Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 30 Jahre WiedervereinigungCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Brennpunkte

Jens Spahn will mehr Planbarkeit bei Pflege-Eigenanteilen

Im alternden Deutschland sind immer mehr Menschen auf Pflege angewiesen, auch die Bedingungen sollen besser werden. Doch wer soll das alles bezahlen? Der Minister sieht größeren Handlungsbedarf.



Minister Spahn
Jens Spahn Mitte November während eines Interviews mit der dpa.   Foto: Michael Kappeler/dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plant einen breiten Dialog zur künftigen Finanzierung der Pflege und strebt mehr Berechenbarkeit bei Eigenanteilen für Pflegebedürftige an.

«Wir müssen noch einmal neu über die faire Verteilung der Pflegekosten reden - was ist Verantwortung des Einzelnen und der Familie, was ist Verantwortung der Gesellschaft», sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. «Aus der Debatte soll eine Entscheidung folgen, die klar macht: Es wird planbarer und verlässlicher, wie viel eine Familie an Eigenanteilen einbringen muss.»

Spahn will bis Mitte kommenden Jahres einen Vorschlag zur Pflege-Finanzierung vorlegen. In den ersten Monaten 2020 plant das Ministerium dazu landesweit Veranstaltungen, Spahn will auch in der CDU darüber diskutieren. Angesichts immer weiter steigender Kosten für die Pflege wächst der Druck für einen Umbau der Finanzierung. Hintergrund ist, dass die Pflegeversicherung - anders als die Krankenversicherung - nur einen Teil der Kosten trägt.

Derzeit sind für Heimbewohner für die eigentliche Pflege im Bundesschnitt etwa 660 Euro fällig. Dazu kommen noch Kosten für Unterkunft, Verpflegung und auch für Investitionen in den Einrichtungen. Insgesamt kommen im Bundesschnitt rund 1900 Euro an Zahlungen aus eigener Tasche zusammen, es gibt aber erhebliche regionale Unterschiede.

Spahn sagte: «Wenn eine Pflegebedürftigkeit über fünf oder sieben Jahre geht, kommen schnell einige Zehntausend Euro zusammen. Es gibt ein Bedürfnis, hier eine höhere Planbarkeit zu haben. Das möchte ich aufnehmen.» Forderungen, die Pflegeversicherung solle die kompletten Pflegekosten übernehmen, lehnte er ab. «Von der Idee einer Vollversicherung halte ich nichts. Das entspricht nicht meinem Gesellschafts- und Familienbild. Denn dann müsste die Familie keine Verantwortung mehr für die Pflege ihrer Angehörigen tragen.»

Der Minister betonte: «Wenn es nicht mehr selbstverständlich ist, dass wir uns umeinander kümmern, verliert unsere Gesellschaft den Kitt, der sie zusammenhält.» Wenn jemand pflegebedürftig werde, verändere das den ganzen Alltag einer Familie. «Das können wir nicht wegreformieren. Wir können und wollen aber möglichst viel Unterstützung geben.» Ihm sei wichtig, dass die Generationen Verantwortung füreinander übernehmen. «Eine Vollversicherung wäre deshalb das falsche gesellschaftliche Signal.»

In der Debatte gibt es bereits verschiedene Vorschläge - etwa auch zu Bundeszuschüssen und zur Senkung oder Begrenzung der Eigenanteile. Möglich wären außerdem höhere Beiträge. Steigende Kosten verursachen auch höhere Löhne, die die Regierung im Ringen um dringend benötigte Pflegekräfte durchsetzen will. Die Pflegeausgaben steigen zudem wegen der alternden Gesellschaft. Die Zahl der Leistungsempfänger wuchs nach Angaben der gesetzlichen Krankenversicherung im vergangenen Jahr auf 3,7 Millionen - 10,4 Prozent mehr als 2017. Die Ausgaben der Pflegeversicherung stiegen um 7,6 Prozent auf 38,2 Milliarden Euro.

Spahn betonte, er sei als Minister für Gesundheit und Pflege «der größte Unterstützer» einer wachstumsfördernden Wirtschaftspolitik. «Denn egal, wer in zehn, zwanzig Jahren Gesundheitsminister ist, wir werden dieses System nur dann erhalten können, wenn wir immer noch erfolgreich Autos, Maschinen und andere Produkte in die Welt verkaufen.» Nötig sei vor allem starkes Wachstum der Produktivität, weil weniger Menschen noch mehr Wohlstand generieren müssten. «Wir müssen Digitalweltmeister werden und werden wollen, schon unserer Rente und Pflege wegen.»

Veröffentlicht am:
16. 11. 2019
12:01 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesgesundheitsminister CDU Deutsche Presseagentur Gesetzliche Krankenversicherung Gesundheitsminister Jens Spahn Minister Pflegebedürftige Pflegebedürftigkeit Pflegekosten Pflegepersonal Pflegeversicherung Pflegeversicherungen und Pflegekassen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Pressekonferenz zu Pflege und Corona

05.10.2020

Spahn hofft auf schnelle Umsetzung von Pflegereform

Gesundheitsminister Spahn will die Pflegeheimkosten begrenzen, Pflegekräfte besser bezahlen und Angehörige entlasten. Eine entsprechende Reform soll von der großen Koalition möglichst noch beschlossen werden, bevor im nä... » mehr

Steigende Pflegekosten

21.08.2020

Verbraucherschützer: Pflegekosten sind «soziale Zeitbombe»

Steigerungsraten wie sonst nur bei Mieten in Berlin oder München - Verbraucherschützer fordern wegen explodierender Kosten einen Bundeszuschuss bei der Pflege. » mehr

Jens Spahn

04.10.2020

Spahn kündigt Corona-Schnelltests an

Die Bilder von Pflegeheimen, in denen das Coronavirus viele Opfer forderte, sind noch vor Augen. Gerade alte und kranke Menschen sind gefährdet. Minister Spahn setzt auf eine neue Teststrategie. » mehr

Jens Spahn

17.02.2020

Spahn will langfristig Pflegebedürftige finanziell entlasten

In der alternden deutschen Gesellschaft wird Pflege immer wichtiger. Das treibt auch die Kosten in die Höhe - doch wer soll wie viel bezahlen? » mehr

Jens Spahn

03.09.2020

Corona-Bonus kommt auch für Pflegekräfte in Kliniken

Bei Applaus und lobenden Worten soll es nicht bleiben: Nach längerem Drängen sollen Pflegerinnen und Pfleger in Kliniken jetzt ebenfalls eine finanzielle Corona-Anerkennung erhalten. Nicht allen reicht das. » mehr

Frau im Pflegeheim

31.07.2020

Eigenanteile für Pflegebedürftige im Heim steigen weiter

Die Kosten für Pflegeheimbewohner und ihre Angehörigen kennen schon seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Der Trend setzt sich nun ungebremst fort - das erhöht den Druck zum politischen Gegensteuern. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

HSC 2000 Coburg - Nordhorn-Lingen 26:29 Coburg

HSC 2000 Coburg - Nordhorn-Lingen 26:29 | 18.10.2020 Coburg
» 94 Bilder ansehen

Jogger stirbt bei Verkehrsunfall Lichtenfels

Jogger stirbt bei Verkehrsunfall | 14.10.2020 Lichtenfels
» 8 Bilder ansehen

A 73: Unfall zwischen Eisfeld und Coburg

A 73: Unfall zwischen Eisfeld und Coburg | 12.10.2020 Eisfeld
» 15 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
16. 11. 2019
12:01 Uhr



^