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Heiß und gewittrig: Deutschland schwitzt weiter

Hochsommer in Deutschland: Wer große Hitze mag, dürfte dieser Tage zufrieden sein. Zu den Nachteilen gehören Trinkwassermangel und Waldbrandgefahr, zumindest in einigen Regionen. Außerdem brauen sich mancherorts Gewitter zusammen.



Heiß und trocken
Sonnenanbeter liegen in Pulheim auf einer vertrockneten Wiese in der Sonne.   Foto: Oliver Berg/dpa » zu den Bildern

Es bleibt heiß in Deutschland, zugleich herrscht in vielen Regionen auch in den nächsten Tagen die Gefahr teils kräftiger Gewitter.

Vor allem im Westen und Südwesten Deutschlands sowie an den Alpen bestehe an diesem Mittwoch lokal Unwettergefahr, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mit. Tagsüber kann es der Vorhersage zufolge bis zu 36 Grad warm werden. Im Norden und Osten soll es sonnig und trocken bleiben.

Heftige Unwetter zogen bereits am Dienstag über Teile Deutschlands. Die Frankfurter Feuerwehr hatte binnen zweieinhalb Stunden fast 300 Einsätze. Im Norden der Stadt sei es vor allem um vollgelaufene Keller und abgeknickte Äste gegangen, sagte eine Feuerwehrsprecher. Starke Gewitter mit reichlich Regen und heftigem Wind zogen zudem quer durch Nordrhein-Westfalen. Radar-Bilder des DWD zeigten Regenmengen von stellenweise mehr als 40 Litern pro Quadratmeter, wie Meteorologin Ines Wiegand sagte. Das «WDR Verkehrstudio» vermeldete bei Twitter überflutete Fahrbahnen auf der A43 zwischen Sprockhövel und Bochum.

Nachdem im niedersächsischen Lauenau am Wochenende bereits der Trinkwasserspeicher leergelaufen war und Tankfahrzeuge zum Einsatz kamen, wurden die Menschen inzwischen auch andernorts zum Wassersparen aufgerufen. So sprachen erste Kommunen in Hessen von Notständen bei der Wasserversorgung. Versorger und Verbände mahnten zum umsichtigen Gebrauch. Zum hohen Wasserverbrauch in diesem Sommer trägt die Corona-Pandemie bei, die dazu führt, dass viele Leute im Urlaub nicht wegfahren.

Die Trockenheit bringt außerdem eine hohe Waldbrandgefahr mit sich. Der entsprechende Gefahrenindex steht insbesondere im Nordosten Deutschlands vielerorts auf der höchsten Stufe fünf.

In Mecklenburg-Vorpommern befördert das hochsommerliche Wetter das Wachstum von Blaualgen an der Ostseeküste und in Binnenseen. Blaualgen - richtiger: Cyanobakterien - können Giftstoffe bilden, die Haut- und Schleimhautreizungen und bei Verschlucken großer Mengen Wasser Erbrechen und Durchfall hervorrufen können. Aus Schleswig-Holstein hieß es hingegen, an der dortigen Ostsee und der Nordsee seien aktuell keine Beeinträchtigungen durch Algen gemeldet.

Dort, wo die großen Ferien bereits vorbei sind, dürften viele Schüler unter der Hitzewelle leiden - vor allem, wenn sie wegen Corona auch noch Masken tragen müssen. Die Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, sprach sich für mehr Erholungspausen aus. «Es müssen Möglichkeiten geschaffen werden, damit sich Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler regelmäßig Abkühlung verschaffen können», sagte sie der in Düsseldorf erscheinenden «Rheinischen Post». Zudem müsse eine Getränkeversorgung sichergestellt werden. «Das gilt insbesondere für Bundesländer wie NRW, in denen im Unterricht Maskenpflicht herrscht.»

Derzeit bestimmen Hoch «Emil» über Skandinavien und Tief «Heike» über Nordostfrankreich und den Benelux-Staaten das Wetter in Deutschland. Dabei sorgt «Emil» dafür, dass die Sonne von der Nordsee bis zur Oder nahezu ungehindert strahlen kann, wie DWD-Meteorologe Lars Kirchhübel am Dienstag erklärte. Ein weiterer positiver Effekt im Nordosten sei die Zufuhr trockener Luft, die dazu führe, dass es nachts allmählich stärker abkühle.

Durch Tief «Heike» sehe es im restlichen Bundesgebiet anders aus: Hier könne weiterhin heiße und feuchte Luft ins Land gepumpt werden. Schwerpunkt der Gewitter an diesem Mittwoch sind die Regionen von Nordrhein-Westfalen bis zu den Alpen.

«Am Donnerstag und Freitag wird es dann interessant», erläuterte Kirchhübel. «Tief «Heike» mit ihrer Tiefdruckzone könne nun ostwärts vorankommen und das Bundesgebiet für sich einnehmen. Einhergehend steigt von Südwesten her das Gewitterrisiko an. Nahezu in der gesamten Südwesthälfte des Landes kann es in der feuchtheißen Luft ordentlich krachen. Nur der Norden und Osten bleiben vorerst außen vor.»

Deutschlands heißester Orte lag am Dienstag im Saarland. Der DWD verzeichnete in Saarbrücken-Burbach mit 37,3 Grad die bundesweit höchste Temperatur des Tages. Auf Platz zwei kam - wie bereits am Montag - Waghäusel-Kirrlach in Baden-Württemberg: Dienstag wurden dort 37 Grad gemessen. In Nordrhein-Westfalen lag Platz drei: In Tönisvorst wurde es bis zu 36,7 Grad heiß, wie es am Abend beim DWD in Offenbach hieß.

In Trier war am Wochenende die bundesweit höchste Temperatur des bisherigen Jahres gemessen worden. An der DWD-Station Trier-Petrisberg kletterte das Thermometer am Sonntag auf ein Maximum von 38,6 Grad. Der deutsche Temperaturrekord liegt dem DWD zufolge bei 42,6 Grad - gemessen am 25. Juli 2019 in Lingen an der Ems. Allerdings überprüft der DWD derzeit diesen Wert, nachdem es Kritik an der Messung in Lingen gab.

© dpa-infocom, dpa:200811-99-124655/5

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11. 08. 2020
20:54 Uhr

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