Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Kein Durchkommen: Hilfsgüter an Venezuelas Grenze gestoppt

Die venezolanischen Streitkräfte stehen vor einem Dilemma: Stoppen sie die Hilfslieferungen, verspielen sie ihren Rückhalt in der Bevölkerung. Lassen sie die Güter aber passieren, verweigern sie damit einen Befehl von Präsident Maduro.



Hilfsgüter in Kolumbien
Die kolumbianische Feuerwehr organisiert Hilfsgüter. Zehn Lastwagen mit rund 100 Tonnen Lebensmitteln, Medizin sowie Hygieneartikel lagern nahe der Grenzbrücke Tienditas. Venezuelas Staatschef Maduro will keine Hilfsgüter ins Land lassen.   Foto: Benjamin Rojas » zu den Bildern

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro will keine Hilfsgüter für die notleidende Bevölkerung ins Land lassen. «Venezuela wird diese Show der falschen humanitären Hilfe nicht zulassen, denn wir sind keine Bettler», sagte der Staatschef am Freitag.

«Das ist keine Hilfe, das ist eine Demütigung des Volkes. Von außen sieht das Paket sehr schön aus, aber im Inneren ist Gift.» Zuvor waren die ersten Lieferungen in die kolumbianische Grenzstadt Cúcuta gebracht worden. Zehn Lastwagen mit rund 100 Tonnen Lebensmitteln, Medizin sowie Hygieneartikel trafen in einem Lager nahe der Tienditas-Brücke ein, wie der kolumbianische Katastrophenschutz (UNGRD) mitteilte. Die Brücke wurde allerdings schon vor Tagen von der venezolanischen Regierung blockiert.

Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident Juan Guaidó will die über die US-Entwicklungsbehörde USAID zur Verfügung gestellte Hilfe nach Venezuela schaffen lassen. Weitere Lieferungen sollen im ebenfalls benachbarten Brasilien sowie auf einer Karibikinsel - laut Medienberichten ist es Puerto Rico - zum Transport in das südamerikanische Krisenland bereitgestellt werden. «Ich rufe die Soldaten der Streitkräfte dazu auf, kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu begehen und die humanitäre Hilfe durchzulassen», sagte Guaidó.

Maduro macht für die wirtschaftlichen Probleme seines Landes die US-Sanktionen gegen seine Regierung verantwortlich. «Gebt das blockierte Geld frei. Es ist ein makabres Spiel: Wir schnüren ihnen die Kehle zu und zwingen sie, um Krümel zu betteln», sagte er am Freitag.

Tatsächlich fehlt es in dem Erdölstaat am Nötigsten. Wegen Devisenmangels kann das einst reiche Land kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs importieren. Viele Menschen hungern, und rund drei Millionen Venezolaner sind vor dem Elend in ihrer Heimat bereits ins Ausland geflohen.

«Wenn Maduro die Hilfslieferungen nicht durchlässt, werden wir Venezolaner sie mit Gewalt rüberschaffen», sagte die Venezolanerin Elsy Olarte in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta dem Fernsehsender Caracol. «Wir tun uns alle zusammen und sorgen dafür, dass diese Medikamente, Kleider und Lebensmittel nach Venezuela kommen.»

Maduro hält die Hilfslieferungen allerdings für einen Vorwand für eine US-Militärintervention. So steht es auch in einem Brief «an das amerikanische Volk», den Maduro an das Weiße Haus schicken will. «In diesen Tagen entscheidet sich die Zukunft unserer Länder zwischen Krieg und Frieden», heißt es in dem Schreiben, für das er nach eigenen Angaben Millionen Unterschriften seiner Landsleute gesammelt hat.

Bereits vor Tagen hatten die venezolanischen Behörden die Tienditas- Autobahnbrücke mit dem Auflieger eines Tanklastzugs und zwei Containern gesperrt. «Maduro soll aufhören, so egoistisch zu sein. Er hat zu essen, er hat Geld. Und jene, die am Boden liegen, interessieren ihn nicht», sagte die Venezolanerin Eduviges García im Fernsehsender Caracol.

