Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Gesundheitssystem steht gut da - aber hohe Kosten drohen

Das deutsche Gesundheitssystem ist momentan nach Ansicht von Ärzten und Bevölkerung gut aufgestellt. Die Krankenkassen machen satte Überschüsse, Versicherten winken sogar Beitragssenkungen - der Blick in die Zukunft fällt aber eher düster aus.



Krankenkassen
Nach Jahren mit hohen Überschüssen drohen den gesetzlichen Krankenkassen einer Prognose zufolge in einigen Jahren wieder Defizite.   Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Gesetzlich Krankenversicherte können im kommenden Jahr auf Beitragssenkungen hoffen. Die Krankenkassen sind nach einem Beschluss des Bundeskabinetts vom Mittwoch ab dem 1. Januar 2020 verpflichtet, angehäufte Überschüsse abzubauen.

«Einige werden das auch durch die Reduzierung von Beitragssätzen tun müssen», sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch in Berlin.

In einer Studie der Bertelsmann-Stiftung wurde zugleich allerdings davor gewarnt, dass die Krankenkassenbeiträge langfristig wieder deutlich steigen könnten. Insgesamt sind die Deutschen momentan mit ihrem Gesundheitssystem aber zufrieden, wie wiederum eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach ergab.

Das Kabinett brachte mit dem sogenannten Gesetz für einen fairen Kassenwettbewerb am Mittwoch unter anderem eine Neuregelung des Finanzausgleichs zwischen den Krankenkassen auf den Weg. Damit wurden laut Ministerium auch die Weichen gestellt, dass der vorgesehene Abbau überschüssiger Finanzreserven der Kassen ab dem 1. Januar 2020 beginnen kann.

Viele Krankenkassen, darunter auch solche mit Millionen Versicherten, hätten inzwischen große Rücklagen gebildet, sagte Spahn. «Obgleich sie dieses Geld im Moment und auf absehbare Zeit nicht brauchen.» Mit der im Kabinett beschlossen Neuregelung werde sichergestellt, dass diese Rücklagen bis zu einer maximal erlaubten Höhe von einer Monatsausgabe ab dem kommenden Jahr abgebaut werden. Die Kassen müssten finanziell stabil sein und Vorsorge treffen, «aber sie sollen nicht übermäßig die Beiträge ihrer Versicherten horten», sagte Spahn.

Eine Prognose der Bertelsmann-Stiftung sieht allerdings ein Ende der rosigen Zeiten kommen: Nach Jahren mit Milliarden-Überschüssen drohten den Kassen ab Mitte der 2020er Jahre wieder wachsende Defizite, wenn die Politik nicht frühzeitig gegensteuere. Ein Grund: der steigende Anteil älterer Menschen, die mehr Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen. Um die Kosten zu decken, könnte den Versicherten der Berechnung zufolge bis 2040 ein Anstieg des Beitragssatzes von heute 14,6 auf fast 17 Prozent drohen.

Linke-Chef Bernd Riexinger erneuerte vor diesem Hintergrund die Forderung seiner Partei nach einer Abschaffung der privaten Krankenversicherung. «Stattdessen brauchen wir eine solidarische Gesundheitsversicherung, in die alle einzahlen, (dann) wäre das Finanzierungsproblem gelöst.» Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Maria Klein-Schmeink sagte: «Nur durch die Beteiligung aller an der solidarischen Finanzierung kann unser Gesundheitswesen die kommenden Herausforderungen stemmen.»

Die Experten der Stiftung plädieren dafür, «ineffiziente Strukturen im stationären Bereich» abzubauen - sprechen sich also für Kostensenkungen im Bereich der Krankenhäuser aus. Das ist allerdings ein hochumstrittenes Thema. Die Stiftung hatte schon im Sommer mit dem Vorschlag, die Zahl der Kliniken aus Qualitätsgründen zu halbieren, für einen Aufschrei gesorgt.

