Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Brennpunkte

Länder dringen auf Rauchverbot in Autos mit Kindern

Für den Vorstoß gibt es breite Zustimmung, aber auch Bedenken zur Umsetzung. Mehrere Bundesländer wollen Kinder und Schwangere vor gefährlichem Qualm im Auto schützen und nehmen die Regierung in die Pflicht.



Rauchen im Auto
Nach Messungen des Deutschen Krebsforschungszentrums ist die Schadstoffkonzentration in verrauchten Autos fünf Mal so hoch wie in einer durchschnittlich verrauchten Bar.   Foto: Peter Steffen

Vor gefährlichem Zigarettenqualm im Auto müssten Kinder, Jugendliche und Schwangere endlich geschützt werden: Das ist die klare Botschaft mehrere Bundesländer, deren Gesetzesantrag der Bundesrat am Freitag in erster Lesung beraten hat.

Der Initiative aus Nordrhein-Westfalen schlossen sich Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein an. Sie streben eine Änderung des Nichtraucherschutzgesetzes an, die das Rauchen in Autos verbietet, sofern Kinder oder Schwangere darin sitzen. Verstöße sollen mit 500 bis 3000 Euro geahndet werden.

Die Länder begründen ihren Vorstoß mit den gesundheitlichen Schäden des Passivrauchens. Die Belastung mit Tabakrauch erreiche in geschlossenen Fahrzeugen schon nach wenigen Minuten ein Vielfaches einer stark verrauchten Gaststätte. Das Deutsche Krebsforschungszentrum schätze, dass rund eine Million Minderjährige in Deutschland Tabakrauch im Auto ausgesetzt seien, heißt es in dem Gesetzesantrag.

Die Länderkammer überwies den Antrag nach der Vorstellung in der Plenarsitzung an die Ausschüsse für Gesundheit und Jugend, die in der letzten Septemberwoche darüber beraten. Sollte der Bundesrat den Antrag nach den Ausschussberatungen annehmen, müsste noch der Bundestag darüber abstimmen.

«Von einigen Unbelehrbaren wird Rauchen leider noch immer als Ausdruck von Freiheit und Individualität missverstanden. Tatsächlich aber ist Rauchen eine Sucht, die Menschenleben kostet», sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, der Deutschen Presse-Agentur. Passivrauchen schade der Gesundheit sehr, das gelte insbesondere für Ungeborene, Kinder und Jugendliche. «Es sollte selbstverständlich sein, in ihrer Gegenwart nicht zu rauchen», sagte Reinhardt. «Wo diese Einsicht fehlt, muss der Staat eingreifen.» Da die Bundesregierung Kinder trotzdem weiter im Qualm sitzen lasse, begrüße die Ärzteschaft einen entsprechenden Vorstoß im Bundesrat.

Der nordrhein-westfälische Minister für Bundesangelegenheiten, Stephan Holthoff-Pförtner (CDU), sagte am Freitag: «Jede Zigarette im Auto raucht das Kind auf der Rückbank und das ungeborene Kind mit.» Durch ein Rauchverbot könne ein effektiver Beitrag zum Schutz von Kindern und Minderjährigen geschaffen werden. Eine solche Regelung sei längst überfällig, sagte die niedersächsische Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD). Viele europäische Länder hätten bereits ein Rauchverbot im Auto. «Wir sollten da schnellstens nachziehen und auch unsere Kinder schützen.»

Tatsächlich gilt in vielen Staaten bereits ein Rauchverbot, wenn Minderjährige mitfahren. Bußgelder drohen etwa in Großbritannien, Italien oder Griechenland. Auch Frankreich - ein Land, das viele mit dem Rauchen verbinden - hat in den vergangenen Jahren immer mehr für den Nichtraucherschutz getan. Zahlen dazu, wie oft die Polizei tatsächlich kontrolliert und Strafen verhängt, gibt es nicht.

Der ADAC verwies erst kürzlich darauf, dass es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, im Auto nicht zu rauchen, wenn Kinder dabei sind. Für den Automobilclub ist aber fraglich, ob ein Gesetz die Situation verbessern würde. «Wir zweifeln daran, weil es sehr schwierig ist, den Sachverhalt wirkungsvoll zu kontrollieren», sagte Sprecherin Alexandra Kruse. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) betonte, dass die notwendigen Kontrollen aufgrund von Personalmangel nicht ausreichend zu leisten seien.

