Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Brennpunkte

Geld aus Rom: Notstand für Venedig beschlossen

Rom macht jetzt Geld locker, doch viele Menschen in Venedig sind wütend über das Versagen der Politik. Schließlich wird seit Jahren über den Flutschutz diskutiert. Touristen sagen Reisen ab, Bewohner sind entsetzt über das Ausmaß der Hochwasserschäden.



Trockenen Fußes
Touristen gehen über Stege, die über das Hochwasser führen.   Foto: Claudio Furlan/LaPresse via ZUMA Press/dpa » zu den Bildern

Nach den verheerenden Überschwemmungen in Venedig hat die italienische Regierung am Donnerstag den Notstand für die Lagunenstadt beschlossen. Dies teilte der Ministerrat nach einer Sitzung am Donnerstag mit.

Damit werden 20 Millionen Euro an Soforthilfen freigegeben. Ministerpräsident Giuseppe Conte sagte, dass Privatleute mit Soforthilfen von 5000 und Geschäftsleute von 20.000 Euro rechnen könnten. Conte hatte am Donnerstag Venedig besucht.

Venedig ist in dieser Woche vom schwersten Hochwasser seit Jahrzehnten heimgesucht worden. Getrieben durch heftigen Wind war der Wasserstand in der Nacht zu Mittwoch auf 187 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel gestiegen. Das war der höchste Wert seit 1966. Mehr als 80 Prozent der historischen Stadt stehen unter Wasser. Am Donnerstag sank der Pegel vormittags auf 113 Zentimeter. Für Freitagvormittag wurden aber 145 Zentimeter vorhergesagt. Die Schulen sollen geschlossen bleiben, der Dogenpalast schließt am Freitag ebenfalls. Es habe schon viele Absagen von Urlaubern gegeben, sagte Laura Ferretto vom Hotelverband Federalberghi Veneto.

Im ganzen Norden Italiens, aber auch in anderen Landesteilen werden für die nächsten Tage weiter heftige Niederschläge erwartet. In Venedig ist das Ausmaß der Schäden noch nicht abzusehen. In der Unesco-Welterbestadt entbrannte ein Streit über den mangelnden Flutschutz.

Ein Milliarden-Projekt mit dem Namen «Mose» - kurz für «Modulo Sperimentale Elettromeccanico» - sollte eigentlich schon 2014 in Betrieb gehen. Dabei sollen riesige Barrieren an drei Eingängen zur Lagune hochgefahren werden und die Stadt schützen, sobald der Meeresspiegel eine kritische Marke überschreitet. Vor mehr als 15 Jahren begannen die Arbeiten, die schon knapp sechs Milliarden Euro kosten. Ein Korruptionsskandal verzögerte das umstrittene Mammutwerk. Auch gibt es seit jeher Kritik, dass ein Eingriff in das sensible Ökosystem der Lagune mehr schade als nutze.

Nach den Bildern der Zerstörung beeilten sich Politiker zu versichern, dass das Projekt nächstes Jahr fertig werde. «In den letzten Jahren gab es viele Skandale. Es gab schwere Verzögerungen», gestand Infrastrukturministerin Paola De Micheli in einem Radiointerview ein. Jetzt seien aber bereits 93 Prozent fertiggestellt.

Wissenschaftler führen die zunehmenden Fluten in Venedig auf den Klimawandel zurück, der den Meeresspiegel steigen lässt. «Das Hochwasser in Venedig bringt das Problem der absoluten Trägheit an die Oberfläche, mit der man in Italien das Phänomen des Meeresspiegelanstiegs angeht», erklärte Luigi Merlo vom Handelsverband Confcommercio. Viele Kritiker halten auch die großen Kreuzfahrtschiffe für eine Gefahr. Weil für sie immer tiefere Fahrrinnen ausgehoben würden, entwickelten sich Teile der Lagune zu einem offenen Meeresarm.

Und so müssen erst Bilder wie von einem überschwemmten Markusdom um die Welt gehen, dass sich Italien wieder des Problems bewusst wird. Kulturdenkmäler seien durch salziges und schmutziges Wasser in Mitleidenschaft gezogen worden, sagte Kulturminister Dario Franceschini und sprach von einem «Notfall». Kunstwerke in Sammlungen oder Material in Archiven und Bibliotheken seien aber nach ersten Erkenntnissen nicht beschädigt worden.

