Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusVideosCoburger OB-Kandidaten vor der KameraCotubeBlitzerwarner

Brennpunkte

Großbritannien prüft Maßnahmen gegen den Iran

Die Lage im Golf spitzt sich zu. Der Iran und Großbritannien belauern sich in der Tankerkrise argwöhnisch. Der deutsche Außenminister sieht die Gefahr eines Krieges.



Abseilen
Das Videostandbild zeigt Mitglieder der iranischen Revolutionsgarde, die sich von einem Hubschrauber auf den britischen Öltanker «Stena Impero» abseilen.   Foto: Revolutionsgarde/Press Association Images » zu den Bildern

Der Iran muss in der Tankerkrise mit britischen Strafmaßnahmen rechnen. Die Regierung prüft nach den Angaben von Verteidigungsstaatssekretär Tobias Ellwood eine «Reihe von Optionen» und will diese am Montag bekanntmachen.

Seit die iranischen Revolutionsgarden einen Ölfrachter unter britischer Flagge in ihrer Gewalt haben, schaukelt sich der Konflikt hoch. US-Präsident Donald Trump will sich eng mit Großbritannien abstimmen und schickt zur Abschreckung Soldaten nach Saudi-Arabien. Außenminister Heiko Maas (SPD) befürchtet den Ausbruch eines Krieges in der Region.

Die Krise trifft Großbritannien in innenpolitisch turbulenten Zeiten angesichts des ungelösten Brexits und des Rücktritts der konservativen Regierungschefin Theresa May. Vermutlich der in der eigenen Partei umstrittene frühere britische Außenminister Boris Johnson übernimmt am kommenden Mittwoch Mays Posten.

Der iranische Botschafter in Großbritannien, Hamid Baeidinedschad, schrieb am Sonntag beim Kurznachrichtendienst Twitter, es gebe politische Kreise in London, die Spannungen jenseits des Tankerstreits wollten. Dies sei gefährlich und unklug. «Der Iran bleibt jedoch entschlossen und ist auf alle möglichen Szenarien vorbereitet», so der Diplomat.

Da der Tanker in den Gewässern des Omans gestoppt worden sei, sprach die britische Verteidigungsministerin Penny Mordaunt von einer «feindlichen Handlung». Ihr Kabinettskollege, Außenminister Jeremy Hunt, schrieb auf Twitter davon, dass der Iran einen «gefährlichen Weg des illegalen und destabilisierenden Verhaltens» beschreite. Dem Sender Sky News sagte Hunt: «Wir sind absolut deutlich, dass es sehr ernste Konsequenzen geben wird, wenn diese Situation nicht schnell gelöst wird.» Militärische Vergeltung schloss Hunt erst einmal aus.

Für Außenminister Maas ist die Lage am Golf «noch ernster und gefährlicher geworden» als ohnehin schon. Maas sagte der «Bild am Sonntag»: «Es geht darum, Krieg zu verhindern.» Sollte es zu einer militärischen Eskalation kommen, gäbe es «keine Gewinner, nur Verlierer».

Der Oman drängt Großbritannien und den Iran zu einer diplomatischen Lösung. Man stehe mit mehreren Seiten in Kontakt, um die sichere Fahrt der Schiffe durch die Straße von Hormus zu garantieren, twitterte das omanische Außenministerium am Sonntag. Anders als die restlichen Golfstaaten pflegt der Oman gute Beziehungen zum Iran.

Der Zwischenfall am Golf belastete die Börsen und trieb den Ölpreis nach oben. Die Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch dieses Nadelöhr verschifft.

Ausgangspunkt der jüngsten Eskalation des Konflikts ist der 4. Juli, als in den Gewässern der britischen Exklave Gibraltar der unter der Flagge Panamas fahrende Supertanker «Grace 1» mit Öl aus dem Iran an die Kette gelegt wurde. Der Vorwurf: von der EU untersagte Lieferungen an Syrien. Das Fahrverbot gilt derzeit bis zum 20. August.

«Anders als die Piraterie in der Straße von Gibraltar dient unsere Maßnahme im Persischen Golf dazu, die maritimen Regeln zu bewahren», so Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. Großbritannien müsse aufhören, «ein Zubehör des Wirtschaftsterrorismus der USA» zu sein.

Hunt telefonierte am Samstag mit seinem iranischen Kollegen und brachte seine «tiefe Enttäuschung» über die Situation zum Ausdruck.

Irans Revolutionsgarden hatten am Freitag den unter britischer Flagge fahrenden Tanker «Stena Impero» gestoppt und in den südiranischen Hafen Bandar Abbas Richtung Küste gebracht. Zur Begründung hieß es, der Kapitän habe Vorschriften missachtet.

Die schwedische Reederei Stena Bulk, der das Schiff gehört, widersprach. Der Tanker habe sich an alle Vorschriften gehalten. Den 23 Besatzungsmitgliedern gehe es den Umständen entsprechend gut, sagte Reederei-Chef Erik Hånell. Es sind 18 Inder, drei Russen und je ein Philippine und Lette.

