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Krawalle in Belgrad: Demonstranten dringen in Parlament ein

Die Zahl der Corona-Fälle steigt in Serbien wieder. Doch gegen die Schutzmaßnahmen regt sich Widerstand. Der Protest richtet sich zunehmend gegen Präsident Vucic. Gewaltbereite Demonstranten dringen ins Parlament ein. Die Polizei greift zu Knüppel und Tränengas.



Krawalle
Demonstranten dringen ins serbische Parlament ein.   Foto: Darko Vojinovic/AP/dpa

Eine mehrstündige friedliche Kundgebung in Belgrad gegen die Corona-Politik der Regierung ist nach Angriffen von Randalierern gegen die Polizei erneut von Gewalt überschattet worden.

Am Freitagabend drang eine Gruppe nationalistischer Demonstranten gewaltsam in das serbische Parlament ein. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei, die dann gegen Mitternacht den Ansturm gewaltbereiter Demonstranten mit Knüppeln und Tränengas beendete. Auch Journalisten und fotografierende Demonstranten wurden von Randalierern angegriffen. Nach Medienberichten wurden mindestens 70 Hooligans festgenommen. Mehrere Menschen seien verletzt worden, berichtete die Zeitung «Blic».

Protestierende warfen Steine und Flaschen auf das Parlamentsgebäude. Eine Gruppe junger Männer durchbrach das Metallgeländer vor dem Parlament und drang, patriotische Lieder singend, in das Gebäude ein. Die Randalierer wurden dort jedoch von Polizisten erwartet, die sie wieder aus dem Gebäude herausdrängten und eine Kette um den Eingang bildeten. Die Polizisten wurden daraufhin mit Flaschen und Fackeln beworfen.

Nach etwa zwei Stunden setzten die Beamten Schlagstöcke und Tränengas ein, um die Ansammlung von Randalierern aufzulösen. Kurz darauf beendeten auch die übrigen Demonstranten, die sich friedlich verhalten hatten, ihre Protestkundgebung. Friedliche Proteste habe es auch in einer Reihe anderer Städte in Serbien gegeben, berichtete das Staatsfernsehen.

Die Demonstrationen hatten sich an Plänen des Präsidenten Aleksandar Vucic entzündet, wegen des Wiederanstiegs der Corona-Neuinfektionen für das Wochenende ein Ausgehverbot zu verhängen. Vucic nahm die Entscheidung zwar zurück und verbot dafür Ansammlungen von mehr als zehn Personen. Dies beruhigte die Menschen aber nicht und die Proteste richteten sich zunehmend gegen Vucic selbst.

Nationalisten werfen ihm nun auch Verrat vor, weil er nach deutsch-französischer Vermittlung neuen Gesprächen mit dem Kosovo zugestimmt hat. Sie sehen das Kosovo als abtrünnige serbische Provinz. Serbische Nationalisten nutzten die Kundgebung angesichts des 25. Jahrestags des Massakers an der männlichen Bevölkerung der bosnischen Muslim-Enklave Srebrenica auch zur Unterstützung der verurteilten Kriegsverbrecher Ratko Mladic und Radovan Karadzic.

© dpa-infocom, dpa:200710-99-751585/4

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dpa

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Veröffentlicht am:
11. 07. 2020
09:17 Uhr

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