Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Machtwechsel in Argentinien: Neuer Präsident erbt üble Krise

Argentinien wendet sich in der Krise wieder den Peronisten zu. Die umstrittene Ex-Präsidentin Cristina Kirchner wird nach der Wahl neue Vizepräsidentin. Experten warnen, angesichts schwindender Reserven müsse noch vor Antritt der neuen Regierung etwas getan werden.



Alberto Fernández
Der Oppositionskandidat Alberto Fernández hat die Präsidentenwahl in Argentinien gewonnen.   Foto: Daniel Jayo/AP/dpa

Argentiniens nächster Staats- und Regierungschef heißt Alberto Fernández. Der 60-Jährige gewann die Präsidentenwahl am Sonntag nach Zahlen der Wahlbehörde mit rund 48 Prozent der Stimmen.

Er besiegte damit den konservativen Amtsinhaber Mauricio Macri, der auf etwa 40 Prozent kam - der Rest verteilte sich auf die übrigen vier Bewerber. Bis Montag waren die Wahlzettel in gut 97 Prozent der Wahllokale ausgezählt.

Das einst reiche Land steckt in einer tiefen Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Inflationsrate liegt bei mehr als 50 Prozent.

Macri hatte Fernández noch am Sonntagabend (Ortszeit) gratuliert. Fernández erschien am Montag zu einem Frühstück mit Macri im Präsidentenpalast. Macri betonte die Wichtigkeit einer geordneten Machtübergabe.

Übergeben wird die Macht wieder einmal an die Peronisten, die dominierende politische Strömung in dem südamerikanischen Land seit der ersten Präsidentschaft von Juan Perón ab 1946 - wenn nicht gerade eine Militärdiktatur herrschte. Argentinien hat sich immer mal wieder vom Peronismus abgewendet, ist in Krisenzeiten - etwa nach dem Staatsbankrott von 2001 - aber oft zu ihm zurückgekehrt. Der Peronismus vereint verschiedene ideologische Strömungen.

Fernández gilt als gemäßigter Mitte-links-Politiker. Seine Vizepräsidentin Cristina Kirchner hingegen ist eine polarisierende Figur. Gegen die Ex-Staatschefin, die 2007 ihren inzwischen gestorbenen Ehemann Néstor Kirchner im Amt ablöste und bis 2015 regierte, laufen mehrere Verfahren wegen Korruptionsvorwürfen. Sie steht für eine protektionistische Wirtschaftspolitik und hat sich mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) angelegt.

Als Fernández und Kirchner im August die allgemeinen Vorwahlen deutlich gewannen, verlor die Landeswährung Peso zum wiederholten Male deutlich an Wert - wohl weil eine mögliche Rückkehr Kirchners an die Macht Anleger besorgte. Nach der Wahl entschied Argentiniens Zentralbank, von Montag an den Devisenankauf für Privatpersonen vorerst auf 200 US-Dollar im Monat zu beschränken - wie es hieß, um die Staatsreserven angesichts der «großen Ungewissheit» zu bewahren.

Brasiliens rechter Präsident Jair Bolsonaro hatte mit einem Austritt aus dem südamerikanischen Staatenbündnis Mercosur im Falle eines Wahlsieges für Fernández im Nachbarland gedroht. «Argentinien hat eine schlechte Entscheidung getroffen», sagte Bolsonaro in der Nacht zum Montag. Er werde Fernández nicht gratulieren. Die EU und die Mercosur-Staaten hatten Ende Juni eine politische Einigung über den Aufbau der größten Freihandelszone der Welt erzielt.

Sonntag war der neunte Todestag von Néstor Kirchner. «Ich hätte nie gedacht, dass ich an diesem Datum so glücklich sein würde», sagte seine 66 Jahre alte Witwe am späten Sonntagabend vor ihren Anhängern. «Néstor ist nicht gestorben, er lebt im Volke», sangen diese.

Die Wähler der Peronisten hoffen nun auf niedrigere Lebensmittelpreise und eine Rückkehr zu den Sozialprogrammen der Kirchners. «Das Geld reicht einfach nicht», sagte der 52 Jahre alte Arbeiter Clemente García auf der Siegesfeier in Buenos Aires. «Man bekommt ein Gehalt, kommt damit aber nicht bis zum Monatsende hin.»

