Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Kommt der Handschlag aus der Mode?

Donald Trump tut es, der Papst tut es, Sie tun es! Händeschütteln zur Begrüßung ist nach wie vor Standard. Doch einige in Deutschland finden den Handschlag zu distanziert, manche schlicht uncool und viele unhygienisch. Sagen wir uns bald auf andere Weise Hallo?



Handschlag
Händeschütteln zur Begrüßung ist nach wie vor der Standard in Deutschland. Doch einige finden den Handschlag zu distanziert, manche uncool, viele unhygienisch.   Foto: Uwe Anspach

Bussi links, Bussi rechts: Passend zum Schauplatz des G7-Gipfels im französischen Seebad Biarritz gingen kürzlich Fotos um die Welt, auf denen US-Präsident Donald Trump Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Wangenküsschen begrüßt.

Nicht im Fokus stand der Handschlag, der bei Trump ja bekanntlich schon mal unangenehm lange und kräftig ausfallen kann. War das schon wegweisend?

Mit dem Herbst kommt nun wieder die Erkältungssaison. Menschen scheuen sich, einander die Hand zu geben. In Krankenhäusern gilt seit langem ein Desinfektions- und Abstandsgebot. Die Aktion Saubere Hände wirbt für bessere Hände-Desinfektion in Gesundheitseinrichtungen. Und in manchen Kindergärten hängen Parolen wie «Wir begrüßen uns mit einem Lächeln» an der Wand. Kommt das Händeschütteln aus der Mode?

«Der Status quo ist: In Deutschland ist der Handschlag Standard», sagt Agnes Anna Jarosch, Vorsitzende des Deutschen Knigge-Rats der Deutschen Presse-Agentur. Aber: «Die Varianz wird größer, Regeln sind nicht mehr so starr wie früher.» Wangenküsse seien beispielsweise im Kommen. Jugendlichen sei der Handschlag eh zu uncool, sie begrüßten sich Faust gegen Faust. «Das ist ein genereller Trend», so Jarosch.

Auch Imme Gerke, die interkulturelle Schulungen anbietet, verweist auf die Vielzahl an Begrüßungsformen, die es weltweit gibt: «Umarmen, Nasenkuss, mit der Stirn berühren, Hand aufs Herz legen, verbeugen - das sind alles Spielarten.»

Der Handschlag werde oft als distanziert betrachtet. In China, Japan oder Kanada entfernten sich Menschen vom Händeschütteln. Amerikaner wiederum praktizierten immer häufiger eine Zwei-Schritt-Begrüßung: Auf den Handschlag folgt eine Umarmung. Allen Menschen angeboren sei der Augengruß: ein Hochziehen der Brauen. Je mehr Annäherung es gebe, desto besser, findet Gerke.

Wie lange es den Handschlag schon gibt, ist nicht nachzuvollziehen. Schon die alten Römer und Griechen sollen ihn praktiziert haben. Eine Theorie besagt: Menschen wollen zeigen, dass sie keine Waffe in der Hand halten. Herauslesen können Experten zum Beispiel Hierarchien, Stärke oder Schwäche, Distanz oder Nähe, Nervosität oder Ruhe, Narzissmus.

«Das Begrüßungsritual wird sich verschieben», glaubt Gerke. «Aber man sollte sich darauf einigen, dass man sich grüßt - auf welche Weise auch immer.» Das sei wichtig, um angeborene Aggressionen abzubauen. «Deswegen müssen wir unsere Kinder anhalten, dass sie sich grüßen», sagt Gerke. «Das ist auch eine soziale Kompetenz.»

Vom Hauptargument gegen den Handschlag - Hygiene - hält die Mikro- und Verhaltensbiologin nichts: «Die Angst vor Mikroben ist übertrieben. Das Immunsystem muss üben», sagt Gerke. «Ein Handschlag ist Mikrobenübertragung ohne den Vorteil der Berührung.»

Tatsächlich befinden sich unzählige Mikroorganismen auf der Hand. «Ob beim Naseputzen, beim Toilettengang, beim Streicheln eines Tieres oder bei der Zubereitung von rohem Fleisch: Die Hände kommen häufig mit Keimen in Kontakt und können diese auf alles übertragen, das anschließend angefasst wird», schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife senke die Häufigkeit von Infektionskrankheiten nachweislich - das Risiko von Durchfallerkrankungen etwa könne fast halbiert werden.

