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Genuss und Gewissen: Wie die Deutschen essen (wollen)

Was gesund ist und was nicht, davon haben die meisten zumindest eine Idee. Stolze 91 Prozent der Deutschen sagen, beim Essen sei ihnen die Gesundheit wichtig. Und was kommt wirklich auf den Teller? Die Bundesregierung lässt einmal im Jahr nachfragen.



Currywurst mit Pommes frites
Im jährlich erscheinenden Ernährungsreport geht es darum, was die Bevölkerung kocht und isst.   Foto: Patrick Pleul » zu den Bildern

Die meisten Deutschen stehen wenigstens ein paarmal in der Woche in der Küche am Herd, fast alle legen Wert auf gesundes Essen. Die Essgewohnheiten zwischen Ost- und Westdeutschland unterscheiden sich teilweise deutlich - und Männer gehen öfter in Restaurants und Kantinen als Frauen.

Das sind einige Ergebnisse des neuen Ernährungsreports «Deutschland, wie es isst», den Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) in Berlin vorstellte.

Wie kompliziert es mit dem Essen ist, erfährt die Ministerin am eigenen Leib: Sie esse «sehr unregelmäßig» und schaue, «was ich gerade kriege», erzählte Klöckner, das liege an ihrem Job. Aber sie komme von einem Hof und wohne in der Nähe eines Dorfes, von da hole sie ihr Fleisch, Obst und Gemüse, wenn es möglich sei. Auch bei den Deutschen insgesamt muss es oft schnell gehen. Fast die Hälfte (48 Prozent) gibt an, dass es beim Essen auf einfache Zubereitung ankommt - aber 99 Prozent sagen auch: Hauptsache, es schmeckt.

Wenn man nach den Antworten der Forsa-Umfrage geht, müssten die Deutschen sehr gesund leben: 91 von 100 geben an, dass es bei der Ernährung auf die Gesundheit ankomme. 50 Prozent achten nach eigenen Angaben beim Einkaufen auf das Bio-Siegel. Dagegen lässt sich schneiden, dass fast die Hälfte der Frauen, sechs von zehn Männern und jedes siebte Kind in Deutschland übergewichtig sind. Der Bio-Anteil bei den Lebensmittel-Ausgaben lag 2017 unter 6 Prozent.

Für Manfred Güllner vom Meinungsinstitut Forsa ist der Unterschied zwischen Antworten und Realität keine Überraschung. 50 Prozent geben im aktuellen Report zum Beispiel an, für ein Kilo Fleisch bis zu fünf Euro mehr zahlen zu wollen, wenn es besonders tierfreundlich produziert wurde, 22 Prozent wollen sogar bis zu zehn Euro mehr zahlen. «Wir wissen, dass das gesagt wird, aber nicht getan wird», erklärte er. Zwischen Bewusstsein und Verhalten gebe es eine Kluft.

Gekocht wird in Deutschland weiterhin viel: 40 Prozent geben an, jeden Tag am Herd zu stehen, 37 Prozent immerhin zwei- bis dreimal pro Woche. Nur fünf Prozent sagen, dass sie weniger als einmal pro Woche kochen, und zehn Prozent kochen nie. Ein Viertel der Männer geht mindestens einmal die Woche in eine Kantine und fast eben so viele (24 Prozent) ins Restaurant, bei den Frauen sind es nur 13 beziehungsweise 14 Prozent. Fünf Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer lassen mindestens einmal die Woche Essen liefern.

Fast 30 Jahre nach dem Mauerfall sind die Essgewohnheiten in Ost- und Westdeutschland offenbar weiterhin unterschiedlich. Im Osten essen nach eigenen Angaben 43 Prozent täglich Fleisch und Wurst, im Westen nur 26 Prozent. Der Bundesschnitt liegt bei 28 Prozent. Andererseits geben im Osten 80 Prozent an, täglich Obst und Gemüse zu essen, im Westen sind es nur 69 Prozent - bundesweit 71 Prozent. Bei Süßigkeiten liegen die Westdeutschen vorn: 24 Prozent von ihnen greifen täglich zu, im Osten tun das nur 14 Prozent.

In einem sind Ost und West sich einig: 99 Prozent ist beim Essen der Geschmack wichtig. Klöckner zieht daraus Schlüsse für die Reduzierung von Zucker, Fett und Salz in Fertiggerichten, die sie gemeinsam mit der Lebensmittelbranche voranbringen will: «Dass wir alle gerne theoretisch einen Plan machen können, was gesund ist, aber am Ende wird es alles nichts bringen, wenn es nicht schmeckt.» Deswegen werde nicht von heute auf morgen vorgeschrieben, den Zucker etwa um die Hälfte zu reduzieren. Produkte würden dann zum Ladenhüter.

Kritiker warfen Klöckner am Mittwoch vor, auf PR zu setzen, statt sich für eine bessere Lebensmittelproduktion einzusetzen. «Die Menschen erwarten wirksame Maßnahmen für eine bessere Tierhaltung oder zur Förderung eines gesunden Lebensmittelangebots, aber gewiss keine Scheinpolitik», sagte Martin Rücker von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Er bemängelte, dass Klöckner bei den Fertigprodukten und beim geplanten staatlichen Tierwohl-Kabel auf Freiwilligkeit setze.

Ex-Agrarministerin Renate Künast (Grüne) nannte den Report eine «Mogelpackung»: «Sieht schön aus, ist aber nichts Wegweisendes drin.» Klöckner sei «nicht viel mehr als eine Ankündigungsministerin» und richte sich zu sehr nach den Wünschen der Industrie.

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dpa

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Veröffentlicht am:
09. 01. 2019
17:55 Uhr

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09. 01. 2019
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