Fernández, einst Néstor Kirchners Kabinettschef, soll am 10. Dezember vereidigt werden. Dem Land könnten bis dahin die Reserven ausgehen, warnte die Wirtschaftsberaterin Marina Dal Poggetto. «Wir stehen vor einer Währungs-, Banken- und Schuldenkrise.» Die scheidende Regierung und die neu gewählte müssten zusammenarbeiten, um die Lage schnell zu stabilisieren.

Der IWF hatte Argentinien im vergangenen Jahr einen Rekord-Bereitschaftskredit von 57 Milliarden Dollar gewährt, angesichts der Krise die zuletzt fällige Rate aber nicht ausgezahlt. Die neue IWF-Chefin Kristalina Georgiewa gratulierte Fernández auf Twitter zum Sieg. Sie freue sich auf die Zusammenarbeit mit dessen Regierung.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 10. 2019
18:16 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Finanzkrisen Inflation Internationaler Währungsfonds Jair Bolsonaro Juan Domingo Perón Sosa Krisen Mauricio Macri Néstor Kirchner Regierungen und Regierungseinrichtungen Schuldenkrisen Staatsbankrott Twitter Vorwahlen Wahlsiege Währungsfonds Zentralbanken
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Wahlkampfveranstaltung

27.10.2019

Hohe Beteiligung bei Präsidentenwahl in Argentinien

Argentinien steckt - wieder einmal - in einer schweren Wirtschaftskrise. Das könnte für den Präsidenten Mauricio Macri zur Konsequenz haben, dass für ihn nach einer Amtszeit Schluss ist. Es würde auch die Rückkehr einer ... » mehr

BRICS Gipfel

15.11.2019

Brics-Gruppe kritisiert Protektionismus

Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika gehen auf Distanz zu den USA, ohne die Regierung Trumps jedoch direkt zu erwähnen. Sie bekennen sich zum Multilateralismus und freien Handel. Und grenzen sich auch bei ein... » mehr

Proteste im Iran

17.11.2019

Tote und Verletzte bei Unruhen im Iran

Der Iran ist der viertgrößte Ölproduzent der Welt. Dennoch ist nun Benzin rationiert und teurer geworden. Das sorgt für massive Proteste im Land. Die Führung will strikt dagegen vorgehen. » mehr

G20-Gipfel in Osaka

28.06.2019

G20-Gipfel droht wegen Klima-Streits zu scheitern

Was kann die Gruppe der 20 wichtigsten Wirtschaftsmächte überhaupt noch ausrichten? Beim Gipfel in Japan zeigt sich wieder die Uneinigkeit der Staatengruppe bei zentralen globalen Themen. Das liegt nicht mehr nur an US-P... » mehr

Elizabeth Truss

29.09.2019

Tory-Spitze gibt sich bei Parteitag hart

Seinen ersten Tory-Parteitag als Premierminister dürfte sich Boris Johnson anders vorgestellt haben. In Manchester wollte er sich als Macher im Brexit-Streit feiern lassen und Wahlkampf machen. Stattdessen gibt es gleich... » mehr

Parlamentswahl in Spanien

11.11.2019

Neuwahl verschärft Krise in Spanien: Keine Mehrheit in Sicht

Die Spanier wählen und wählen - aber eine stabile Regierung kommt dabei seit Jahren nicht heraus. Die jüngste Abstimmung verkompliziert die Situation noch weiter. Nur eine Partei ist in Feierlaune. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

VfL Lübeck-Schwartau - HSC 2000 Coburg

VfL Lübeck-Schwartau - HSC 2000 Coburg | 06.12.2019 Lübeck
» 65 Bilder ansehen

Frankenwald-Advent in Nordhalben

Frankenwald-Advent in Nordhalben | 04.12.2019 Nordhalben
» 18 Bilder ansehen

Weihnachtsmarkt in Mitwitz

Weihnachtsmarkt in Mitwitz | 30.11.2019 Mitwitz
» 33 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 10. 2019
18:16 Uhr



^