Die gute Nachricht aus Knigge-Sicht: «Wenn man weiß, dass man gerade eine Virenschleuder ist, dann sollte man sagen: Ich gebe euch heute nicht die Hand», sagt Umgangsformen-Fachfrau Jarosch. Und ganz allgemein gelte eine goldene Regel: «Bis fünf Personen reicht man die Hand. Ist die Gruppe größer, reicht ein «Grüß Gott» in die Runde.»

An kontaminierten Händen dürfte es eigentlich nicht liegen, sollte der Handschlag bald passé sein. Die Drogeriemarktkette dm etwa verzeichnet laut Sebastian Bayer, dem Geschäftsführer für Marketing und Beschaffung, ein stabiles Wachstum bei Hand-Desinfektionsmitteln.

Die Firma B. Braun Melsungen, die unter anderem Kliniken beliefert, berichtet von einer Entwicklung von plus 5 bis 7,5 Prozent beim Verbrauch von Händedesinfektionsmittel. Dazu heißt es: «Da die korrekte Ausführung der Händehygiene Patient, Angehörige und das medizinische Personal schützt, ist dies eine erfreuliche Entwicklung, die es weiter zu unterstützen gilt.»

Veröffentlicht am:
09. 09. 2019
09:39 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
B. Braun Melsungen Bundeskanzler der BRD Bundeskanzlerin Angela Merkel Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Deutsche Presseagentur Diarrhö Donald Trump Immunsystem Infektionskrankheiten Krankenhäuser und Kliniken Mikroorganismen Nachrichten Nervosität Patienten Präsidenten der USA
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Nato-Gipfel zum 70-jährigen Bestehen

03.12.2019

Trump maßregelt Macron für Kritik an der Nato

Beleidigend, gefährlich, respektlos: US-Präsident Trump findet einige unschöne Attribute für den Nato-Partner Emmanuel Macron. Es rumpelt im Bündnis. Aber nicht alle finden das dramatisch. » mehr

Deutschland zahlt ab 2021 höheren Anteil an Nato-Kosten

28.11.2019

Deutschland zahlt ab 2021 genau so viel für Nato wie die USA

Unter dem Druck von US-Präsident Donald Trump haben sich die Nato-Staaten auf eine neue Aufteilung der Gemeinschaftskosten geeinigt. Deutschland zahlt künftig so viel wie die USA. Nur ein Land hat es geschafft, sich zu v... » mehr

Merkel und Trump beim Nato-Gipfel

06.12.2019

Trump: Merkel «ist wirklich eine fantastische Frau»

US-Präsident Trump spart normalerweise nicht mit Kritik an Deutschland, besonders die Verteidigungsausgaben sind ihm ein Dorn im Auge. Für Kanzlerin Merkel hat Trump trotzdem warme Worte übrig. » mehr

Arbeitssitzung des Nato-Gipfels

04.12.2019

Nato-Streit vertagt - Macron lässt nicht locker

In der Nato sind viele genervt von der «Hirntod»-Diagnose aus Paris. Die Geburtstagsfeier will man sich davon nicht vermiesen lassen. Doch hinter den Kulissen knirscht es weiter. » mehr

US-Präsident Trump

01.12.2019

Donald Trump kritisiert Zeitpunkt von Impeachment-Anhörung

US-Präsident Donald Trump hat die Demokraten für ihr Zeitmanagement bei den Ermittlungen für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren kritisiert. » mehr

Grenzübergang

17.10.2019

Pence verhandelt mit Erdogan über Waffenruhe in Nordsyrien

Kann US-Vizepräsident Pence dem türkischen Präsidenten in Ankara eine Waffenruhe in Nordsyrien abringen? Auch Bundeskanzlerin Merkel fordert erneut ein Ende der türkischen Offensive gegen Kurdenmilizen. Aus Syrien kommen... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

BBC - Frankfurt Skyliners 86:68 Coburg

BBC - Frankfurt Skyliners 86:68 | 15.12.2019 Coburg
» 40 Bilder ansehen

Schwerer Unfall auf der A 73 Eisfeld

Schwerer Unfall auf der A 73 | 15.12.2019 Eisfeld
» 7 Bilder ansehen

Jugend turnt und spielt in Steinwiesen Steinwiesen

Jugend turnt und spielt in Steinwiesen | 14.12.2019 Steinwiesen
» 22 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
09. 09. 2019
09:39 Uhr



^