Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Brennpunkte

Macron: Uralt-AKW Fessenheim wird 2020 geschlossen

Für das Alt-Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass fehlte bisher ein Abschalttermin. Nun legt sich Staatschef Macron persönlich fest. Aus Deutschland kommt Lob und Tadel.



Atomkraftwerk in Fessenheim
Das Atomkraftwerk in der Nähe der deutschen Grenze.   Foto: Patrick Seeger/Archiv

Das umstrittene Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass soll im Sommer 2020 endgültig geschlossen werden. Bis 2035 sollten zusätzlich zwölf Atomreaktoren an anderen Standorten abgeschaltet werden, kündigte der französische Staatschef Emmanuel Macron in Paris an.

Das Ausstiegsszenario ist weniger ambitioniert als Umweltschützer erhofft hatten. Frankreich hatte das Ende von Fessenheim zwar grundsätzlich beschlossen, dazu aber bisher nur einen Zeitrahmen bis 2022 genannt. Das AKW Fessenheim in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze ist das älteste noch laufende Kernkraftwerk Frankreichs. Kritikern gilt es schon seit Jahrzehnten als Sicherheitsrisiko.

Aus Berlin kam Zustimmung: «Es ist erfreulich, dass Präsident Macron sich persönlich dafür verbürgt, Fessenheim im Sommer 2020 zu schließen», sagte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). «Wichtig ist jetzt, dass diesen Worten auch Taten folgen.»

Die französische Atomaufsicht hatte sich zuletzt auf eine Abschaltung Fessenheims bis 2022 vorbereitet. Der Kraftwerkbetreiber EDF habe mitgeteilt, dass der erste Reaktor bis September 2020 und der zweite bis August 2022 heruntergefahren werden soll, hatte es noch im zurückliegenden Monat geheißen.

Die Grünen-Atomexpertin im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, bemängelte, es gebe bei Marons Atomplänen zum zweiten grenznahen Atomkraftwerk Cattenom «keine konkrete Aussage». Dieses Kraftwerk ging 1986 an Netz und gilt als sehr störanfällig.

Macron sagte zur Energiestrategie seines Landes, es sollten im Zeitraum 2025 bis 2035 - über Fessenheim hinaus - zwölf Atomreaktoren geschlossen werden. Macron bestätigte bisherige Ankündigungen aus der Regierung, wonach der Zeitplan für eine Energiewende hin zu weniger Atomstrom gestreckt wird.

Das gesetzliche Ziel, den Atomanteil an der Stromproduktion auf 50 Prozent zu senken, werde auf 2035 verschoben - zunächst war von 2025 die Rede gewesen. ««Die Verminderung des Nuklearanteils ist nicht der Verzicht auf die Nuklearenergie», lautet das Credo Macrons.

Frankreich gilt als «Atomland» und betreibt nach früheren Angaben 58 Atomreaktoren. Mehr als 70 Prozent der französischen Stromproduktion kommen aus der Kernkraft. Macron bekräftigte, dass die Kohlekraftwerke des Landes bis 2022 geschlossen werden sollen.

Die Umweltorganisation Greenpeace teilte mit, es würde während der Amtszeit Macrons bis 2022 kein weiteres Atomkraftwerk abgeschaltet. «Macron will 2021 sogar den Neubau von Atommeilern prüfen», teilte Stefan Krug, Leiter der Politischen Vertretung von Greenpeace, mit. Macron hatte gesagt, mit einer Entscheidung über den Bau neuer Reaktoren vom Typ EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) solle mindestens 2021 abgewartet werden.

Angesichts von Massenprotesten gegen Steuererhöhungen auf Diesel und Benzin kündigte Macron eine Kurskorrektur an. Die Kraftstoffsteuern sollten künftig an die Entwicklung des Weltmarktpreises für Öl gekoppelt werden, damit die Kosten für die Bürger nicht zu hoch steigen. «Wir müssen (...) jede neue Steuererhöhung auf Kraftstoffe an die Entwicklung der internationalen Ölmärkte anpassen.»

Seit Mitte des Monats sind in Frankreich Hunderttausende Menschen aus Protest gegen steigende Spritkosten und Macrons Reformpolitik auf die Straßen gegangen. Die Bewegung formierte sich unter dem Namen «Gelbe Westen» - nach den Warnwesten im Auto.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
27. 11. 2018
15:52 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Atomaufsicht Atomkraftwerke Deutscher Bundestag Druckwasserreaktoren Emmanuel Macron Französische Regierungen Greenpeace Kohlekraftwerke Kraftstoffkosten Kraftwerksbetreiber Massenproteste Reformpolitik Regierungschefs SPD Stromerzeugung Svenja Schulze Sylvia Kotting-Uhl
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Braunkohlekraftwerk Schkopau

29.01.2020

Regierung beschließt Kohle-Aus bis 2038

Großer Wurf oder wenig Klimaschutz für viel Geld? Nach viel Hin und Her hat die Bundesregierung den Kohleausstieg bis 2038 beschlossen, aber der Streit um die Pläne geht weiter. Nun ist der Bundestag an der Reihe. » mehr

Kernkraftwerk

02.04.2020

Grüne fordern vorübergehende Abschaltung von Atomkraftwerken

Ob nun alle Kraftwerke in der Corona-Krise laufen müssen, frage sich die Grünen. Immerhin ist der Stromverbrauch gesunken, da im ganzen viele Fabriken geschlossen oder in Kurzarbeit sind. » mehr

Peter Altmaier

27.02.2020

Treffen bei Altmaier: Steinkohle-Betreiber wollen mehr Geld

Die Pläne für den Kohleausstieg sind ziemlich weit - aber die Steinkohle-Branche sieht sich gegenüber der Braunkohle im Nachteil. Heute sind ihre Vertreter bei Wirtschaftsminister Altmaier. Es geht nicht nur um Strom, so... » mehr

Lockerungen angekündigt

28.05.2020

Frankreich kündigt weitreichende Lockerungen an

Endlich wieder Essen gehen - oder auf einer der berühmten Pariser Terrassen auf ein Glas Wein treffen. In den Köpfen der Menschen in Frankreich lag das in weiter Ferne - und ist nun überraschend ganz nah. Und auch der So... » mehr

Pressekonferenz Merkel und Macron

19.05.2020

Berlin und Paris werben für EU-Aufbauplan

Um aus der Corona-Krise herauszukommen, braucht es sehr viel Geld. Dafür ist Deutschland erstmals bereit, gemeinsame Schulden in der EU aufzunehmen. Um den deutsch-französischen Plan umzusetzen, ist aber noch viel Überre... » mehr

Merkel und Macron

18.05.2020

Berlin und Paris: Aufbauplan in Höhe von 500 Milliarden Euro

Die Corona-Krise verändert vieles - sogar deutsche Vorbehalte gegen eine gemeinsame Verschuldung der EU-Staaten. Gemeinsam mit Frankreichs Präsident Macron präsentiert Merkel Vorschläge, die vor Monaten noch undenkbar ge... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Graffiti-Serie im Coburger Stadtgebiet

Graffiti-Serie im Coburger Stadtgebiet | 04.06.2020 Coburg
» 5 Bilder ansehen

Segelflieger muss notlanden Coburg

Segelflieger muss notlanden | 01.06.2020 Coburg
» 21 Bilder ansehen

Corona: AfD-Demo und Gegendemo in Coburg

Corona: AfD-Demo und Gegendemo in Coburg | 30.05.2020 Coburg
» 11 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
27. 11. 2018
15:52 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.