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Kanzleramtschef: Jeden lokalen Ausbruch schnell beantworten

Im Kreis Gütersloh bangen müssen Menschen nach dem massiven Corona-Ausbruch um ihren Urlaub bangen - denn mehrere beliebte Urlaubsregionen machen für sie dicht. Der Kanzleramtschef sieht die jüngsten Ausbrüche als mahnende Beispiele.



Bundestag
«Diese größeren Ausbrüche haben jetzt gezeigt: In dem Moment, wo man dem Virus eine Chance gibt, schlägt es auch wieder zu», sagt Helge Braun.   Foto: Kay Nietfeld/dpa

Nach den jüngsten Corona-Ausbrüchen etwa im Kreis Gütersloh hat Kanzleramtsminister Helge Braun vor Sorglosigkeit im Umgang mit der Pandemie gewarnt.

«Diese größeren Ausbrüche haben jetzt gezeigt: In dem Moment, wo man dem Virus eine Chance gibt, schlägt es auch wieder zu», sagte der CDU-Politiker am Mittwochabend in der ZDF-Sendung «Markus Lanz».

«Wir haben nur dann eine Chance auf eine gute wirtschaftliche Erholung, auch auf eine soziale Entspannung (...), wenn die Infektionszahlen sehr, sehr niedrig sind», betonte Braun. Deshalb sei die Aufgabe jetzt, «jeden lokalen Ausbruch sehr, sehr genau und sehr schnell zu beantworten, aber auch nicht zu sorglos zu werden».

Aus seiner Sicht habe es in den letzten zwei, drei Wochen eine Phase gegeben, «wo manche Leute fast den Eindruck hatten, die Pandemie wäre vorbei». Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte «RTL Aktuell» unter Verweis auf Ausbrüche in Gütersloh, Göttingen und Berlin, man sehe: «Dort, wo man es dem Virus zu leicht macht, wo einige sorglos sind, wo Abstände, Hygiene nicht eingehalten wird, da verbreitet sich das Virus wieder ziemlich schnell.» Es sei wichtig, «dass wir uns das alle bewusst machen: Auch im Sommer, das Virus ist noch da».

Die nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies in zwei Kreisen Nordrhein-Westfalens verhängten regionalen Einschränkungen des öffentlichen Lebens begrüßte Kanzleramtschef Braun. Diese Entscheidung zu einem Lockdown, um die Situation zu beruhigen und um die Zeit zu haben, «uns wirklich ein Bild zu verschaffen», sei ganz wichtig und ein «sehr verantwortungsvolles Vorgehen».

Mehr als 1550 Beschäftigte des Schlachtbetriebs im westfälischen Rheda-Wiedenbrück hatten sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Die Behörden hatten daraufhin im Kreis Gütersloh und im Nachbarkreis Warendorf das öffentliche Leben massiv eingeschränkt. Betroffen sind rund 640.000 Menschen. Mit Corona-Massentests in beiden Kreisen will die Landesregierung nun bis Ende der Woche Erkenntnisse über die Verbreitung des Virus erhalten.

Am Donnerstag schließen die Schulen im Kreis Warendorf, im Kreis Gütersloh sind sie schon seit einigen Tagen zu. Auch Kitas sind nun geschlossen. In den Urlaub können viele Menschen aus den Gebieten auch nicht so leicht entfliehen: In mehreren beliebten Urlaubsregionen in Deutschland werden negative Corona-Tests von ihnen gefordert - ansonsten gilt teilweise ein Beherbergungsverbot. In Bayern, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wurden generelle Beschränkungen für Touristen aus Corona-Hotspots verhängt, in Niedersachsen explizit für die Kreise Gütersloh und Warendorf. Der Andrang auf die Corona-Testzentren dürfte deswegen in beiden Kreisen wie schon am Mittwoch weiter groß sein.

Österreich sprach kurzerhand eine Reisewarnung für ganz Nordrhein-Westfalen aus und rät seinen Bürgern von einem Trip in das Bundesland dringend ab. NRW steht damit in einer Reihe mit der chinesischen Provinz Hubei und der italienischen Lombardei.

Ministerpräsident Armin Laschet kritisierte Österreich am Mittwochabend wegen der ausgesprochenen Reisewarnung indirekt: «Als in Ischgl mal etwas passiert ist, haben wir nicht eine Reisewarnung für ganz Österreich ausgesprochen», sagte der CDU-Politiker bei «Bild live». «Ich glaube nicht, dass Gütersloh schlimmer ist als Ischgl.»

Obendrein gibt es Überlegungen im Gesundheitsministerium in Wien für ein Landeverbot für Maschinen aus Nordrhein-Westfalen in Österreich. Das berichteten der Sender RTL sowie weitere Medien. Nach dpa-Informationen ist eine Entscheidung aber noch nicht gefallen. Die Einreisebestimmungen für Deutsche - auch für die Menschen aus Nordrhein-Westfalen - ändern sich nach der Reisewarnung nicht. Für Reisende aus Deutschland gebe es weiterhin keine Test- oder Quarantäneerfordernis, sagte ein Sprecher des Außenministeriums der «Rheinischen Post» (Donnerstag).

Ähnlich sieht die Lage in Spanien aus: Spanien habe noch keine Maßnahmen erlassen, die Touristen aus NRW betreffen, «beobachtet die weitere Entwicklung jedoch aufmerksam», erklärte die spanische Botschaft in Berlin auf Anfrage der Zeitung. Das niederländische Außenministerium ließ wissen, dass die «Grenzen zu den Niederlanden offen sind wie zuvor».

Der Unions-Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus, der im Kreis Gütersloh seinen Wahlkreis hat, forderte im «Westfalen-Blatt» (Donnerstag) eine lückenlose Aufklärung des Corona-Ausbruchs bei Tönnies. «Wir müssen daraus ohne Ansehen von Personen und ohne Ansehen von tatsächlichen oder scheinbaren wirtschaftlichen Interessen schnell politische Schlüsse ziehen und handeln», sagte er.

Derweil richtete sich der Blick auch gen Wochenende: Bis dahin wolle man wissen, «ob das Virus in andere Teile der Bevölkerung übergesprungen ist», sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch im Landtag. Bei der freiwilligen Massentestung der Bewohner des Kreises Gütersloh war laut den Behörden bei den ersten 230 Befunden noch kein sicherer Corona-Nachweis dabei.

Nach Auffassung des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach sind die neuen regionalen Corona-Beschränkungen zu spät gekommen. «Der Lockdown ist eine notwendige Maßnahme. Sie kommt allerdings spät. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass nicht nur Tönnies-Mitarbeiter und ihre Familien infiziert sind», sagte der Politiker der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ). «Wir müssen verhindern, dass sich die Pandemie wieder ausweitet, vor allem alles dafür tun, dass sich das Virus nicht wieder deutschlandweit verbreitet.»

Im Kampf gegen den Corona-Ausbruch im Kreis Gütersloh hilft der Bund mit Nachschub an Schutzausrüstung. Nach einer entsprechenden Bitte des dortigen Lagezentrums sollen 20.000 Masken, 10.000 Kittel, 10.000 Handschuhe, 1000 Schutzbrillen und 200 Liter Desinfektionsmittel geliefert werden, wie die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch vom Bundesgesundheitsministerium erfuhr. Damit sollen 90 Einsatzkräfte für drei Wochen ausgestattet werden können. Das Material sollte noch am Mittwoch versandt werden.

© dpa-infocom, dpa:200625-99-555337/3

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25. 06. 2020
05:23 Uhr

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25. 06. 2020
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