Lade Login-Box.
Topthemen: Die Videos der WocheDer BachelorCotubeVor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-Theater

Brennpunkte

Immer mehr Tote bei Kämpfen in Libyen

Die Lage in Libyen war schon vor dem Ausbruch der neuen Eskalation chaotisch. Den einflussreichen internationalen Mächten gelingt es nicht, eine gemeinsame Haltung zu finden. Deutschland ist frustriert.



Konflikt in Libyen
Angehörige einer Miliz, die aufseiten von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch kämpfen, bereiten in Tripolis ihre Munition vor.   Foto: dpa

Die Zahl der Opfer bei den Kämpfen um die libysche Hauptstadt Tripolis steigt immer weiter in die Höhe. Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldete am Freitag mindestens 213 Tote und mehr als 1000 Verletzte seit dem Ausbruch der Zusammenstöße vor rund zwei Wochen.

Trotz der Eskalation der Gewalt scheiterte der UN-Sicherheitsrat in New York erneut mit dem Versuch, eine einheitliche Haltung zur Lage in dem Krisenland zu finden.

Es sei «frustrierend», dass der Text nicht vorankomme, sagte der deutsche UN-Botschafter Christoph Heusgen am Donnerstag nach einer Dringlichkeitssitzung hinter verschlossenen Türen. Es sei wichtig, eine entschiedene Resolution zu verabschieden, «von einem geeinten Rat, hinter der jeder stehen kann und in der wir klar sagen, wer Verantwortung trägt und was getan werden muss». Deutschland, das zurzeit den Vorsitz im mächtigsten Gremium der Vereinten Nationen innehat, hatte die Dringlichkeitssitzung einberufen.

In Libyen konkurrieren zwei Regierungen und zahlreiche Milizen um die Macht. Truppen des einflussreichen Generals Chalifa Haftar hatten Anfang April einen Angriff auf Tripolis begonnen, wo die international anerkannte Regierung von Fajis al-Sarradsch sitzt. Der 75-Jährige hat seinen Einfluss bereits auf große Teile Libyens ausgedehnt und will auch die Hauptstadt unter Kontrolle bringen.

Der Sicherheitsrat hatte sich vor rund zwei Wochen «zutiefst besorgt» über die Entwicklung in Libyen gezeigt, wie es in einer vor Journalisten verlesenen Erklärung hieß. Darin rief er Haftar auf, den Vormarsch seiner Truppen auf Tripolis zu stoppen. Alle Appelle dieser Art verhallten allerdings bisher ungehört. Auf eine Resolution mit dieser Forderung konnte sich der Rat damals wie heute nicht einigen.

Das Weiße Haus teilte am Freitag mit, US-Präsident Donald Trump habe am Montag mit Haftar telefoniert. Beide hätten über den «Kampf gegen Terrorismus» und die Notwendigkeit von Frieden und Stabilität in Libyen gesprochen. Trump habe Haftars wichtige Rolle im Kampf gegen den Terror und bei der Absicherung libyscher Ölreserven gewürdigt. Beide hätten auch über eine «gemeinsame Vision» für Libyens Übergang zu einem stabilen, demokratischen politischen System geredet.

Haftar wird unter anderem von der UN-Veto-Macht Russland, aber auch von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Ägypten und Frankreich unterstützt. Seine Anhänger wiederum werfen ihren Gegnern vor, Hilfe aus der Türkei und Katar zu bekommen.

Die von den UN unterstützte Sarradsch-Regierung erließ ihrerseits einen Haftbefehl gegen Hafter. Dieser begründe sich hauptsächlich mit den Bombenangriffen auf den Flughafen Mitiga und Wohngebiete, teilte die Militärstaatsanwaltschaft in Tripolis mit.

Beide Konfliktparteien meldeten Kämpfe südlich von Tripolis. Ein Sprecher der Haftar-treuen Truppen sagte der Deutschen Presse-Agentur, diese hätten in der Nacht zum Freitag einen Angriff auf Gharian abgewehrt. Der Ort liegt rund 90 Kilometer südlich von Tripolis und gilt als strategisches Einfallstor zur Hauptstadt.

