Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Kirchenstreik: «Maria 2.0» als letzter Weckruf

Mit einem Mittel aus der Arbeitswelt wollen Frauen die katholische Kirche wachrütteln: Sie streiken. Das löste bundesweite Reaktionen aus. Dabei gab es nicht nur Kritik von einigen Bischöfen.



Protest «Maria 2.0»
Bistümer haben mit Verständnis auf den Proteststreik katholischer Frauen reagiert.   Foto: Patrick Seeger

Sie bereiten die Kinder auf die Erstkommunion vor, schmücken die Kirchen und planen das Gemeindefest. In vielen Gemeinden in der katholischen Kirche geht angesichts schwindender Mitgliederzahl ohne Frauen oft kaum mehr etwas.

Viel zu sagen aber haben sie in der männerdominierten Kirche neben Priestern und Bischöfen nicht. Bei einer Gruppe in Münster war jetzt das Fass übergelaufen. Nach dem Missbrauchsskandal und der seit Jahrzehnten erfolglosen Forderung, die Weiheämter auch für Frauen zu öffnen, hatte die 15-köpfige Gruppe die Idee, in den Streik zu treten: eine Woche nicht im Ehrenamt helfen und draußen eigene Gottesdienste feiern. Die Alternative? Der Austritt aus der Kirche, das wollten die Frauen nicht - vorerst. Dem vorausgegangen war die bundesweite Aktion «MachtLichtAn» der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) Ende 2018.

Die Idee aus Münster schlug Wellen. Bundesweit - und auch in Österreich, der Schweiz und in den USA - schlossen sich Gruppen an. Unumstritten ist der Streik nicht. Nicht nur von den deutschen Bischöfen kam Kritik, es gab auch Austrittsankündigungen von Mitgliedern von kfd und KDFB, dem Katholischen Deutschen Frauenbund. Insgesamt fiel die Beteiligung an der Aktion - zumindest nach Einschätzung einiger Bistümer - in Bayern bislang geringer aus als im Norden, Westen und Südwesten der Republik.

Agnes Wuckelt ist stellvertretende Bundesvorsitzende der kfd. In der «Frankfurt Rundschau» bezeichnete die Theologin den Kirchenstreik als letzten Weckruf von Frauen, die sagen, «Ich kann in dieser Kirche nur bleiben unter der Bedingung von Gleichberechtigung». Frauen nehmen es nach ihrer Meinung nicht mehr hin, dass die Kirche der einzige Raum sein soll, in dem sie mit ihrem Einsatz und ihren Kompetenzen am Ende immer in der Rolle der Nachrangigen und Nachgeordneten bleiben, abhängig von geweihten Männern. Sollte dieser Weckruf ungehört verhallen, sagt Wuckelt einen lautlosen Auszug aus der Kirche voraus. Und zwar «in Scharen.»

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann kritisierte den Streik. «Ich kann die Ungeduld vieler Frauen verstehen. Ich sage aber offen, dass ich diese Streikaufrufe, diese Streikaktionen nicht für hilfreich halte», sagte Ackermann der Deutschen Presse-Agentur. Die deutschen Bischöfe hätten sich zu einem «synodalen Weg» - also zu einem Dialog mit Laien und Experten auch über «Frauen und Amt» - bereiterklärt. «Das hat eine neue Qualität, dass wir in einer offenen Form so miteinander direkt sprechen.» Dazu brauche man aber «auch vertrauensbildende Maßnahmen». Da sei der Streik «eher kontraproduktiv».

Ackermann zeigte sich offen für Frauen als Diakoninnen, sofern sich zeige, dass es in der frühen Geschichte der Kirche schon das Diakonat der Frau gegeben habe. Papst Franziskus hatte in der vergangenen Woche gesagt, eine Expertenkommission sei in der Frage, ob Diakoninnen in der Urkirche auch sakramentale Ämter hatten, «ohne klares Ergebnis» geblieben. Deswegen müsse diese Frage von der Kommission weiter untersucht werden.

Andrea Voß-Frick, Mitinitiatorin der Gruppe aus Münster kann die Sprüche der Bischöfe nicht mehr hören. «Wenn die Menschen diese Zitate hören, können sie nur noch mit dem Kopf schütteln», sagt Voß-Frick. Jetzt sei nicht der richtige Zeitpunkt, und wir müssen gesprächsbereit sein? Wir reden seit Jahrzehnten, und wann soll denn dieser richtige Zeitpunkt sein?, fragt die Münsteranerin.

Michael Seewald, Dogmatik-Professor am Exzellenzcluster Religion und Politik der Uni Münster begrüßt das Engagement der Frauen. «Ich glaube, dass man sich in Rom bei der Geschlechterfrage völlig verrannt hat. Man hat eine ganz bestimmte Konzeption sozialer Rollen mit quasi göttlicher Autorität aufgeladen. Es wird der Kirche schwerfallen, auf diesem Holzweg umzukehren. In absehbarer Zeit wird es sicher keine Frauen als Priesterinnen geben.» Nichtsdestotrotz sei es wichtig, dass Maria 2.0 auf Missstände aufmerksam mache und darauf hinweise, wie schwach die Argumente von römischer Seite seien.