Solchen Bedenken zur Umsetzbarkeit entgegnete etwa das Gesundheitsministerium in Hannover: Ein Rauchverbot lasse sich leichter kontrollieren als etwa das verbotene Telefonieren mit dem Handy. Auch die Länder Bayern, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern hatten sich vor der Sitzung des Bundesrats positiv zur Gesetzesinitiative geäußert.

Die neue Bundesdrogenbeauftragte, Daniela Ludwig (CSU), sagte der dpa, es sei klar: «Rauchen im Auto mit Kindern auf der Rückbank oder Schwangeren - das geht gar nicht.» Ob ein Verbot gleich der richtige Weg sei, darüber lasse sich diskutieren. «Es geht aber um das Signal: Wer raucht, schadet nicht nur sich selbst, sondern auch anderen.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
20. 09. 2019
18:43 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
ADAC Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung Bundesärztekammer CDU CSU Carola Reimann Daniela Ludwig Deutsche Presseagentur Deutscher Bundesrat Deutscher Bundestag Gesundheitsminister Gesundheitsministerien Gewerkschaften Jens Spahn Kinder und Jugendliche Klaus Reinhardt Minister Nichtraucherschutz Polizei Polizeigewerkschaft Rauchen und Nikotinsucht Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland SPD Verkehrsclubs
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Kindertagesstätte

20.05.2020

Staat weitet Lohnersatz für Eltern wegen Kita-Notbetrieb aus

Der Betrieb an vielen Schulen und Kitas läuft noch mit angezogener Handbremse. Berufstätige Eltern stellt das weiterhin vor große Probleme. Die Bundesregierung reagiert nun und weitet die staatliche Lohnersatzzahlung in ... » mehr

Corona-Warn-App

16.06.2020

Neue Corona-Warn-App läuft - Regierung wirbt fürs Mitmachen

Die Bundesbürger können nun auch ihr Handy einsetzen, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Die Regierung baut darauf, dass viele mitmachen - auch wenn die Infektionszahlen gerade niedrig sind. » mehr

Flugreisende am Flughafen Hamburg

23.07.2020

Testpläne für Rückkehrer aus Risikogebieten unklar

Reiserückkehrer aus Risikogebieten sollen sich an Flughäfen verpflichtend auf das Coronavirus testen lassen. Das wollen die Gesundheitsminister am Freitag beschließen. Doch die Pläne werfen viele Fragen auf - und lösen K... » mehr

Jens Spahn

28.07.2020

Spahn verteidigt kostenfreie Corona-Tests

Touristen aus Urlaubsländern mit besonders hohen Corona-Fallzahlen müssen sich bei der Ankunft in Deutschland bald auf das Virus testen lassen. Doch Klärungsbedarf bleibt: Wie genau soll das ablaufen? » mehr

Abstrich für Coronatest

30.06.2020

Corona-Massentests: Streit über den «bayerischen Weg»

Die bayerische Landesregierung hat Corona-Tests für alle beschlossen. Ministerpräsident Söder sieht sein Land in einer Vorreiterrolle. Doch nicht alle Bundesländer wollen den bayerischen Weg mitgehen. » mehr

Andreas Scheuer

10.07.2020

Hickhack um neue Raser-Regeln - Streit in Regierung

Wie geht es weiter mit der neuen StVO - nachdem ein Rechtsfehler entdeckt wurde und neue Raser-Regeln außer Vollzug sind? Bund und Länder wollen beraten, es gibt aber Uneinigkeit. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Großbrand in Tettau auf Bauernhof

Großbrand auf Tettauer Bauernhof | 09.08.2020 Tettau
» 50 Bilder ansehen

Muggendorfer Gebirgslauf

Muggendorfer Gebirgslauf | 05.08.2020
» 24 Bilder ansehen

Der Coburger Bahnhof der Zukunft Coburg

Der Coburger Bahnhof der Zukunft | 03.08.2020 Coburg
» 21 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
20. 09. 2019
18:43 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.