Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Brennpunkte

Großbritannien lässt US-Auslieferungsersuchen für Assange zu

Deutsche Journalistenverbände und der chinesische Künstler Ai Weiwei setzten sich für den Wikileaks-Gründer Julian Assange ein - doch es sieht nicht gut für ihn aus. Am Freitag soll es die nächste Anhörung vor Gericht in dem Fall geben.



Assange
An diesem Freitag soll die nächste Anhörung im Fall Assange stattfinden. Erwartet wird, dass er per Videoschalte aus dem Gefängnis teilnehmen wird.   Foto: Matt Dunham/AP

Der britische Innenminister Sajid Javid hat das Auslieferungsersuchen der USA für Wikileaks-Gründer Julian Assange zugelassen. Er habe den Antrag formell bestätigt, sagte Javid in einem Interview mit dem BBC-Radio.

Die Entscheidung liege bei der Justiz, betonte er. Assange sei jedoch «zu Recht hinter Gittern». An diesem Freitag soll die nächste Anhörung in dem Fall stattfinden. Erwartet wird, dass Assange daran per Videoschalte aus dem Gefängnis teilnehmen wird. Mit einer Entscheidung wird aber noch nicht gerechnet.

Die USA werfen Assange vor, der amerikanischen Whistleblowerin Chelsea Manning - damals noch Bradley Manning - geholfen zu haben, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Insgesamt liegen 18 Anklagepunkte vor. Bei einer Verurteilung in allen Punkten drohen ihm 175 Jahre Haft.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) rief die britischen Behörden auf, Assange auf freien Fuß zu setzen. «Dem Wikileaks-Gründer wird etwas vorgeworfen, was nicht als strafbare Handlung geahndet werden darf: Beihilfe zum Landesverrat durch Veröffentlichungen», sagte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall einer Mitteilung zufolge. Auch die Bundesregierung müsse sich für seine Freilassung einsetzen. Auf keinen Fall dürfe Assange an die USA ausgeliefert werden.

Auch die Vorsitzende der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU), Tina Groll, warnte vor «einem massiven Eingriff in die verfassungsmäßig garantierte Pressefreiheit», sollte Assange an die USA ausgeliefert werden. Außerdem dürfte es «abschreckend auf potenzielle Whistleblowerinnen und Whistleblower wirken und gravierende Konsequenzen für die Arbeit der Medien haben», erklärte Groll.

Assange sitzt seit April im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh im Osten der britischen Hauptstadt, nachdem ihm das Botschaftsasyl in der ecuadorianischen Landesvertretung entzogen worden war. Er hatte sich dort jahrelang verschanzt, um einer Auslieferung an Schweden zu entgehen. Dort wurde wegen Vergewaltigung gegen ihn ermittelt. Assange behauptete stets, die Vorwürfe in Schweden seien nur ein Vorwand, um ihn festnehmen und an die USA ausliefern zu können. 2017 hatte die schwedische Staatsanwaltschaft die Vorermittlungen eingestellt, weil es ihr nicht gelungen war, die Vorwürfe ausreichend zu untersuchen. Später wurden sie wieder aufgenommen.

Am 11. April dieses Jahres wurde Assange schließlich festgenommen. Er befindet sich in Haft, weil er mit der Flucht in die Botschaft gegen Kautionsauflagen verstoßen hatte. Anfang der Woche hatte ihn der chinesische Künstler Ai Weiwei besucht, der sich besorgt über Assanges Gesundheitszustand äußerte. Auch Ai Weiwei forderte Großbritannien und Europa auf, die Auslieferung des Wikileaks-Gründers zu stoppen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 06. 2019
17:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ai Weiwei Bradley Manning Journalisten Julian Assange Whistleblower Öffentliche Behörden
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Wikileaks-Gründer Assange

06.02.2020

UN-Berichterstatter erhebt schwere Vorwürfe im Fall Assange

Kurz vor dem Start des Verfahrens um seine Auslieferung von Großbritannien in die USA erhält Julian Assange Unterstützung aus Deutschland. Der UN-Sonderberichterstatter für Folter glaubt, dass an dem Wikileaks-Gründer ei... » mehr

Chelsea Manning

12.03.2020

Anwälte: Chelsea Manning nach Selbstmordversuch in Klinik

Um eine Aussage gegen den Whistleblower Julian Assange zu erzwingen, sitzt Chelsea Manning in Beugehaft. Nun soll sie einen Selbstmordversuch unternommen haben. » mehr

Protest gegen Auslieferung

24.02.2020

US-Anwalt: Assange hat Menschen in Gefahr gebracht

Zum Prozessauftakt über den US-Auslieferungsantrag für Wikileaks-Gründer Julian Assange in London versammeln sich Dutzende Unterstützer vor dem Gerichtsgebäude zu lautstarkem Protest. Der Lärm macht sogar Assange zu scha... » mehr

Edward Snowden

16.08.2020

Trump will Begnadigung des Whistleblowers Snowden prüfen

Mit seiner Flucht rund um den Erdball machte Edward Snowden 2013 Schlagzeilen. Seine Enthüllungen von Abhörpraktiken der US-Geheimdienste waren für viele erschütternd. Doch er zahlte dafür einen hohen Preis: ein Leben im... » mehr

Wikileaks-Gründer

25.06.2020

USA: Neue Anklage gegen Wikileaks-Gründer Assange

Die USA erhöhen mit einem neuen Vorwurf den Druck auf Julian Assange. Der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks sitzt nun schon seit etwa einem Jahr in einem Londoner Gefängnis. » mehr

US-Helikopterangriff im Irak

11.04.2019

Wikileaks-Gründer Assange in London festgenommen

Fast sieben Jahre lebte Julian Assange in der Botschaft Ecuadors in London, um seiner Festnahme zu entgehen. Nun hat das Land ihn vor die Tür gesetzt - und die britische Polizei schlug umgehend zu. Die USA wollen seine A... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Parking Day in Coburg

Parking Day in Coburg | 18.09.2020 Coburg
» 23 Bilder ansehen

Schaeffler Aktionstag in Eltmann Eltmann

Schaeffler Aktionstag in Eltmann | 16.09.2020 Eltmann
» 7 Bilder ansehen

WG: Totschlags-Prozess Coburg

Gerichtsprozess in Coburg | 14.09.2020 Coburg
» 16 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 06. 2019
17:07 Uhr



^