Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Journalist stürzt im Hambacher Forst von Brücke und stirbt

Seit knapp einer Woche räumt die Polizei im Hambacher Forst Baumhäuser. Am Mittwoch stürzt ein Journalist in die Tiefe und stirbt. Die Landesregierung setzt die Aktion vorerst aus.



Hambacher Forst
Notärzte versuchten vergeblich, das Leben des abgestürzten Journalisten im Hambacher Forst zu retten.   Foto: Christophe Gateau » zu den Bildern

Nach dem Tod eines Journalisten stoppt die Landesregierung Nordrhein-Westfalens die umstrittene Räumungsaktion der Polizei im Braunkohlerevier Hambacher Forst vorerst. «Wir können jetzt nicht einfach so weitermachen, ich kann das zumindest nicht. Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen», sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwochabend in Düsseldorf. Vor dem Hintergrund des schlimmen Ereignisses habe die Landesregierung beschlossen, bis auf weiteres die Räumung des Geländes auszusetzen. Die Aachener Polizei wird nach eigenen Angaben am Donnerstag mit Beamten in dem Wald sein, um dort Gefahrenstellen abzusichern.

Am Mittwoch ist ein junger Journalist durch die Bretter einer Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern gebrochen und 15 Meter in die Tiefe gestürzt, wie die Polizei mitteilte. Rettungskräfte konnten nichts mehr für ihn tun. Der Aachener Polizei sprach von einem «tragischen Unglücksfall». Der Journalist habe seit längerem das Leben der Aktivisten in den Baumhäusern dokumentiert. Es habe zum Unglückszeitpunkt keine Polizeimaßnahmen in der Nähe der Unglücksstelle und am Baumhaus gegeben. Der Journalist habe gerade seine volle Speicherkarte eintauschen wollen, als er abstürzte.

Das Aktionsbündnis «Hambi bleibt» hatte nach dem Unglück den sofortigen Stopp der Räumung gefordert. Es dürften keine weiteren Menschenleben gefährdet werden. Zum tödlichen Sturz sei es vermutlich gekommen, weil der Journalist einen SEK-Einsatz in der Nähe habe beobachten wollen. Über die zwischen zwei Baumhäusern gespannte Brücke habe er anscheinend näher an den Einsatz herangehen wollen, schrieb die Initiative in ihrem Blog. Dabei sei er aus über 20 Metern Höhe abgestürzt. Der Tote sei «ein Freund, der uns seit längerer Zeit im Wald journalistisch begleitet», betonte das Aktionsbündnis.

Die NRW-Grünen begrüßten, dass «alle polizeilichen Maßnahmen auf die Aufklärung des Vorfalls konzentriert werden.» Laut Aachener Polizei ermittelt ein Tatortteam der Mönchengladbacher Polizei die Umstände des tödlichen Sturzes. Die Ermittler arbeiteten vor Ort und sichteten beispielsweise auch mögliche Videos. Reul erklärte, die Ermittler bräuchten jetzt Zeit und Ruhe, um das Geschehene aufzuklären. Ein Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft konnte am Mittwochabend noch nicht sagen, ob Ermittlungen durch die Behörde eingeleitet würden.

Auf Twitter löste der Unfall zahlreiche heftige Reaktionen aus. Viele Gegner des Braunkohleabbaus forderten RWE und die Polizei auf, die Räumungsarbeiten nun dauerhaft einzustellen. Andere Nutzer fragten, was der Journalist bei den Aktivisten in den Bäumen zu suchen gehabt habe. Ein anderer Twitterer kritisierte: «Ekelhaft, wie der tragische Unfall im #HambacherForst jetzt von beiden Seiten instrumentalisiert wird!». Der Energiekonzern RWE teilte mit: «Wir sind zutiefst erschüttert und bedauern den tragischen Unfall im Hambacher Forst sehr. Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen des Verstorbenen.»

