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Kultusminister beraten über Schule nach den Sommerferien

Nach dem Sommer sollen alle im gewohnten Klassenverband wieder in die Schule. Soweit der Plan. Aber so einfach wird das nicht. Es gibt Bedenken und Sorgen. Die Kultusminister der Länder suchen nach Antworten.



Geschlossene Grundschule
Ein Schild mit den Aufschriften «Alles wird gut!» und «#VereintImChaos» sowie «#WirBleibenZuhause» hängt am Zaun einer Grundschule.   Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Die für Bildung zuständigen Kultusminister der Länder beraten an diesem Donnerstag in einer Videokonferenz über die Rückkehr zum vollständigen Schulbetrieb nach den Sommerferien.

Von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder hatten sie am Mittwoch Rückendeckung für ihren Plan bekommen, im neuen Schuljahr wieder in den Regelbetrieb zu starten. Allerdings stellen sich dabei viele Fragen und Lehrervertreter und Gewerkschaften äußern Sorgen mit Blick auf den Gesundheitsschutz.

GRÜNES LICHT VON MERKEL UND LÄNDERCHEFS, ABER...

Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten hatten am Mittwoch vereinbart, dass «bei gleichbleibend positivem Infektionsgeschehen spätestens nach den Sommerferien» eine Rückkehr in den schulischen Regelbetrieb erfolgen solle - «auf der Grundlage von Schutz- und Hygienekonzepten».

Die Schulpolitiker der Länder waren in Gedanken schon einen Schritt weiter: Die amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), hatte mehrfach deutlich gemacht, dass nach den Sommerferien an den Schulen auch die Abstandsregel fallen soll.

Ein entsprechender Passus stand am Mittwoch auch in einem gemeinsamen Beschlussvorschlag der Länder für das Treffen mit Merkel - im Abschlussdokument nach den Verhandlungen mit der Kanzlerin tauchte er dann aber nicht mehr auf. Interessant wird, ob die Länder und ihre Kultusminister trotzdem daran festhalten und die Abstandsregel in den Schulen kippen.

KRITIK VON GEW UND LEHRERVERBÄNDEN

Das Thema ist heikel. Bildungsgewerkschaften warnen vor einem «Spiel mit dem Feuer». Es sei eine Farce, wenn in jedem Supermarkt Plexiglasscheiben Kunden und Personal trenne - aber an Schulen kein Abstand eingehalten und die Lehrer nicht geschützt würden, hatte der Chef des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, schon Anfang des Monats gesagt.

«Auf das Abstandsgebot in den Schulen zu verzichten, ist der falsche Weg», sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Abstand und Hygienemaßnahmen seien das A und O, um Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern vor Infektionen zu schützen.

Und ein weiteres Problem tut sich auf: Mehrere Lehrerverbände befürchten mit Blick auf den angestrebten Regelbetrieb eine beachtliche Personallücke an Schulen, wegen Corona-Risikogruppen in der Lehrerschaft, wie die «Welt» berichtet. So schätzten der Deutsche Lehrerverband und der Verband Bildung und Erziehung die möglichen Ausfälle im nächsten Schuljahr auf etwa zehn Prozent. Die GEW und der Grundschulverband sprechen demnach sogar von schätzungsweise 20 Prozent.

SUCHE NACH LÖSUNGEN

Die Kultusminister der Länder wollen nun bei ihrer Videoschalte an diesem Donnerstag auch mit externen Experten beraten, wie der Schulalltag nach den Sommerferien konkret aussehen könnte. Auch wenn der Regelbetrieb wieder startet, das neue Schuljahr könne «nicht eins zu eins so gemacht werden», wie das alte Schuljahr begonnen habe», sagte Hubig vorab der Deutschen Presse-Agentur.

Bei den Beratungen gehe es um den Unterrichtsstoff und auch um Empfehlungen für den Fernunterricht. «Es kann sein, dass es vor Ort wieder zu einzelnen Schulschließungen wegen des Infektionsgeschehens kommt. Für den Fall müssen wir ja auch in Zukunft vorbereitet sein», sagte Hubig.

Bund und Länder hatten am Mittwoch vereinbart, dass pünktlich nach den Ferien Leihlaptops und Tablets für bedürftige Schüler für den Unterricht zu Hause bereitstehen sollen. Berlin stellt wegen der Corona-Krise dafür und für die Einrichtung von Online-Lehrangeboten 500 Millionen Euro zur Verfügung.

Die stellvertretende FDP-Chefin Katja Suding kritisierte vor diesem Hintergrund die langsame Umsetzung des «Digitalpakts Schule», über den ebenfalls schuleigene Online-Lernplattformen finanziert werden können. «Statt nur mit den Scheinen zu wedeln, muss (Bildungsministerin) Anja Karliczek (CDU) endlich dafür sorgen, dass die Digitalpakt-Gelder auch bei den Schulen ankommen», sagte Suding der dpa. Mehr als ein Jahr nach Inkrafttreten des 5,5-Milliarden-Euro-Förderprogramms fließen die Mittel immer noch spärlich.

ABSTAND, CONTAINER UND TESTS

Konkrete Vorschläge dazu, wie das neue Schuljahr aussehen könnte, gab es einige in den vergangenen Wochen: Unterricht auch im Freien, in angemieteten Containern oder Kongresshallen, um weniger Schüler auf einem Fleck zu haben, feste Klassenverbände, die im Schulalltag nicht in Kontakt mit anderen treten dürfen und regelmäßige freiwillige Tests von Lehrern. Zumindest beim letzten Punkt gibt es schon konkrete Pläne. So will beispielsweise Brandenburg Lehrkräften anbieten, sich für zunächst drei Monate alle zwei Wochen testen zu lassen. Andere Länder planen stichprobenartige Tests.

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dpa

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Veröffentlicht am:
18. 06. 2020
14:50 Uhr

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