urteil gegen Pell stammt bereits vom 11. Dezember. Alle zwölf Geschworenen waren sich einig. Gegen Kaution ist Pell jedoch auf freiem Fuß. An diesem Mittwoch muss er zu einem weiteren Termin vor Gericht. Dabei könnte seine Inhaftierung beschlossen werden. Die Verteidigung hat bereits Berufung eingelegt. Pells Anwalt Paul Galbally erklärte: «Kardinal Pell hat immer seine Unschuld beteuert. Das macht er auch weiterhin.»

Gegen Pell gibt es bereits seit Jahren verschiedene Missbrauchsvorwürfe. Die Fälle, wegen denen er nun verurteilt wurde, reichen bis in die Jahre 1996/97 zurück. Demnach zwang er einen 13-jährigen Jungen nach einem Sonntagsgottesdienst zum Oral-Sex und belästigte einen anderen ebenfalls. Einige Monate später soll er einen der Jungen erneut bedrängt haben. Eines der Opfer, ein inzwischen Mitte 30 Jahre alter Mann, sagte vor Gericht als Belastungszeuge aus. Das andere Opfer ist tot.

Ursprünglich hätte sich der Kardinal wegen anderer Vorwürfe, die bis in die 1970er Jahre zurückreichen, einem weiteren Verfahren stellen sollen. Damit wurde bislang auch die Nachrichtensperre begründet. Die Justiz wollte damit verhindern, dass das zweite Verfahren beeinträchtigt wird. Die Staatsanwaltschaft verzichtete nun jedoch darauf, weitere Vorwürfe vor Gericht zu bringen. Damit war der Weg für die Aufhebung der Nachrichtensperre frei.

Die katholische Kirche steht wegen Missbrauchsvorwürfen in zahlreichen Ländern unter Druck. Zum Abschluss des Gipfels im Vatikan mit den Spitzen der katholischen Kirche der Welt hatte Franziskus am Sonntag versprochen, dass solche Fälle nicht länger vertuscht würden. In der Kritik kam der Pontifex allerdings, weil der Abschluss des Treffens recht vage blieb.

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dpa

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Veröffentlicht am:
26. 02. 2019
22:18 Uhr

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26. 02. 2019
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