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Kirche tut sich nach Missbrauchsskandal schwer mit Reformen

«Erschüttert», «erschrocken», «schrecklich» - die deutschen Bischöfe finden im Zuge des katholischen Missbrauchsskandals klare Worte für die zahllosen Verbrechen. Von nennenswerten Reformen aber - etwa mit Blick auf den Zölibat - wollen nur die wenigsten etwas wissen.



Canisius-Kolleg
Vor acht Jahren wurde am kirchlichen Canisius-Kolleg sexueller Missbrauch aufgedeckt.   Foto: Robert Schlesinger » zu den Bildern

Der Missbrauchsskandal hat die katholische Kirche in Deutschland heftig erschüttert - doch mit wegweisenden Reformen tun sich die Bischöfe schwer.

Die Deutsche Bischofskonferenz sagte am Donnerstag nur zu, die besonders umstrittene Verpflichtung der Priester zur Ehelosigkeit (Zölibat) und die katholische Sexualmoral «unter Beteiligung von Fachleuten verschiedener Disziplinen» nun in einem Gesprächsprozess erörtern zu wollen. Beide Dinge waren von Wissenschaftlern in einer Missbrauchsstudie als Themen identifiziert worden, die Missbrauchsfälle auch heute noch begünstigen könnten.

Zugleich wolle die Kirche zwar klären, «wer über die Täter hinaus» institutionell Verantwortung für das Missbrauchsgeschehen in den vergangenen Jahrzehnten getragen habe. Aber wie das aufgearbeitet werden soll, blieb zum Abschluss der Bischofs-Vollversammlung in Fulda unklar.

Statt eine Untersuchung auf nationaler Ebene zu konzipieren, bleibt das Vorgehen einzelnen Diözesen überlassen. Der Konferenzvorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, sagte, alle 27 Bistümer seien willens, «einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, und zwar in einem Verfahren, das es möglich macht, Verantwortlichkeiten zu klären - sofern das überhaupt noch möglich ist».

Kritiker bezeichneten die Ankündigungen als nicht ausreichend. Die Absichtserklärungen und Willensbekundungen der Kirche seien «butterweich», kritisierte die katholische Reformbewegung «Wir sind Kirche». Die «sehr allgemein formulierte Erklärung» lasse nicht konkret erkennen, «wann, wie und mit wem die von dem Forschungskonsortium als notwendig erachtete konkrete Aufarbeitung der institutionellen Verantwortung der römisch-katholischen Kirche in Deutschland in Angriff genommen» werde. Der Sprecher des Betroffenenverbands «Eckiger Tisch», Matthias Katsch, kommentierte: «Diese dürftigen Ankündigungen lassen uns fassungslos zurück.»

In der jüngst veröffentlichten Studie über sexuellen Missbrauch katholischer Kleriker an Kindern und Jugendlichen waren jahrzehntelange Verbrechen penibel dokumentiert worden. Zwischen 1946 und 2014 sollen mindestens 1670 katholische Geistliche 3677 meist männliche Minderjährige missbraucht haben - und das sei nur die nachweisbare «Spitze des Eisbergs», hieß es.

Zudem hatten die Wissenschaftler problematische Strukturen in der katholischen Kirche benannt, die Missbrauch nach wie vor befördern könnten - neben dem Zölibat und einem «problematischen Umgang» mit dem Thema Sexualität gehöre dazu die ausgeprägte klerikale Macht einzelner Geistlicher.

Marx betonte, die Studie sei die Grundlage einer nun anstehenden Aufarbeitung und einer verstärkten Präventionsarbeit. Er kündigte ein bistumsübergreifendes, «verbindliches» Monitoring zur Vorbeugung von Missbrauchsfällen an. Der für Missbrauchsfragen zuständige Trierer Bischof Stephan Ackermann sagte, es solle auch ein Ranking geben, bei dem ein Vergleich einzelner Bistümer möglich sei. «Das war bisher nicht so gewünscht, aber diese Zeit ist vorbei», sagte er.

Der Münchner Kardinal Marx betonte, im Zuge des Gesprächsprozesses dürfe es «keine Tabuthemen» geben, da in der katholischen Kirche ein «systemisches, institutionelles Versagen» vorgelegen habe. Die erschütternden Ergebnisse ermutigten «zum Handeln». Er bitte die Öffentlichkeit, die Fortschritte «kritisch zu begleiten».

Die Kirche kündigte zudem an, mithilfe externer Fachleute «mehr als bisher» die Begegnung mit Missbrauchsopfern zu suchen. Neben Ansprechpartnern in den einzelnen Bistümern solle es künftig auch unabhängige Anlaufstellen geben, das Verfahren für Entschädigungen von Opfern werde «fortentwickelt». Weiter hieß es: «Wir werden kontinuierlich beraten, wie wir mit unseren Vorhaben vorankommen.»

Mit Blick auf große Reformen - wie etwa die von Reformkräften geforderte Abschaffung des Zölibats - geben sich die meisten Bischöfe allerdings weiter zurückhaltend. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sagte dem SWR immerhin, er halte eine Diskussion über den Zölibat für grundsätzlich möglich. «Ich würde mal für mich sagen, es darf kein Tabuthema sein, darüber zu reden», bemerkte er.

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 09. 2018
16:09 Uhr

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27. 09. 2018
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