Auf einem Video der Revolutionsgarden, das die iranische Nachrichtenagentur Fars veröffentlichte, ist zu sehen, wie mehrere kleinere Boote und ein Hubschrauber sich dem Tanker näherten. Aus dem Hubschrauber seilten sich maskierte Männer ab.

Auch der unter liberianischer Flagge fahrende Tanker «Mesdar» des britischen Unternehmens Norbulk Shipping UK war am Freitag in Richtung Iran abgedrängt worden, kam aber kurze Zeit später wieder frei. Die Regierung in London forderte britische Schiffe auf, die Straße von Hormus und umliegende Gewässer zu meiden.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump gab bekannt, zur Abschreckung Soldaten nach Saudi-Arabien - dem Erzfeind des Irans - zu verlegen. US-Medien zufolge geht es um bis zu 500 Soldaten. Zudem verlegte das US-Militär Aufklärungsflugzeuge, die im internationalen Luftraum operieren, in die Region. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hielten sich mit Äußerungen zu dem Konflikt zurück.

Erst am Donnerstag hatte Trump erklärt, ein US-Marineschiff habe in der Straße von Hormus eine iranische Drohne zerstört. Die Führung in Teheran widersprach dem.

Der US-Präsident beauftragte den republikanischen Senator Rand Paul, eine Aufnahme von Gesprächen mit dem Iran auszuloten. Der Senator habe seine Hilfe angeboten. Trump hatte im Mai 2018 das Atomabkommen mit dem Iran einseitig aufgekündigt und danach harte Wirtschaftssanktionen gegen die Islamische Republik verhängt. Diese sollen das Land von den Finanz- und Ölmärkten abschneiden.

Die EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini zeigte sich - wie Deutschland und Frankreich - tief besorgt und forderte die sofortige Freilassung des nun festgesetzten britischen Schiffs.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 07. 2019
06:55 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Außenminister Außenministerien Boris Johnson Britische Außenminister Britische Regierungen Deutsche Außenminister Diplomaten Donald Trump Federica Mogherini Heiko Maas Iranische Außenminister Jeremy Hunt Mahmud Abbas Mohammed Dschawad Sarif Omanisches Außenministerium Präsidenten der USA Rand Paul SPD Schiffe Theresa May Twitter US-Militär Verteidigungsminister
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Route der «Mesdar»

20.07.2019

Großbritannien droht dem Iran in Tankerkrise

Die Zwischenfälle in der Golfregion häufen sich in gefährlichem Maße. Der Iran hat einen unter britischen Flagge fahrenden Öltanker festgesetzt - der US-Präsident schickt Soldaten in die Region. » mehr

Kritik an Trumps Plänen

29.01.2020

Israels Rechte will nach Trump-Plan rasche Annektierung

Trumps Nahost-Plan hat bei den Palästinensern Zorn ausgelöst. Israels Rechte frohlockt dagegen - lehnt allerdings die vorgesehene Gründung eines Palästinenserstaats ab. Sie will rasch vor Ort Fakten schaffen. » mehr

Kim Darroch

10.07.2019

Nach Trump-Kritik: Britischer Botschafter in USA wirft hin

Der US-Präsident hatte ihn als «dummen Kerl» und «aufgeblasenen Deppen» beschimpft. Nun wirft der oberste britische Diplomat in Washington hin. Spielte eine Äußerung des Premierminister-Kandidaten Boris Johnson eine Roll... » mehr

Trump

09.01.2020

Entspannung im Iran-Konflikt: USA bieten Verhandlungen an

Die Eskalationsspirale zwischen den USA und dem Iran scheint vorerst gestoppt. Auf beiden Seiten wird verbal abgerüstet. Washington macht ein Gesprächsangebot. Doch die Nato nennt die Lage unberechenbar. » mehr

Zwischenfall im Golf von Oman

16.06.2019

Pompeo wirbt um Zustimmung zu US-Vorwürfen gegen Iran

Nach den Zwischenfällen mit zwei Tankern im Golf von Oman legten sich die USA schnell fest: Der Iran stecke dahinter, sagen sie - allen Dementis aus Teheran zum Trotz. Viele Partner sind sich da nicht so sicher. Washingt... » mehr

Norbert Röttgen

01.08.2019

Weiter Rufe nach europäischer Hormus-Mission

Außenminister Heiko Maas erteilt einer deutschen Beteiligung an einer US-geführten Militärmission am Persischen Golf eine Absage. Doch gänzlich vom Tisch ist ein Bundeswehreinsatz nicht. Und die Spannungen zwischen den U... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Rad-Reisebericht

Ehepaar aus den Haßbergen erkundet Jerusalem mit Rad | 24.03.2020 Jerusalem
» 15 Bilder ansehen

SPD-Wahlparty in der Loreley Coburg

Kommunalwahl 2020 Coburg | 15.03.2020 Coburg
» 27 Bilder ansehen

Hochwasser in Kronach

Hochwasser in Kronach | 12.03.2020 Kronach
» 13 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 07. 2019
06:55 Uhr



^