Die Polizeiaktion, bei der Baumhäuser geräumt und abgerissen werden, hatte am vergangenen Donnerstag mit einem Großaufgebot begonnen. Bis Mittwoch waren laut Polizei 39 von 51 Baumhäusern geräumt. Die Waldbesetzer protestieren gegen das Vorhaben von RWE, weite Teile des Forstes abzuholzen. Es soll dort Braunkohle gebaggert werden. Der Wald gilt als Symbol des Widerstands gegen die Kohle und die damit verbundene Klimabelastung. In bis zu 25 Metern Höhe hatten Aktivisten Baumhäuser gebaut. Sie halten den Wald so seit sechs Jahren besetzt.

Aus Sicht von RWE ist die Abholzung des Hambacher Forsts unvermeidbar, um die Stromproduktion in den Braunkohlekraftwerken zu sichern. Gegner der Rodung argumentieren, der Wald habe eine 12 000 Jahre lange Geschichte. Es gebe dort Vorkommen streng geschützter Arten wie Bechsteinfledermaus, Springfrosch und Haselmaus.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 09. 2018
21:57 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aktivistinnen und Aktivisten Armin Laschet CDU Deutscher Bundestag Greenpeace Herbert Reul Journalisten Polizei RWE AG RWE Power AG Tragik Twitter
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Barrikade

13.09.2018

Hambacher Forst: Massiver Einsatz gegen Braunkohlegegner

Die Baumhäuser im Hambacher Forst sind längst ein Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle. Jetzt lassen die Behörden sie räumen. Die Aktivisten kündigen Aktionen «massenhaften zivilen Ungehorsams» an, die Justiz gibt... » mehr

Polizisten unter Baumhäusern

14.09.2018

Hambacher Forst: Polizei räumt weiter

Im Hambacher Forst macht die Polizei mit der Räumung der Baumhäuser weiter. Der Protest dagegen erreichte am Freitag Berlin. Dort entzweit das umstrittene Vorgehen gegen die Waldbesetzer zudem die Kohlekommission. » mehr

Bühne

29.10.2019

Minister Altmaier nach schwerem Sturz im Krankenhaus

Auf den Auftritt hat das Wirtschaftsministerium lange hingearbeitet. Ressortchef Altmaier stellt Pläne für eine neue europäische Daten-Infrastruktur vor, für ihn ein zentrales Projekt. Doch dann beherrscht ein anderes Th... » mehr

Angriff auf SPD-Zentrale

25.10.2019

Maskierte attackieren SPD-Zentrale mit Steinen und Farbe

Mehrere maskierte Täter haben die Zentrale der SPD in Berlin attackiert. Am späten Donnerstagabend warfen die Unbekannten Kleinpflastersteine und mit Farbe gefüllte Flaschen gegen das Willy-Brandt-Haus, wie die Polizei m... » mehr

Hambacher Forst

29.09.2018

Räumung des Hambacher Forsts: Polizei spricht von «Endspurt»

Der Tagebau Hambach ist riesig, der dazugehörige Wald nur noch relativ klein - und wird bald wohl ganz verschwinden. Umweltschützer machen zwar mobil, aber RWE will die Rodung durchziehen. » mehr

Hambacher Forst

20.09.2018

Gegenseitige Vorwürfe nach Unfalltod im Hambacher Forst

Eigentlich wollte man sich nach dem Unfalltod eines Journalisten im Hambacher Forst auf Trauer und Besinnung konzentrieren. Aber dann gingen zwischen Waldbesetzern und NRW-Landesregierung doch wieder heftige Vorwürfe hin... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

HSC 2000 Coburg - ThSV Eisenach 31:23 (15:14) Coburg

HSC 2000 Coburg - ThSV Eisenach 31:23 (15:14) | 16.11.2019 Coburg
» 47 Bilder ansehen

Faschingsauftakt Maroldsweisach Maroldsweisach

Faschingsauftakt Maroldsweisach | 16.11.2019 Maroldsweisach
» 8 Bilder ansehen

Frankenmasters Coburg

Coburger Mohr - Frankenmasters | 16.11.2019 Coburg
» 135 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 09. 2018
21:57 Uhr



^