Lade Login-Box.
Topthemen: Coronavirus in BayernDie Videos der WocheDer BachelorCotubeBlitzerwarner

Brennpunkte

Homöopathie-Arzneien: Übernahme von Kosten bleibt umstritten

In Frankreich sollen homöopathische Arzneimittel bald nicht mehr von den Kassen bezahlt werden. Das wird nun auch in Deutschland diskutiert. Die Erfolgsaussichten für eine solche Entscheidung hierzulande sind aber ungewiss.



Homöopathische Präparate
In Frankreich sollen homöopathische Arzneimittel bald nicht mehr von den Kassen bezahlt werden. Das wird nun auch in Deutschland diskutiert.   Foto: Frank Rumpenhorst

Bei der umstrittenen Kostenübernahme für homöopathische Arzneien zeichnet sich im politischen Berlin noch keine einheitliche Linie ab.

Die Frage, ob den Krankenkassen die Zuzahlung auch künftig erlaubt sein soll, ist selbst bei führenden Gesundheitspolitikern in der Unions-Bundestagsfraktion umstritten. Eine Sprecherin von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ließ offen, ob in Deutschland eine Regelung nach französischem Vorbild denkbar wäre.

In Frankreich sollen die Kosten für homöopathische Arzneimittel ab 2021 nicht mehr von der Kasse erstattet werden. Auch der Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Deutschland, Andreas Gassen, wünscht sich, dass die Kassen hierzulande keine homöopathischen Leistungen mehr finanzieren.

Der Vorsitzende des Bundestag-Gesundheitsausschusses, Erwin Rüddel (CDU), kann sich ein Ende der Erstattungsfähigkeit vorstellen. «Es ist schwer vermittelbar, dass Kosten für Homöopathie teilweise übernommen werden, während an anderer Stelle gespart werden muss», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Seine Parteikollegin Karin Maag hält die Übernahme seitens der Kassen hingegen für «vertretbar». Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion sagte im Deutschlandfunk: «Derjenige, der für sich Homöopathie ablehnt, der kann ohne weiteres eine Kasse finden, die diese Medikamente nicht erstattet.» Zudem verwies Maag auf die geringen Kosten für die Krankenkassen: «Wir reden von 0,03 Prozent der Ausgaben.»

Nach einem Bericht des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI) zahlten die Kassen im Jahr 2017 lediglich 10,5 Millionen Euro für homöopathische Mittel. Im Gegensatz dazu beliefen sich die gesamten Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung in jenem Jahr auf rund 39 Milliarden Euro. Homöopathische Arzneimittel sind kein fester Bestandteil des Leistungskatalogs. Allerdings erstatten viele Kassen Behandlungskosten für Naturheilverfahren.

Bundestagsabgeordnete von SPD und FDP sehen das skeptisch. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sabine Dittmar, betonte, die Wirksamkeit homöopathischer Mittel sei nicht nachgewiesen. «Ich sehe es deshalb kritisch, dass Krankenkassen und damit die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler diese Mittel finanzieren.» Die Freidemokratin Christine Aschenberg-Dugnus ergänzte: «Jeder, der Homöopathie befürwortet, soll sie auch weiter erwerben können - aber auf Selbstzahlerbasis.»

Der AfD-Parlamentarier Axel Gehrke hält ein Verbot wie in Frankreich hingegen für unnötig: «Nicht die Kostenübernahme von homöopathischen Mitteln belastet die Versicherten, sondern die überbordende Bürokratie im deutschen Gesundheitssystem.» Auch Harald Weinberg von der Linken hält die Debatte für überzogen. Es gebe wichtigere Probleme. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) wies die Forderung Gassens ausdrücklich zurück. Die Vorsitzende Michaela Geiger betonte: «Ein Verbot der Erstattung homöopathischer Leistungen wäre ein Schritt hin zu einer Monokultur in der Medizin.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 07. 2019
16:58 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
CDU CDU/CSU-Bundestagsfraktion Christine Aschenberg-Dugnus Deutschlandfunk Erwin Rüddel FDP Gesetzliche Krankenversicherung Gesundheitsminister Gesundheitssystem Gesundheitssystem in Deutschland Harald Weinberg Homöopathie Jens Spahn Karin Maag Kassenärztliche Bundesvereinigung Kosten Kostenübernahme Krankenversicherung Medikamente und Arzneien Michaela Geiger Naturheilverfahren SPD SPD-Fraktion Sabine Dittmar
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Video-Sprechstunde

07.01.2020

Videosprechstunde und mehr: Praxen sollen digitaler werden

Bei größeren Beschwerden gehen die meisten wohl lieber direkt ins Behandlungszimmer. Viele andere Fragen könnten Patienten aber auch über neue Technologien mit ihrem Arzt klären. Wie kommt das voran? » mehr

Versicherungskarten

25.12.2019

Krankenkassen beenden das Jahr mit einer Milliarde Verlust

Der Trend war bereits absehbar, nun verkündet der GKV-Spitzenverband ein großes Defizit. Als Grund wird der medizinische Fortschritt genannt - aber auch teure Vorhaben der Bundesregierung. » mehr

Homöopathische Präparate

18.09.2019

Spahn will Homöopathie auf Kassenkosten nicht antasten

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will umstrittene Kostenübernahmen für homöopathische Arzneimittel durch die Krankenkassen nicht antasten. » mehr

Gesundheits-App

07.11.2019

Gesundheits-Apps kommen bald auf Rezept

Beim Arztbesuch läuft oft noch viel auf Papier. Die große Koalition will deswegen Tempo machen, um endlich einen Durchbruch für die Digitalisierung zu schaffen. Geht das für manche auch zu schnell? » mehr

Jens Spahn

15.05.2019

Gesundheits-Apps von der Kasse: Spahn will digitales Tempo

Mit der Online-Vernetzung geht es im deutschen Gesundheitswesen seit langem nur schleppend voran. Dabei machen global agierende Anbieter schon mobil. Der Minister will mehr Druck für weitere Fortschritte machen. » mehr

Transportbehälter

16.01.2020

Bundestag beschließt moderate Organspende-Reform

Aufwühlende Debatte im Bundestag: Zwar kassierten die Befürworter einer weitreichenden Umstellung bei der Organspende eine Niederlage. Es kommen aber Neuregelungen, die mehr Schwerkranken helfen sollen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Weiberfasching in Creidlitz

Weiberfasching in Creidlitz | 21.02.2020 Creidlitz
» 8 Bilder ansehen

VfL Gummersbach - HSC 2000 Coburg 24:24 (10:12) Gummersbach

VfL Gummersbach - HSC 2000 Coburg 24:24 (10:12) | 18.02.2020 Gummersbach
» 79 Bilder ansehen

Größte Jura-Schildkröte der Welt in Oberfranken Bamberg/Landkreis

Größte Jura-Schildkröte der Welt in Oberfranken | 18.02.2020 Bamberg/Landkreis
» 5 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 07. 2019
16:58 Uhr



^