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Kanzleramt hält Corona-Tracking-App für vielversprechend

In normalen Zeiten vergehen bei staatlichen Software-Anwendungen im Schnitt zwei Jahre von der ersten Idee bis zum Einsatz in der Praxis. Solange kann in Zeiten der Corona-Pandemie niemand warten. Deshalb nehmen die Vorbereitungen für eine Stopp-Corona-App jetzt Fahrt auf.



Handy-App
Die Pläne für eine Smartphone-App zur Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten für Betroffene nehmen an Fahrt auf.   Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Bundesregierung setzt große Hoffnungen in eine App zur Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten, die aktuell in Berlin getestet wird.

Die Regierung suche «mit Hochdruck» gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut (RKI) nach einer Lösung, die für Deutschland funktionieren könne, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin.

Kanzleramtsminister Helge Braun halte den Ansatz des RKI, das mit dem Fraunhofer-Institut und zahlreichen Wissenschaftlern dazu kooperiert, für «sehr vielversprechend», fügte sie hinzu. Sie betonte, diese App könnte grenzüberschreitend in Europa funktionieren.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, die Nachverfolgung von Kontaktpersonen von Corona-Infizierten sei «digital einfacher als wenn jemand im Gesundheitsamt anfängt zu telefonieren». Außerdem könne ein Infizierter ja nicht wissen, wie jemand zu kontaktieren sei, der neben ihm im Bus gesessen habe, ergänzte Demmer.

Nach Angaben der Bundeswehr beteiligten sich in der Berliner Julius-Leber-Kaserne etwa 50 Soldaten an der sogenannten Kalibrierung einer Technologie zum Corona-Tracking. Die schnelle Verfügbarkeit einer solchen Technik gilt als eine Möglichkeit, die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen, wenn irgendwann die aktuellen Einschränkungen des öffentlichen Lebens gelockert werden.

Die Soldaten tragen Schutzkleidung. Sie müssen sich als Testpersonen an bestimmten Punkten für eine bestimmte Dauer aufhalten oder sich an einen anderen Punkt begeben. Die Testzyklen finden auf dem Kasernengelände in Gebäuden und im Freien statt.

 

Hintergrund: Wie der Infektions-Alarm per Smartphone funktionieren soll

Bislang gibt es noch keine fertige Tracking-App, sondern nur ein offenes technisches Konzept namens PEPP-PT, das von einem Team von rund 130 Mitarbeitern aus 17 Instituten, Organisationen und Firmen in Europa entwickelt wurde. Im Gegensatz von Tracking-Apps aus Asien sollen Infizierte nicht an den Pranger gestellt werden. Vielmehr sollen freiwillige Anwender nachträglich alarmiert werden, wenn sie sich in der Nähe eines positiv getesteten Corona-Infizierten aufgehalten haben. Das setzt allerdings voraus, dass die infizierte Person das System auch verwendet.

Technisch setzt das Projekt auf der Bluetooth-Technologie auf, die bereits im Einzelhandel verwendet wird, um Kunden auf Sonderangebote in der Nähe aufmerksam zu machen. Hat man die App installiert, sendet das Smartphone regelmäßig per Bluetooth eine ID, quasi wie ein kleiner mobiler Leuchtturm. Gleichzeitig lauscht die App auf die ID-Signale der anderen Nutzer, die sich in der Nähe befinden. Befinden sich zwei Anwender in der Reichweite des anderen, tauschen sie ihre IDs aus und speichern sie verschlüsselt lokal ab. Damit unterscheiden sie sich fundamental von den asiatischen Pranger-Apps, die gleichzeitig auch die GPS-Signale aufzeichnen und das gesamte Datenpaket an staatliche Stellen melden.

Bei einer Annäherung an eine infizierte Person schlägt die App nur nachträglich Alarm. Der Anwender wird nur über die Tatsache informiert, dass es sich in der Nähe eines infizierten Menschen befunden hat. Man erfährt dabei nicht, wer die infizierte Person war oder wo man sich begegnet ist.

An dem Projekt sind hochrangige wissenschaftliche Einrichtungen beteiligt, darunter alleine drei Fraunhofer Institute, die Technischen Universitäten Berlin und Dresden, die Universität Erfurt, die Schweizer Top-Universität ETH Zürich aber auch staatliche Einrichtungen wie das Robert Koch Institut sowie Technologiefirmen wie Vodafone und arago. Chris Boos, der Chef des IT-Unternehmens arago, ist auch Mitglied des Digitalrats der Bundesregierung.

Vodafone unterstützte das Projekt bei der Entwicklung der Technologie. Dabei musste auch berücksichtigt werden, dass die Bluetooth-Sensorik durch modellspezifische Eigenschaften eines Smartphones beeinflusst wird, also etwa durch das Antennen-Design sowie das Gehäuse eines Smartphones.

Auf der Website des Projektes Pepp-PT erklären die Initiatoren, eine Gesundheitskrise dürfe nicht zu einer Schwächung der Privatsphäre führen, für die so viele Generationen zuvor gekämpft hätten. «Die Entwicklung eines solchen Systems ist eine Herausforderung, aber eine, die es wert ist, angenommen zu werden.» PEPP-PT sei eine Kerntechnologie, die einen international einsetzbaren Proximity-Tracing-Mechanismus bietet. «Auf dieser Grundlage kann jedes Land seine eigene Anwendung entwickeln und seine eigene sichere Infrastruktur bereitstellen.»
 

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dpa

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Veröffentlicht am:
01. 04. 2020
20:23 Uhr

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01. 04. 2020
20:23 Uhr



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