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«Hass auf Fremde»: Weitere Ermittlungen nach Anschlagsfahrt

Immer wieder fährt ein Autofahrer in der Silvesternacht auf Feiernde zu. Acht Menschen werden verletzt - allesamt haben ausländische Wurzeln. Nach der mutmaßlich fremdenfeindlichen Attacke sitzt der 50-Jährige Fahrer wegen versuchten Mordes in U-Haft.



Mann fährt in Fußgängergruppe
Absperrband der Polizei sperrt einen Teil der Osterfelder Straße ab. Ein Autofahrer hatte in der Silvesternacht seinen Wagen gezielt in eine Fußgängergruppe gesteuert und fünf Menschen zum Teil schwer verletzt.   Foto: Marcel Kusch » zu den Bildern

Acht verletzte Männer, Frauen und Kinder - Opfer der Anschlagsfahrt der Silvesternacht im Ruhrgebiet, allesamt haben ausländische Wurzeln.

Auch wenn die Behörden keine Kontakte des Tatverdächtigen in rechtsextreme Netzwerke finden konnten, war es nach ersten Erkenntnissen der Ermittler mutmaßlich Fremdenhass, der den Mann antrieb. Gegen den 50 Jahre alten Autofahrer wurde Haftbefehl wegen mehrfachen versuchten Mordes erlassen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilten.

Er soll mit seinem Auto gezielt Jagd auf Ausländer gemacht haben - oder Menschen, die er dafür hielt. Im Internet kursieren Handy-Videos, die die Tat zeigen sollen: Als würde er nach etwas Ausschau halten, steuert der Fahrer seinen silbernen Kombi über einen Platz mit Silvester-Feiernden. Dann gibt er Gas, obwohl oder weil dort Menschen im Weg sind.

Erst in Bottrop, dann in Essen hatte der Fahrer mehrfach Menschen umgefahren, die unterwegs waren, das neue Jahr zu begrüßen. Eine gute halbe Stunde dauerte der Schrecken. Die Opfer: eine syrische Familie, eine afghanische Mutter und ihr 4-jähriger Sohn, ein 10-jähriges Mädchen aus Syrien und ein 34-jähriger Deutscher mit türkischen Wurzeln.

Besonders schwer traf es die Familie aus Syrien, die um kurz nach Mitternacht auf dem Berliner Platz in Bottrop beisammenstand, als der Täter auf sie zuhielt: Die 46 Jahre alte Mutter erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Nach einer Notoperation sei ihr Zustand aber inzwischen wieder stabil, teilte die Polizei mit. Ihr zwei Jahre älterer Ehemann und ihre 16 und 27 Jahre alten Töchter wurden ebenfalls verletzt.

Es sei wahrscheinlich, dass der Autofahrer etwa an beleuchteten Bushaltestellen gezielt Ausschau nach seinen Opfern gehalten habe, sagte ein Polizeisprecher. Immer wieder konnten Passanten sich auch in Sicherheit bringen, kamen mit dem Schrecken davon. Die Ermittlungen seien jedoch noch im vollen Gange, betonte der Sprecher. Zu den offenen Fragen gehört auch, ob die Tat geplant oder eher spontan verübt wurde. «Aktuell gibt es allerdings keine Hinweise darauf, dass es von langer Hand geplant war», sagte eine Polizeisprecherin am Nachmittag in Münster.

Die erste registrierte Attacke geschah in Bottrop um 23.45 Uhr - verletzt wurde niemand. An drei weiteren Tatorten soll er dann in Menschenansammlungen gefahren sein. Gut eine halbe Stunde später stellte die Polizei den Täter im benachbarten Essen. Schnell sprachen die Behörden von fremdenfeindlicher Gesinnung, aber auch davon, dass es Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung des Täters gebe.

Nach «Spiegel»-Informationen soll er in seiner Vernehmung gesagt haben, die vielen Ausländer seien ein Problem für Deutschland, das er lösen wolle. Demnach soll er nach ersten Erkenntnissen der Ermittler an Schizophrenie erkrankt sein. Der Mann sei in der Vergangenheit mindestens einmal in eine geschlossene Einrichtung eingewiesen worden, berichtete das Nachrichtenmagazin. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Essen wollte sich am Mittwoch nicht zum Motiv und den Inhalten der Vernehmung äußern.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach am Mittwochmorgen im Radiosender WDR5 von «ganz, ganz vielen offenen Fragen», unter anderem jene, wie und ob solche Vorfälle verhindern können. «Es gibt in dieser Gesellschaft im Moment - und das bedrückt mich am meisten - zu viele, die von unterschiedlichen Motivlagen her, meinen, sie hätte das Recht Gewalt anzuwenden und damit Probleme zu lösen», sagte Reul.

Den noch unvollständigen Erkenntnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft zufolge habe der Mann keine Verbindungen in rechtsextreme Kreise gehabt. Es scheine vielmehr, dass der mutmaßliche Täter «aus einer persönlichen Betroffenheit und Unmut heraus dann Hass auf Fremde entwickelt hat», erläuterte Reul weiter. Welche Rolle eine psychische Erkrankung, wegen der er zumindest zu früheren Zeiten behandelt worden sei, dabei gespielt habe, werde noch geprüft.

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dpa

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Veröffentlicht am:
02. 01. 2019
18:51 Uhr

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02. 01. 2019
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