Die Eskalation verschlechtert auch die Lage für die Flüchtlinge in dem Krisenland. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR meldete am Freitag, es habe erstmals seit Ausbruch der Gewalt 163 Flüchtlinge, darunter Dutzende Frauen und Kinder, aus Libyen ins Nachbarland Niger geflogen. In den vergangenen zehn Tagen seien insgesamt fast 540 Flüchtlinge aus Lagern nahe der Kampfzone verlegt worden.

Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) haben die Kämpfe rund 25 000 Menschen vertrieben. Im Chaos nach dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 hat sich Libyen zu einem der wichtigsten Transitländer für Flüchtlinge entwickelt, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenze warnte, die Gewalt gefährde besonders jene gut 3000 Flüchtlinge und Migranten, die willkürlich in Internierungslagern nahe der Kampfzone festgehalten würden. Manche hätten seit Tagen nichts zu essen bekommen, viele erhielten nur sehr wenig Trinkwasser. Einige berichteten, in direkter Umgebung ihrer Internierungslager habe es Kämpfe und Luftangriffe gegeben.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 04. 2019
19:56 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutsche Presseagentur Donald Trump Flüchtlinge Flüchtlingshilfswerke Gewalt Krisenländer Migranten Migration Muammar al- Gaddafi Muammar al-Gaddafi Präsidenten der USA Regierungen und Regierungseinrichtungen Terrorismus Twitter UN-Sicherheitsrat UNO Weltgesundheitsorganisation
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
«Alan Kurdi»

27.10.2019

Maas will Libyen-Gipfel in Berlin noch in diesem Jahr

Bisher sind alle diplomatischen Bemühungen gescheitert, den Bürgerkrieg in Libyen zu beenden. Jetzt gibt es einen neuen Versuch - mit maßgeblicher deutscher Beteiligung. Bei einem Besuch in Libyen wirbt Maas dafür - und ... » mehr

Recep Tayyip Erdogan

02.01.2020

Türkisches Parlament genehmigt Truppeneinsatz in Libyen

In Libyen tobt ein Machtkampf zwischen General Haftar und der Regierung in Tripolis. Viele internationale Akteure mischen in dem Bürgerkrieg mit. Nun hat das türkische Parlament Erdogan die Entsendung von Truppen erlaubt... » mehr

Recep Tayyip Erdogan

03.01.2020

Kritik an Erdogan wegen Truppen für Libyen

Der türkische Präsident Erdogan möchte militärisch zugunsten der Regierung in Tripolis in den Libyenkrieg eingreifen. Das Parlament in Ankara hat es ihm erlaubt. Washington und vor allem Moskau sind darüber alles andere ... » mehr

Putin empfängt Merkel im Kreml

11.01.2020

Putin unterstützt deutsche Initiative für Libyen

Am Ende dauert der Arbeitsbesuch in Moskau doppelt so lange wie geplant. Putin zeigt sich kompromissfähig. Die deutsche Libyen-Initiative unterstützt er. In Sachen Syrien-Hilfe ist er zumindest gesprächsbereit. » mehr

Kämpfe in Tripolis

08.11.2019

UN-Bericht: Länder schicken Waffen nach Libyen

Seit Jahren sind Millionen Zivilisten in Libyen Chaos und Gewalt ausgeliefert. Nun bestätigen UN-Experten, dass Länder den Bürgerkrieg mit Waffenlieferungen anheizen. Bezüglich eines schweren Luftangriffs auf ein Flüchtl... » mehr

Außenminister Heiko Maas

10.01.2020

EU-Außenminister: Iran-Konflikt führte wohl zu Absturz

Mitten im militärisch ausgetragenen Konflikt zwischen den USA und dem Iran stürzt bei Teheran ein ukrainisches Flugzeug mit 176 Menschen an Bord ab. Die Außenminister der EU-Staaten reagieren bei einem Krisentreffen in B... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Wein- und Bierprinzessin auf der Grünen Woche

Wein- und Bierprinzessin beehren die Grüne Woche (Berlin | 17.01.2020 Berlin
» 7 Bilder ansehen

Fridays for Future Haßfurt

Fridays for Future Haßfurt | 17.01.2020 Haßfurt
» 10 Bilder ansehen

Zug kracht gegen Auto Kronach

Zug kracht gegen Auto | 13.01.2020 Kronach
» 6 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 04. 2019
19:56 Uhr



^