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Kardinal Marx: Verbesserungen im Umgang mit Missbrauch

Der Missbrauchsskandal wird das Hauptthema des Frühjahrstreffens der katholischen Bischöfe in Lingen. Der Vorsitzende will Verbesserungen bei der Aufarbeitung. Opferverbände sind aber nicht dabei.



Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx ist Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.   Foto: Friso Gentsch » zu den Bildern

Die katholische Kirche in Deutschland will ihren Umgang mit dem Missbrauchsskandal verbessern. Dazu kündigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, unabhängige Anlaufstellen für Opfer an.

«Es geht um die Frage, müssen wir mehr nachdenken auch über das Konzept der Aufarbeitung», sagte Marx zum Start der viertägigen Frühjahrskonferenz der deutschen Bischöfe in Lingen. Die Kirche wolle dabei auch mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, zusammenarbeiten.

Nach wie vor steht damit der Missbrauchsfall auf Nummer eins der Tagesordnung der Bischöfe. Andere Themen, vom Kirchenvolk auch dringend nachgefragt, wollen die Ortsbischöfe bei ihrer Tagung in Lingen nur eher nachgeordnet behandeln. Dazu gehört zum Beispiel die Rolle der Frau in der Kirche. Eine Positionierung, ob Frauen auch zu Diakoninnen geweiht werden, sei nicht zu erwarten, sagt Marx.

Dafür aber geht er mit der Ankündigung, den Opferbeauftragten der Bundesregierung einzubinden, einen Schritt auf die Opferverbände zu. Hatte doch im Vorfeld der Lingener Tagung der Verein «Eckiger Tisch» eine unabhängige Untersuchung der Vergangenheit durch Kommissionen gefordert, die mit Unterstützung des Staates eingesetzt werden. Sie sollen sich an den Standards orientieren, die der Unabhängige Beauftragte entwickelt hat, sagte der Sprecher des «Eckigen Tisches», Matthias Katsch.

Allerdings sind Vertreter der Opfer bei der Tagung der Bischöfe nicht dabei. «Wir hätten den Bischöfen unsere Forderungen auch gerne direkt und persönlich erläutert. Eine Einladung dazu lag uns allerdings nicht vor», hatte Katsch kritisiert. Das Frühjahrstreffen sei nicht der Ort, mit Opfern zu sprechen, sagte Marx dazu.

Marx kündigte an, dass sich die Bischöfe auch mit systemischen Fragen beschäftigen wollen - mit der Sexualmoral, mit der Frage der Macht in der Kirche und mit der Lebensform und der Ausbildung der Priester.

«Ist die Lebensform, die Ausbildung, die Formation der Priester möglicherweise eine Gefährdung, was können wir dort verbessern», sage Marx. Die Ausbildungen in den Priesterseminaren seien zum Teil sehr unterschiedlich - ein Fakt, der ihn beunruhige. Es gehe aber nicht um ein einfaches Pro oder Kontra zum Zölibat, also der Ehelosigkeit der Priester.

Immerhin solle am Rande auch die stärkere Förderung von Frauen in Führungspositionen eine Rolle bei der Bischofstagung spielen. Frauen müssen gefördert werden, sagte Marx. Das sei kein Selbstläufer. Er sei überzeugt: Wo Männer und Frauen zusammenarbeiten, «läuft es besser.»

Ob mit dieser Antwort viele Laien und katholische Frauenverbände zufrieden sind, ist allerdings fraglich. Vor Beginn der Konferenz hatten der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) und die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands die Bischöfe aufgefordert, sich für eine geschlechtergerechte Kirche einzusetzen. Das jahrzehntelange Engagement der Frauen in der Kirche werde zu wenig wertgeschätzt. Auch die Kirchenvolksbewegung «Wir sind Kirche» forderte ein klares Bekenntnis der Bischöfe zu einem Diakonat der Frau.

«Wir haben nicht die Agenda, alle Punkte, die in der theologischen Debatte der Kirche da sind, hier zu diskutieren», sagte Marx dazu. Hauptthema der Tagung sei die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Da würden sicherlich auch solche Fragen eine Rolle spielen.

Viele Frauen in der Kirche aber wollen von ihren Bischöfen mehr Entgegenkommen. An einem Schweigemarsch des Katholischen Frauenverbands Deutschlands beteiligten sich am Montagabend schätzungsweise 150 Menschen. Anschließend wurden dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode 30.000 Unterschriften überreicht, mit denen der Forderung nach Aufklärung der Missbrauchsfälle und einer Erneuerung der Kirche Nachdruck verliehen werden sollte. Außerdem drückten die Menschen mit der Aktion «#MachtLichtan» ihre Hoffnung auf eine Erneuerung der Kirche aus und und richteten dabei am Abend nach dem Eröffnungsgottesdienst in der Lingener St.-Bonifatius-Kirche Taschenlampen auf das Kirchenportal.

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dpa

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Veröffentlicht am:
11. 03. 2019
21:14 Uhr

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11. 03. 2019
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