Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Brennpunkte

Immer mehr Menschen ohne Abschluss mit Niedriglohn

Viele Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte. Doch auf der anderen Seite ist die Zahl der Menschen ohne Abschluss stark gestiegen - mit negativen Folgen für die Betroffenen.



Beruflicher Abschluss
Gerüstbauer errichten in Hamburg auf einer Brückenbaustelle in der Hafencity ein Gerüst.   Foto: picture alliance / Christian Charisius/dpa

In Deutschland gibt es immer mehr Menschen ohne Berufsabschluss und mit niedrigem Lohn. Von den 1,67 Millionen Vollzeitbeschäftigten ohne Abschluss erzielten zuletzt 676.000 nur Einkommen auf Niedriglohnniveau, also unter zwei Drittel des mittleren Einkommens.

Auf diese Zahlen der Bundesagentur für Arbeit machte die Linke im Bundestag aufmerksam. Die jüngsten Angaben beziehen sich auf Ende 2018.

Vier Jahre zuvor waren es erst 504.000 von 1,43 Millionen ohne Abschluss. Dazwischen verzeichneten die Statistiker im Jahr 2016 rund 581.000 Geringverdiener von insgesamt 1,53 Millionen Beschäftigten ohne Abschluss. Der Anteil der Menschen mit Niedriglohn an den Beschäftigten ohne Abschluss stieg hiermit von rund 35 über 38 auf 40 Prozent.

Das mittlere Einkommen, das Vollzeitbeschäftigte ohne Abschluss erreichten, betrug 2018 2461 Euro - 843 Euro weniger als Beschäftigte in Vollzeit insgesamt. Beschäftigte mit akademischem Abschluss kamen sogar auf 5113 Euro.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte Politik und Arbeitgeber zum Gegensteuern auf. «Die hohe Zahl ausbildungsloser junger Menschen spaltet unsere Gesellschaft», sagte DGB-Vizechefin Elke Hannack. Nötig seien für alle Jugendlichen eine Ausbildungsgarantie sowie ein steuerfinanziertes Bund-Länder-Programm für über- und außerbetriebliche Ausbildungen.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Die Bundesregierung muss dazu sowohl einen allgemeinen Rechtsanspruch auf Ausbildung als auch auf Weiterbildung für Erwerbslose und Beschäftigte einführen.»

In Ostdeutschland verdienten zuletzt sogar 58,1 Prozent der Menschen ohne Abschluss nur niedrige Löhne, in Westdeutschland hingegen nur 38,6 Prozent. Von den Beschäftigten mit anerkanntem Berufsabschluss waren insgesamt 18,4 Prozent im Niedriglohnsektor.

In Ostdeutschland war das mittlere Einkommen von Vollzeitbeschäftigten ohne Berufsabschluss zuletzt mit 2023 Euro brutto noch einmal deutlich geringer als in Westdeutschland mit 2507 Euro brutto. Nach Bundesländern wurde in Mecklenburg-Vorpommern das geringste mittlere Entgelt für Vollzeitbeschäftigte ohne Berufsabschluss gezahlt: 1854 Euro brutto im Monat.

Linke-Chef Bernd Riexinger sagte: «Dass Menschen ohne Abschluss zunehmend im Niedriglohnsektor landen, ist ein Skandal, der das arbeitspolitische Versagen dieser Regierung deutlich macht.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 01. 2020
14:44 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Arbeitnehmer Arbeitslose Bernd Riexinger Bundesagentur für Arbeit Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Fachkräfte Löhne und Einkommen Niedriglohnbereich Niedrigverdiener Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Sabine Zimmermann Unternehmen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Kassiererin

12.07.2020

Eben noch Helden des Alltags, jetzt Hartz-IV-Aufstocker

Niedrige Verdienste gibt es in vielen Wirtschaftsbereichen. Reicht es nicht zum Lebensunterhalt, kann man noch zusätzliche Unterstützung vom Staat erhalten. Wo ist solches «Aufstocken» stark verbreitet? » mehr

Armutsrisiko

13.08.2020

Armutsrisiko gestiegen: Corona-Auswirkungen noch ungewiss

In vielen Haushalten reicht das Geld längst nicht bis zum Monatsende. Bedürftige müssen sich Essen bei den Tafeln holen. Rentner müssen teils dazu verdienen, damit es zum Leben reicht. Die Armutsgefahr in Deutschland ist... » mehr

Angela Merkel

15.09.2020

Deutschland nimmt 408 Flüchtlingsfamilien auf

Nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria hat die Bundesregierung angeboten, auch noch mehr als 400 Familien mit Kindern von den griechischen Inseln aufzunehmen. Auf Lesbos sollen neue Unterkünfte entstehen, unter Beteili... » mehr

Olaf Scholz

10.08.2020

SPD hat Kanzlerkandidaten: Scholz glaubt an über 20 Prozent

Trotz des Dauertiefs seiner Partei setzt Vizekanzler Olaf Scholz auf Sieg. Er will die große Koalition nach der Bundestagswahl beenden und eine Mitte-Links-Regierung führen. Bis dahin aber: Zusammenarbeit mit der Union. » mehr

Horst Seehofer

01.09.2020

Auftakt für Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst

Mit Trillerpfeifen und Ratschen wird gehörig Lärm gemacht. Beschäftigte des öffentlichen Dienstes wollen, dass ihre Forderungen nach höheren Einkommen nicht überhört werden. » mehr

Passkontrolle

21.07.2020

Arbeitsmigranten: Westbalkanregelung soll verlängert werden

Sollen Menschen aus dem Westbalkan weiter unter erleichterten Bedingungen nach Deutschland zum Arbeiten kommen können? Zuletzt hatte es Fragezeichen gegeben. Nun soll entschieden werden. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Parking Day in Coburg

Parking Day in Coburg | 18.09.2020 Coburg
» 23 Bilder ansehen

Schaeffler Aktionstag in Eltmann Eltmann

Schaeffler Aktionstag in Eltmann | 16.09.2020 Eltmann
» 7 Bilder ansehen

WG: Totschlags-Prozess Coburg

Gerichtsprozess in Coburg | 14.09.2020 Coburg
» 16 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 01. 2020
14:44 Uhr



^