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Großer Regenschirm für Notre-Dame

Das Ausmaß der Zerstörung von Notre-Dame ist weitgehend bekannt. Jetzt heißt es: Weitere Schäden verhindern, denn die Wettervorhersage verheißt nichts Gutes für die Kathedrale. Und schlechte Stimmung für Paris naht auch noch von einer ganz anderen Seite.



Nach dem Brand
Arbeiter bereiten eine Statue auf einem Dach von Notre-Dame auf die Demontage durch einen Kran vor.   Foto: Michel Euler/AP POOL

Ein «großer Regenschirm» soll die beschädigte Pariser Kathedrale Notre-Dame vor Wasser schützen. Dabei handele es sich um eine gewaltige Plane, die über dem Bauwerk angebracht werde, sagte die Präsidentin der Architektenvereinigung für historische Gebäude, Charlotte Hubert, dem Sender BFM TV.

Am Freitag begann außerdem das Abtransportieren der riesigen Ölbilder, die in der Kathedrale hingen. Unterdessen bereitet sich Frankreich auf neue «Gelbwesten»-Proteste vor. Die Anhänger der Bewegung kritisieren auch das große Spendenaufkommen für den Wiederaufbau der Kirche. Der Innenminister warnte vor einer ernsthaften Bedrohung.

Die weltberühmte Kathedrale im Herzen von Paris war bei dem Brand am Montagabend schwer beschädigt worden - vor allem das Dach wurde in großen Teilen zerstört. Die französische Hauptstadt war in den Tagen nach dem Feuer weitgehend von Regen verschont geblieben.

In der kommenden Woche erwarten die Meteorologen allerdings Gewitter. Deshalb soll das Gebäude mit einer Plane mit der Form eines Spitzdaches wasserfest gemacht werden. Die Konstruktion müsse größer sein als das ursprüngliche Dach, damit die Handwerker darunter arbeiten können, so die Expertin Hubert.

Bereits das Löschwasser hatte in der Kathedrale großen Schaden angerichtet. Regen könnte das Gebäude weiter beschädigen. Kulturminister Franck Riester hatte erklärt gesagt, dass es besonders gefährlich wäre, wenn sich Wasser auf dem Dach der Kathedrale ansammeln würde. Das erhöhe die Einsturzgefahr, warnte er.

Am Freitag begann schließlich der Abtransport der großen Ölgemälde aus der Kathedrale. Riester hatte bereits zuvor erklärt, dass diese wohl eher einen Rauch- als einen Brandschaden erlitten haben und ins Louvre-Museum gebracht werden sollen. Notre-Dame musste erst abgesichert werden, bevor der Kunst-Transport beginnen konnte.

Unterdessen warnte der französische Umweltschutzverein Robin des Bois vor giftigen Abfällen in der Kirche. Diese seien zum Beispiel auf das Schmelzen von Blei in der Turmabdeckung und auf dem Dach während des Brandes zurückzuführen, hieß es in einer Mitteilung. Die Bewohner des betroffenen Gebiets könnten mehrere Monate oder gar Jahre beim Atmen Bleistaub ausgesetzt sein, hieß es.

Der deutsche Filmemacher Wim Wenders sagte der französischen Nachrichtenagentur AFP, dass er geweint habe, als er die Rauchsäule am Montagabend gesehen habe. «Ich war schon tausend Mal auf dem Platz», sagte der 73-jährige Regisseur. «Ich war schon hundert Mal drin», fügte er hinzu. Er habe gemerkt, wie sehr er einem Gebäude, das die Ideen von Frieden verkörpert, verbunden sei.

Am Freitagnachmittag versammelten sich in der Nähe der Kathedrale Gläubige zu einer Prozession. Der Pariser Erzbischof Michel Aupetit hatte beschlossen, dass einer der Kreuzwege rund um Notre-Dame stattfinden sollte. Eine große Ostermesse soll am Sonntag in der Kirche Saint-Eustiche stattfinden.

Frankreich erwartet am Samstag auch wieder Proteste der «Gelbwesten»-Bewegung. Die Pariser Polizeipräfektur hat Demonstrationen rund um Notre-Dame verboten. Das gilt zum einen für die Île de la Cité auf der Seine, auf der sich die Kathedrale befindet und auf der bereits in weiten Teilen ein Sicherheitsbereich eingerichtet wurde. Zum anderen darf auch in der unmittelbaren Umgebung nicht protestiert werden - besonders am linken Seine-Ufer.

Erneut sind an diesem Wochenende rund um die Prachtmeile Champs-Élysées Demonstrationen verboten - hier war es in der Vergangenheit immer wieder zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Die «Gelbwesten» demonstrieren seit Mitte November gegen die Reformpolitik von Präsident Emmanuel Macron und eine als zu niedrig empfundene Kaufkraft. Macron wollte am Montag eigentlich Maßnahmen zur Beruhigung des politischen Klimas verkünden - sagte seine TV-Ansprache aber wegen des Brandes ab. Nun sollen die Pläne am kommenden Donnestag vorgestellt werden.

Für das Osterwochenende hatten einige Führungsfiguren der zersplitterten Bewegung bereits vor Wochen zu Protesten aufgerufen und mobilisiert. «Wir fordern alle unsere Bürger auf, auf unfriedliche und gelbe Weise nach Paris zu reisen», heißt es in einem aktuellen Aufruf der Bewegung auf Facebook. Wut unter den «Gelbwesten» haben auch die Millionenspenden für den Wiederaufbau der Kathedrale ausgelöst.

Nach dem Feuer hatten französische Milliardärsfamilien immense Summen versprochen. «Was «Notre Dame» betrifft, so ist es gut, dass die Milliardäre 1 Milliarde Euro finden konnten, aber 140.000 Obdachlose, das interessiert niemanden!», heißt es in dem Facebook-Aufruf weiter. «Wieder einmal ist die Bedrohung ernst und erfordert verstärkte Maßnahmen», sagte Innenminister Christophe Castaner und kündigte ein großes Sicherheitaufgebot an.

Die andauernden Proteste der «Gelbwesten» hatten eine tiefe Spaltung der französischen Gesellschaft offengelegt. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hatte bei einem Festakt am Donnerstag zu einem Schulterschluss der Franzosen aufgerufen. «Die Zeit des Wiederaufbaus muss eine Zeit der Einigkeit werden», forderte sie in einer emotionsgeladenen Rede vor dem Pariser Rathaus.

Die Pariser Staatsanwaltschaft warnte unterdessen vor Spenden-Betrügern. Eine Untersuchung wegen organisierten Bandenbetrugs sei eingeleitet worden. Unbekannte würden ihre Opfer dazu aufrufen, das Geld per Überweisung auf ihr Bankkonto zu überweisen. Die französische Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine hat demnach Anzeige erstattet, weil Unbekannte in ihrem Namen Spenden sammelten.

Unklar ist weiterhin, was das Feuer ausgelöst hatte. Zu Medienberichten, wonach es durch einen Kurzschluss zu dem Brand kam, hatte die Staatsanwaltschaft erklärt, dass «derzeit keine Hypothese ausgeschlossen» werde. Ermittler gehen davon aus, dass die Katastrophe auf einem Unfall beruht. Die Anhörungen von Zeugen wurden fortgesetzt, wie die Staatsanwaltschaft berichtete. Unter den Zeugen sind Arbeiter, die vor dem Feuer an Renovierungsarbeiten beteiligt waren.

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dpa

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Veröffentlicht am:
19. 04. 2019
20:02 Uhr

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19. 04. 2019
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