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Geballte Prominenz zum Evangelischen Kirchentag erwartet

Zum Evangelischen Kirchentag werden mehr als 100 000 Teilnehmer erwartet. Geballte Prominenz aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft kommt nach Dortmund. Dort geht es um Vertrauen - und jede Menge Brisantes.



Pappsitze für Kirchentagsbesucher
Eine Messehalle ist für die Besucher des Evangelischen Kirchentages mit Papphockern bestuhlt. Mehr als 100.000 Teilnehmer werden erwartet.   Foto: Bernd Thissen

Wenn der Evangelische Kirchentag an diesem Mittwoch in Dortmund startet, gibt sich die Prominenz die Klinke in die Hand.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) halten am Mittwochabend Ansprachen zur Eröffnung. Kanzlerin Angela Merkel (CDU), ihre halbe Regierungsmannschaft sowie viele andere Schwergewichte aus Politik, Wissenschaft und Kultur diskutieren über Klimawandel, Zuwanderung oder sozialen Zusammenhalt. Zu den gut 2000 Veranstaltungen und dem bunten Rahmenprogramm werden mehr als 100 000 Besucher erwartet.

Losung der Großveranstaltung ist diesmal «Was für ein Vertrauen». Der Präsident des 37. Kirchentags, der Journalist Hans Leyendecker, strebt ein «großes Glaubensfest» und zugleich einen «politisch guten Kirchentag» an. Man wolle «die Zerrissenheit in der Gesellschaft ein Stück überwinden», sagte er im Vorfeld der Deutschen Presse-Agentur. In vielen Runden geht es um Fremdenfeindlichkeit, Verrohung der Sprache, um Antisemitismus, Stimmungsmache gegen Muslime, Verunsicherung in Zeiten von Fake News.

Schon in der Planungsphase hatte Leyendecker betont: «Wir laden diesmal in Dortmund keinen Repräsentanten der AfD auf die Bühne, weil inzwischen eine Verbrüderung mit Rechtsextremisten stattgefunden hat.» AfD-Funktionäre werden also keinen Raum bekommen, aber mit Anhängern und Sympathisanten will man gerne diskutieren. Zu allen Veranstaltungen und Gottesdiensten sei jeder willkommen.

Am Donnerstag redet Bundespräsident Steinmeier in der Westfalenhalle über «Zukunftsvertrauen in der digitalen Moderne». Er will dabei nach Angaben aus dem Präsidialamt Bürger, Unternehmen und Politik ermutigen, sich aktiv in die Gestaltung der digitalisierten Welt einzumischen und diese nicht als gegeben hinzunehmen. Die Entwicklung könne geändert werden, die Menschen müssten sich dies nur trauen.

Steinmeier hat sich laut Präsidialamt gezielt den Kirchentag für diese Rede ausgesucht, weil das Publikum hier die Breite der Gesellschaft abbilde. Es bestehe derzeit die Gefahr einer Spaltung der Lebenswelten - in diejenigen, die voll digitalisiert seien, und diejenigen, die Angst hätten, Opfer der Digitalisierung zu werden und beispielsweise den Job zu verlieren. Die Stärke des Kirchentags liege darin, dass er es schaffe, diese Lebenswelten zusammenzubringen.

Ex-Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und die Präses der westfälischen Landeskirche, Annette Kurschus, widmen sich am Donnerstag der Einwanderung. Und Ex-Bundespräsident Joachim Gauck nimmt an einem Podium zu «German Angst» teil.

Am Freitag nehmen Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und der frühere Direktor der Potsdam-Institus für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schnellnhuber, den Klimawandel in den Blick. Mit großem Interesse wird auch für eine Debatte über Gerechtigkeit 30 Jahre nach dem Mauerfall gerechnet - hier ist Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) mit von der Partie.

Wenn sich Merkel am Samstag zu Vertrauen in der internationalen Politik äußert, dürfte der Kirchentag thematisch nicht an Donald Trump vorbeikommen. Von dem US-Präsidenten hatte sich die Kanzlerin Ende Mai an der US-Eliteuni Harvard scharf abgegrenzt. Heiß hergehen könnte es auch bei einer Diskussion über Rechtspopulismus unter anderem mit dem Ministerpräsidenten-Duo Markus Söder (CSU) aus Bayern und Winfried Kretschmann (Grüne) aus Baden-Württemberg. Außenmister Heiko Maas (SPD) spricht am Samstag über das Thema Schutz von Frauen und Kindern weltweit. Und Ex-Bundespräsident Christian Wulff redet über die Rolle des Islam.

Aktiv beteiligt sind eine Mitbegründerin der Bewegung «Friday for Future», es kommen Kabarettist Eckart von Hirschhausen oder auch der Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege, Arzt aus dem Kongo. Journalisten wie Dunja Hayali, Ranga Yogeshwar, Giovanni di Lorenzo und Georg Mascolo debattieren über Vertrauen in die Medien. Auch Missbrauch in der Kirche wird in den Debatten nicht ausgespart. Es gibt neben spirituellen Angeboten, Bibelarbeit und Gebeten zudem viel Kultur, Livemusik, Straßenfeste oder Mitmachaktionen.

Am Sonntag wird Leyednecker den Schlussgottesdient feiern und dabei werben: «Werft euer Vertrauen nicht weg». 2021 steht dann der Ökumenische Kirchentag in Frankfurt am Main an.

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dpa

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Veröffentlicht am:
18. 06. 2019
15:16 Uhr

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