Seewald weist aber auch auf die unterschiedlichen Felder der erhobenen Forderungen von «Maria 2.0» hin. «Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal bewegen sich auf einer anderen Ebene als die Aufhebung des Zölibats oder die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern», sagt der Professor.

Der Pflichtzölibat ist nach Seewalds Meinung keine dogmatische, sondern nur eine kirchenrechtliche Festlegung, die der Papst ändern könne. «Beim Zölibat ist es unwahrscheinlich, dass es zu einer weltkirchlich einheitlichen Regelung kommen wird. Gut möglich ist aber, dass der Papst den nationalen Bischofskonferenzen oder gar den einzelnen Diözesanbischöfen die Möglichkeit lässt, die Lage in ihrem Gebiet einzuschätzen und die nötigen Konsequenzen mit Blick auf die Zölibatspflicht zu ziehen.»

Nach Informationen eines Sprechers des Bistums Augsburgs gab es in seinem Bistum keinerlei Aktivitäten in der Richtung - ganz im Gegenteil. «Offensichtlich als Reaktion zu Maria 2.0 ist in unserem Bistum wohl die Initiative mariaeinspunktnull.de entstanden, zu der sich einige Frauen zusammengeschlossen haben», sagte der Sprecher. «Unsere Maria Mutter Gottes braucht kein Update», heißt es auf der Internetseite, die Johanna Stöhr ins Leben gerufen hat. «Maria war nach unserem heutigen Verständnis eine emanzipierte Frau, die gleichzeitig mit beiden Beinen im Glauben und im Leben stand», erklärte die 33-jährige Katholikin, die in ihrer Pfarrei in Schongau aktiv ist. Insbesondere ein Frauenpriestertum lehnt sie ab. «Jesus hat ganz bewusst Männer in das Amt des Priestertums gerufen.» Das stehe auch in der Bibel.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 05. 2019
10:16 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bischofskonferenzen Bischöfe Bistum Münster Deutsche Presseagentur Diözesen Emanzipation Geistliche und Priester Katholikinnen und Katholiken Katholische Kirche Papst Franziskus I. Päpste Stephan Ackermann Theologinnen und Theologen Zölibat
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Deutsche Katholiken

13.09.2019

Deutsche Katholiken auf Konfrontationskurs mit dem Papst

Nach dem Missbrauchsskandal will sich die katholische Kirche in Deutschland reformieren. Doch jetzt funkt der Vatikan dazwischen - mit einer sehr klaren Botschaft. » mehr

ZdK-Präsident Thomas Sternberg

23.09.2019

Sternberg will Konflikt mit dem Vatikan entschärfen

Die deutschen Bischöfe wollen ab Montag in Fulda über einen Reformprozess beraten. Der Vatikan hat sie gewarnt, bloß nicht zu weit zu gehen. Nun gibt es versöhnliche Töne aus Deutschland. » mehr

Papst Franziskus

09.05.2019

Papst erlässt weltweite Meldepflicht für Missbrauchsfälle

Der Papst will mit schärferen Gesetzen gegen sexuellen Missbrauch durchgreifen. Diese erstrecken sich erstmals auf die gesamte katholische Kirche. Es gibt allerdings auch Kritik - denn an einem entscheidenden Punkt hakt ... » mehr

Amazonas-Synode

26.10.2019

Bischofssynode für Priesterweihe Verheirateter als Ausnahme

Ist es nun ein Fortschritt oder nicht? Bischöfe empfehlen dem Papst die Weihe von Verheirateten - aber nur im ganz engen Rahmen. Für konservative Kirchenmänner ist das schon skandalös genug. Das eigentliche Thema der Syn... » mehr

Papst Franziskus

23.11.2019

Papst in Japan: Appell zur Abrüstung von Atomwaffen

Papst Franziskus will bei seinem Besuch in Japan einen «prophetischen» Appell zur nuklearen Abrüstung aussprechen. » mehr

George Pell

13.11.2019

Nach Missbrauchsurteil: Kardinal kann auf Freispruch hoffen

Kardinal George Pell ist der ranghöchste katholische Würdenträger, der wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde. Nun wird sein Fall erneut vor Gericht gehört. Termine stehen noch nicht fest. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Tödlicher Unfall bei Gleisenau Gleisenau

Tödlicher Unfall bei Gleisenau | 12.12.2019 Gleisenau
» 5 Bilder ansehen

Schwerer Unfall auf der B 303 Ebersdorf

Unfall auf der B 303 | 12.12.2019 Ebersdorf
» 16 Bilder ansehen

Brand in Kronach

Brand in Kronach | 12.12.2019 Kronach
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 05. 2019
10:16 Uhr



^