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Ländliche Regionen sind bei der Bildung nicht benachteiligt

Wer auf dem Land aufwächst, ist nicht so gebildet wie ein Städter? Unfug, zeigt eine neue Studie. Lokale Unterschiede gibt es trotzdem - selbst innerhalb einer einzigen Stadt.



Schüler
Aus Sicht der Experten muss das Bildungssystem künftig flexibler auf die regionalen Bedingungen und die Bedürfnisse vor Ort zu reagieren.   Foto: Sebastian Gollnow

Der Aktionsrat Bildung sieht keine großen Bildungsunterschiede zwischen Stadt und Land in Deutschland. «Vielmehr geht der Trend hin zu eher quartiersbezogenen Unterschiedlichkeiten», heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Gutachten.

Die Experten hatten in ihrer diesjährigen Studie, die der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlag, untersucht, wie sich der Wohnort auf die Bildung von Kindern, Jugendlichen und Berufstätigen auswirkt.

Das Fazit des von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) ins Leben gerufenen Aktionsrates: Einen simplen Stadt-Land-Gegensatz gibt es nicht. Eine bildungsbezogene Benachteiligung ländlicher Regionen lasse sich nicht belegen, hieß es.

Zwar gebe es auf dem Land weniger Abiturienten, dafür sei aber das Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten größer. Außerdem zielten Eltern von Kindern in diesen Regionen nicht im gleichen Ausmaß auf höhere Abschlüsse. «Übrigens sind die Bildungsunterschiede innerhalb einer Stadt nicht selten höher als zwischen Stadt und Land.»

Aus Sicht der Experten muss das Bildungssystem künftig flexibler auf die regionalen Bedingungen und die Bedürfnisse vor Ort reagieren. Zumal sich die Rahmenbedingungen derzeit gravierend ändern: Viele Menschen zieht es vom Land in die Städte, vor allem im Osten verwaisen ganze Regionen. Flüchtlinge wiederum werden gezielt auch in kleinen Ortschaften angesiedelt, hinzu kommen strukturelle Unterschiede zwischen Stadt und Land.

Die Experten haben klare Handlungsempfehlungen entwickelt. «Dabei ist es wesentlich, dass Interventionen rechtzeitig stattfinden», betonen die Fachleute. Denn die Prozesse der Binnenmigration und ihre Folgen könnten mittel- bis langfristige Entwicklungen zur Folge haben, deren kritische «Kipp-Punkte» unter Umständen schneller als erwartet erreicht würden, ohne dass die Politik darauf vorbereitet wäre.

Der Aktionsrat empfiehlt für jeden Bildungsabschnitt im Leben eines Menschen konkrete Maßnahmen. «Denn das jeweilige Bildungsangebot ist ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen und Fachkräfte», betont vbw-Präsident Wolfram Hatz.

So sollten Kindertagesstätten ausgebaut und mehr Personal gewonnen werden, Grundschulen auf dem Land auch durch die Zusammenlegung von zwei Jahrgängen gezielt erhalten werden. In allen Kitas und Schulen solle verstärkt auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Schüler geschaut werden, mahnen die Fachleute.

Wenn viele Kinder soziale Schwierigkeiten oder eine andere Muttersprache haben, sollten aus ihrer Sicht zusätzliche Mittel bereitgestellt werden. Über deren Einsatz sollen die Einrichtungen dann auch selbstständig entscheiden dürfen - etwa für mehr Personal oder Förderangebote. Zudem sollten Lehrer besser für den Umgang mit schwierigen Schülern geschult werden.

Hochschulen sollten noch öfter Ableger in der Peripherie gründen und gemeinsam mit anderen Akteuren versuchen, die Studenten nach deren Abschluss in der Region zu halten. Auch müssten Berufsschulen angemessen erreichbar sein. Gegebenenfalls sei darüber nachzudenken, die Vielfalt an Ausbildungsberufen zu vereinfachen und berufsübergreifende «Grundbildungsjahre» einzuführen. Eine wichtige Rolle spiele zudem gerade in der Erwachsenenbildung auch der Ausbau digitaler Bildungsangebote.

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dpa

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21. 05. 2019
15:16 Uhr

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21. 05. 2019
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