Um die Hilfsgüter nach Venezuela zu schaffen, braucht die Gegenregierung um Guaidó die Unterstützung der Streitkräfte, die die Grenze kontrollieren. Allerdings stehen die mächtigen Militärs bislang noch an der Seite Maduros. Viele Generäle besetzen wichtige Posten in der Wirtschaft, einige sollen auch in kriminelle Geschäfte verwickelt sein. Das bindet sie an Maduro.

«Maduro kauft ihre Loyalität», sagte der Kommandeur des Süd-Kommandos der US-Streitkräfte, Craig Faller, zuletzt bei einer Anhörung vor einem Ausschuss des Senats. «Die Mannschaftsdienstgrade hungern, genauso wie das Volk.» Allerdings werden die unteren Ränge streng kontrolliert, offenbar auch mit Hilfe des kubanischen Geheimdienstes. Rund 180 Militärs sitzen wegen politischer Vergehen in Haft.

Angesichts der Not der Bevölkerung und des internationalen Drucks stehen die Soldaten nun vor einem Dilemma. Stoppen sie die Hilfslieferungen, verspielen sie ihren Rückhalt unter den Venezolanern. Lassen sie die Güter aber passieren, verweigern sie damit einen direkten Befehl von Präsident Maduro.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 02. 2019
21:06 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bevölkerung Die Internationale Fernsehsender Hilfe Krisenländer Lieferungen Medikamente und Arzneien Nicolás Maduro Twitter US-Regierung Venezolanische Regierungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Soldaten in der Festung Tiuna

02.05.2019

Venezuelas Staatschef Maduro schwört Soldaten auf sich ein

Die Rebellion einiger weniger Soldaten war nur ein Strohfeuer - das Militär steht weiterhin treu an der Seite der Regierung. Jetzt setzt der selbsternannte Interimspräsident Guaidó auf Streiks. Welche Pfeile hat er noch ... » mehr

Leere Regale

06.02.2019

Maduro lässt Brücke für humanitäre Hilfe blockieren

Die Menschen in Venezuela leiden Hunger, in den Kliniken gibt es kaum noch Medikamente und Material. Gegenpräsident Guaidó will Hilfsgüter ins Land schaffen. US-Außenminister Pompeo fordert Staatschef Maduro auf, die Hil... » mehr

Juan Guaidó

02.03.2019

Guaidó kündigt neue Proteste gegen Maduro in Venezuela an

Oppositionschef Guaidó und die USA erhöhen den Druck auf Präsident Maduro. Doch die Regierung in Caracas gibt sich unbeeindruckt und ruft die Bevölkerung auf, unbeschwert Karneval zu feiern. » mehr

In Deckung

01.05.2019

«Keine halben Sachen»: Guaidó will Entscheidung erzwingen

Eim Umsturz in Venezuela mit Hilfe des Militärs ist vorerst gescheitert. Jetzt will der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó das Land lahm legen, bis sein Widersacher Nicolás Maduro klein beigibt. Doch der Staat... » mehr

Erste Hilfsgüter in Venezuela

17.04.2019

Rotes Kreuz verteilt erste Hilfsgüter in Venezuela

Im einst reichen Venezuela fehlt es am Nötigsten. Jetzt schafft das Rote Kreuz zumindest Trinkwasser und Medikamente in den Krisenstaat. In den politischen Konflikt zwischen Maduro und Guaidó will sich die Hilfsorganisat... » mehr

Krise in Venezuela

30.01.2019

Maduro warnt vor «Vietnam in Lateinamerika»

Im Machtkampf in Venezuela zeigt der umstrittene Präsident Zähne. Sollten die USA militärisch in dem Krisenstaat eingreifen, würden sie sich eine blutige Nase holen, droht Maduro. Viel konkreter ist aber der Gegenwind, d... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Kunstvolle Weihnacht Kronach

Kunstvolle Weihnacht in Kronach | 08.12.2019 Kronach
» 18 Bilder ansehen

Heim-Wettkampf SG Coburg Schützen

Heim-Wettkampf SG Coburg Schützen | 08.12.2019 Coburg
» 15 Bilder ansehen

Bilderserie: Weihnacht der Generationen

Weihnacht der Generationen in Coburg | 08.12.2019 Coburg
» 27 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 02. 2019
21:06 Uhr



^