Während Touristen Selfies mit den Wassermassen machten, waren die Bewohner schockiert. «So was habe ich noch nicht gesehen. Es ist eine Katastrophe. Es ist wie ein Krieg. Wir haben es gewusst», sagte der Venezianer Ezio Toffolutti der Deutschen Presse-Agentur. Läden und Supermärkte seien alle im Erdgeschoss, die habe es deshalb schlimm erwischt. «Eine schreckliche Zeit», sagte der viel in Deutschland tätige Bühnenbildner.

Ministerpräsident Conte traf am Donnerstag in Venedig auch Kioskbesitzer Walter Mutti, der bei der Flut alles verloren hatte. Bilder hatten gezeigt, wie sein Kiosk in den braunen Wassermassen davon trieb. «Ich habe nicht die geringste Ahnung, wo er sein könnte», sagte Mutti in einem Interview der Zeitung «La Repubblica» (Donnerstag) auf die Frage nach dessen Verbleib.

Veröffentlicht am:
14. 11. 2019
20:49 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Anstieg des Meeresspiegels Bibliotheken Dario Franceschini Deutsche Presseagentur Hochwasser und Überschwemmung Hochwasserschäden Italienische Regierungen Niederschlag Notstände Regierungen und Regierungseinrichtungen Schäden und Verluste Skandale und Affären Twitter UNESCO Wind
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Aus der Vertäuung gerissen

13.11.2019

«Apokalyptische Zerstörung»: Hochwasser verwüstet Venedig

Gondeln werden fortgerissen, Gebäude zerstört, Hotels und der Markusdom geflutet: Venedig erlebt ein katastrophales Hochwasser mit schweren Schäden am Unesco-Welterbe. Schuld daran ist nicht nur der Klimawandel. » mehr

Starke Regenfälle in New South Wales

13.02.2020

Australien: Alle Brände in New South Wales «unter Kontrolle»

Auf diese Nachricht hat Australien monatelang gewartet: Alle Feuer in dem am schwersten betroffenen Bundesstaat sind unter Kontrolle. Der Regen der vergangenen Tage hat die Löscharbeiten begünstigt. » mehr

Überschwemmungen in Venedig

17.11.2019

Die Gefahr für Venedigs Kulturschätze

Venedig ist nicht nur der Markusdom. Venedig ist ein Gesamtkunstwerk. Unzählige Kunstschätze sind in den Fluten zerstört worden. Aber die Ideen, das einzigartige Kulturerbe zu schützen, sind bestenfalls schwammig. » mehr

Hagia Sophia

10.07.2020

Berühmtes Istanbuler Wahrzeichen Hagia Sophia wird Moschee

Kirche, Moschee und dann Museum - die Hagia Sophia ist eines der beliebtesten Bauwerke Istanbuls. Nun annulliert ein Gericht den Status als Museum und Erdogan eröffnet sie zum Gebet. Seine Anhänger jubeln, Griechenland s... » mehr

Beschädigt

05.08.2020

Tropensturm «Isaias» fegt über US-Ostküste - drei Tote

In den USA hat «Isaias» nach North Carolina und Virginia nun den Nordosten erreicht. Einwohner kämpfen mit Wind, Regen und Überschwemmungen. Der Sturm zieht weiter die US-Ostküste entlang und fegt über New York City. » mehr

Aach in Rheinland-Pfalz

04.02.2020

Hochwasser nach Dauerregen - Wetterberuhigung in Sicht

Viel Regen, stürmisches Wetter: Das hat vielerorts Spuren hinterlassen - besonders im Südwesten Deutschlands, etwa an der Mosel. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

HSC Coburg: Training und Media Day

HSC Coburg: Training und Media Day | 12.08.2020 Coburg
» 25 Bilder ansehen

WG: HSC - mögliche Aufmacher

WG: HSC - mögliche Aufmacher | 12.08.2020 Coburg
» 26 Bilder ansehen

Großbrand in Tettau auf Bauernhof

Großbrand auf Tettauer Bauernhof | 09.08.2020 Tettau
» 50 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
14. 11. 2019
20:49 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.