Und wie die Allensbach-Umfrage für den Finanzdienstleister MLP zeigte, käme das bei den meisten auch nicht gut an: Die Mehrheit der Bevölkerung ist dafür, dass es in jedem größeren Ort ein Krankenhaus gibt, auch wenn es nicht in allen Bereichen gut ausgestattet ist. Die Minderheit will lieber weniger, aber dafür hervorragend ausgestattete Krankenhäuser.

Die Umfrage zeigt auch: Die große Mehrheit der Bevölkerung und auch der Ärzte ist momentan mit dem Gesundheitssystem zufrieden. Geklagt wird allerdings zunehmend über lange Wartezeiten bei der Vergabe von Arztterminen.

Die ebenfalls befragten Ärzte bemängeln ihrerseits, dass Patienten fest vereinbarte Termine nicht wahrnähmen, ohne diese abzusagen. In der Bevölkerung räumt rund jeder Fünfte ein, dass ihm das schon einmal passiert ist.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 10. 2019
16:31 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arzttermine Bernd Riexinger Bertelsmann AG Bertelsmann Stiftung Bundeskabinett Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung CDU Gesundheitsminister Gesundheitssystem in Deutschland Institut für Demoskopie Allensbach Jens Spahn Krankenversicherte MLP AG Meinungsforschung Ministerien Private Krankenversicherungen Senioren Versicherungskunden Ärzte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Hände

24.09.2019

Pflegeheimbewohner müssen immer mehr dazuzahlen

Unterkunft, Verpflegung, Investitionskosten und ein Beitrag zur Pflege: Bis zu 2400 Euro kostet ein Platz im Pflegeheim pro Monat - Tendenz steigend. Regionale Unterschiede sind aber beträchtlich. » mehr

Krankschreibung

18.09.2019

Aus für «gelbe Scheine» - digitale Krankmeldung kommt

Die Digitalisierung soll nun auch Einzug halten bei Krankmeldungen und Hotel-Meldescheinen - endlich, werden viele sagen. Unternehmen sollen damit von Bürokratie entlastet werden. Der Wirtschaft reichen die Pläne der Koa... » mehr

Ehe für Alle

04.11.2019

Spahn plant Verbot von «Therapien» gegen Homosexualität

Homosexuelle mit fragwürdigen medizinischen Methoden «umpolen» - das will Gesundheitsminister Spahn verbieten. Der Gesetzentwurf soll bald ins Kabinett. Erste Inhalte wurden am Montag bekannt. » mehr

Klinikum

15.07.2019

Bessere Versorgung durch weniger Krankenhäuser?

Sind kleine Krankenhäuser ein Risiko für die Patienten? Fachleute sehen das so. In einer Studie für die Bertelsmann Stiftung melden sie sich mit einem radikalen Vorschlag zu Wort. » mehr

Gesundheits-App

07.11.2019

Gesundheits-Apps kommen bald auf Rezept

Beim Arztbesuch läuft oft noch viel auf Papier. Die große Koalition will deswegen Tempo machen, um endlich einen Durchbruch für die Digitalisierung zu schaffen. Geht das für manche auch zu schnell? » mehr

Rauchen im Auto

20.09.2019

Länder dringen auf Rauchverbot in Autos mit Kindern

Für den Vorstoß gibt es breite Zustimmung, aber auch Bedenken zur Umsetzung. Mehrere Bundesländer wollen Kinder und Schwangere vor gefährlichem Qualm im Auto schützen und nehmen die Regierung in die Pflicht. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Schwerer Unfall bei Ebensfeld Ebensfeld

Schwerer Unfall in Ebensfeld | 14.11.2019 Ebensfeld
» 9 Bilder ansehen

Festakt 30 Jahre Mauerfall in Ludwigsstadt

Festakt 30 Jahre Mauerfall | 13.11.2019 Probstzella
» 25 Bilder ansehen

Neugestaltung Bahnhof Coburg

Neugestaltung Bahnhof Coburg | 13.11.2019 Coburg
» 6 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 10. 2019
16:31 Uhr



^