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Indiens Polizei tötet Mordverdächtige - und bekommt Applaus

Nach großen Demonstrationen für ein hartes Vorgehen gegen mutmaßliche Vergewaltiger in Indien hat die Polizei Verdächtige erschossen. Damit erntet sie viel Zuspruch. Aber Politiker und Menschenrechtler sehen einen gefährlichen Präzedenzfall.



Indische Polizisten
Indische Polizisten bewachen ein Gebiet etwa 50 Kilometer von Hyderabad, in dem vier mutmaßliche Vergewaltiger von der Polizei erschossen wurden.   Foto: Mahesh Kumar A/AP/dpa

Nach der Vergewaltigung und dem Mord an einer jungen Frau in Indien haben Polizisten die mutmaßlichen Täter erschossen - und sie werden nun als Helden gefeiert.

Die Polizeibehörde berichtete, dass die Ermittler in der Nacht auf Freitag mit den Verdächtigen den Tatort begehen wollten. Plötzlich hätten die Männer versucht, die Waffen der Beamten zu ergreifen und zu fliehen. Die Polizisten hätten die Männer aufgefordert, sich zu ergeben. Als sie dies nicht getan hätten, hätten die Polizisten sie erschossen.

Kurz danach ließen zahlreiche Menschen Blütenblätter über die Beamten rieseln. Der Vater des Opfers dankte den Polizisten und der indischen Regierung, wie er der indischen Nachrichtenagentur ANI sagte. «Die Seele meiner Tochter wird jetzt in Frieden ruhen.» Denselben Tenor hatten viele Einträge von Menschen, die in sozialen Netzwerken ihre Zustimmung zeigten. Endlich sei Gerechtigkeit geschehen, hieß es etwa.

In den vergangenen Tagen waren in mehreren Städten Tausende auf die Straße gegangen und hatten ein hartes Vorgehen gegen die Verdächtigen und mehr Rechte für Frauen gefordert. Auch im Parlament wurde emotional diskutiert. Eine Abgeordnete forderte kürzlich gar, dass die Täter gelyncht würden.

Doch äußerten auch mehrere Politiker und Aktivisten Bedenken. Die Polizisten hätten die Verdächtigen entweder hingerichtet oder sie seien schlicht inkompetent gewesen, schrieb die Südasien-Chefin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Meenakshi Ganguly, auf Twitter. «Um der Wut der Öffentlichkeit über das Versagen des Staates bei sexuellen Übergriffen entgegenzuwirken, machen sich indische Behörden einer neuen Gewalttat schuldig.»

Die Abgeordnete Maneka Gandhi sagte vor Reportern: «Was passiert ist, ist sehr gefährlich. Man kann nicht einfach Menschen töten, wenn man das möchte. Man kann das Gesetz nicht einfach in die eigenen Hände nehmen.»

Auf diese Verwürfe sagte ein Polizeisprecher bei einer Pressekonferenz nur: «Die Polizei hat ihre Pflicht getan.»

Die Wut ist zurzeit groß in Indien. Immer wieder gibt es Fälle von sexueller Gewalt gegen Frauen und Kinder, die auch international Bestürzung auslösen. Zwar wurden in den vergangenen Jahren entsprechende Gesetze verschärft, aber trotzdem haben viele das Gefühl, dass zu wenig getan wird. Gerichtsfälle dauern oft Jahre.

Und die erwachsenen Täter etwa, die vor sieben Jahren eine Studentin in einem Bus in Neu Delhi vergewaltigt und so schwer verletzt haben, dass sie starb, wurden zwar zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde aber noch nicht vollstreckt. Diese Woche erst wurde eine junge Frau auf dem Weg zu einer Anhörung über ihre mutmaßliche Gruppenvergewaltigung von den mutmaßlichen Tätern angezündet und lebensgefährlich verletzt worden. Einer der verdächtigen Vergewaltiger sei nur kurz davor gegen Kaution freigelassen worden, sagte ein Polizeisprecher.

Diese Tat und diejenige mit den inzwischen toten Verdächtigen hat Indien besonders schockiert. Die erschossenen Männer im Alter zwischen 20 und 30 werden verdächtigt, vergangene Woche eine 27 Jahre alte Tierärztin vergewaltigt und getötet zu haben. Die junge Frau verschwand laut Polizeiangaben bei einer Mautstation nahe der Millionenstadt Hyderabad, wo sie ihren Motorroller geparkt hatte.

Die Männer hatten der Frau demnach angeboten, bei der Reparatur ihres Rollers zu helfen, dann sollen sie die Frau verschleppt, vergewaltigt und getötet haben. Anschließend sollen sie die Leiche zu einer rund 25 Kilometer entfernten Straßenunterführung gebracht und angezündet haben.

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dpa

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Veröffentlicht am:
06. 12. 2019
14:29 Uhr

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