Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Brennpunkte

Merkel und Abe beschwören den freien Welthandel

Die Großmächte der Welt sortieren sich neu - und weg von internationalen Krisenlösungen und Freihandel. Kanzlerin Merkel und Japans Premier Abe wollen verstärkt dagegenhalten. Auch gegen schwierige Nachbarn wie China.



Merkel und Abe
Angela Merkel wird von Shinzo Abe begrüßt.   Foto: Kay Nietfeld

Deutschland und Japan wollen sich in Zeiten eines zunehmenden Protektionismus in der Welt gemeinsam stärker für Freihandel und und internationale Zusammenarbeit einsetzen.

Japan trete mit Deutschland für eine regelbasierte Weltordnung ein, man arbeite hier eng zusammen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag bei einem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe in Tokio. Die lange Freundschaft zwischen beiden Ländern sei «Ansporn in einer Welt, in der ja manches in Unordnung ist, doch enger zusammen zu arbeiten», sagte Merkel.

«Auf Japan und Deutschland kommt eine immer größere Verantwortung für die Stabilität und den Wohlstand der internationalen Staatengemeinschaft zu», erklärte Merkels japanischer Gastgeber Abe. Es ist Merkels fünfter Besuch in Japan. Beide Regierungschefs trafen sich aber schon 17 Mal. Japan ist die Nummer Drei der Weltwirtschaft, Deutschland die Nummer Vier. Beide wollen die Wirtschafts- und Wissenschaftsbeziehungen ausbauen.

Merkel und Abe lobten das am Freitag in Kraft getretene Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Japan in diesem Zusammenhang als wegweisend. Das Abkommen sei «in dieser Zeit eine wichtige Mitteilung an die Welt. Wir schätzen das sehr und wollen das auch mit Leben erfüllen», so Merkel. Der Protektionismus greife um sich, Großbritannien steuere auf den Austritt aus der EU zu, sagte Abe. «Deutschlands Rolle wächst immer weiter in der Welt.»

Ihre beiden Länder würden für den Erhalt und die Stärkung eines offenen Wirtschaftssystems eintreten und bei der Reform der Welthandelsorganisation eng kooperieren. Merkels Besuch kurz nach dem Inkrafttreten des Freihandelsabkommens sende «eine kraftvolle Botschaft für die Stärkung unserer bilateralen Wirtschaftsbeziehungen und für das Vorantreiben des Freihandels», so Abe. Es sei an der Zeit, die Partnerschaft für eine regelbasierte internationale Ordnung und den Wohlstand in der Welt auf eine höhere Stufe zu heben.

Merkel und Abe wollen bei der japanischen Agenda für den G20-Gipfel Ende Juni in Osaka zusammenarbeiten. Japan nehme Fragen der Gesellschaft 5.0 auf und beschäftige sich mit Datensicherheit und -ethik, sagte Merkel. «Das sind Themen, die uns auch umtreiben.» Hier könnten beide Länder eng zusammenarbeiten.

Japan werde der Welt im kommenden Jahr bei den Olympischen Spielen zeigen, wie technisch fortgeschritten das Land etwa beim autonomen Fahren sei oder was neue Antriebstechnologien angehe, so die Kanzlerin. Deutschland sei hier wie auch beim Thema Künstliche Intelligenz an einer Zusammenarbeit mit Japan sehr interessiert. Beide Länder würden «tatkräftig die vierte Industrierevolution leiten», sagte ihr japanischer Gastgeber.

Merkel lobte Japans Engagement bei der Entwicklung Afrikas. Auch hier gebe es Möglichkeiten zur engeren Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Japan. In Bezug auf China waren sich beide Seiten einig, dass mit dem Riesenreich eng zusammengearbeitet werden müsse. Zugleich müssten aber auch strittige Punkte angesprochen werden. Gegenüber China sei man in gewisser Weise auch Konkurrent, sagte Merkel, etwa in der Automobilindustrie oder anderen Hochtechnologiebereichen. Dieser Wettbewerb mache aber beide Seiten stark.

Vor dem Hintergrund der Vorwürfe gegen den chinesischen Telekom-Riesen Huawei sprach sich Abe dagegen aus, bestimmte Unternehmen vom Ausbau der 5G-Technologie auszuschließen. Man werde auf einen korrekten Umgang mit den Daten achten. Sei dies nicht der Fall, würden entsprechende Firmen ausgeschlossen.

Merkel stellte sich hinter Japans Bemühungen um eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel. Bei den Verhandlungen mit Nordkorea müsse es «zu einer wirklichen, nachhaltigen Abrüstung kommen», bei der die Anliegen Japans berücksichtigt würden. Die Schritte zur Denuklearisierung müssten eindeutig nachvollziehbar sein. «Sie sind es leider bis jetzt noch nicht», so Merkel. Der Prozess sei hoffnungsvoll, «aber es müssen jetzt Taten folgen». Deutschland habe als zeitweiliges Mitglied im UN-Sicherheitsrat die Federführung im Sanktionsausschuss zu Nordkorea. «Wir werden da unsere Arbeit leisten und uns auch sehr eng mit Japan abstimmen.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
04. 02. 2019
15:33 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundeskanzlerin Angela Merkel CDU Donald Trump Freihandel Huawei Japanische Premierminister Kanzler Premierminister Shinzo Abe UN-Sicherheitsrat Welthandel Welthandelsorganisation Wohlstand
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Gespräche

11.06.2020

Merkel pocht auf mehr Marktzugang in China

Kanzlerin Merkel und Chinas Premier Li haben schon lange nicht mehr so intensiv gesprochen. Es gibt viel anzupacken: Der Streit um Hongkong, mehr Marktöffnung und ein Ausbau der Kooperation trotz Corona-Krise. » mehr

Angela Merkel

30.05.2020

Merkel will nicht für G7-Gipfel in die USA reisen

Aus Sicht von Donald Trump wäre es ein «großartiges Signal der Normalisierung»: Der US-Präsident wünscht sich ein reales G7-Treffen in Washington. Auf die Anwesenheit der Kanzlerin wird er wohl verzichten müssen. » mehr

BRICS Gipfel

15.11.2019

Brics-Gruppe kritisiert Protektionismus

Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika gehen auf Distanz zu den USA, ohne die Regierung Trumps jedoch direkt zu erwähnen. Sie bekennen sich zum Multilateralismus und freien Handel. Und grenzen sich auch bei ein... » mehr

Impfung

04.05.2020

Die Welt verbündet sich gegen das Virus - nur die USA fehlen

Ein Impfstoff soll letztlich den Sieg über das Coronavirus bringen. Und die Weltgemeinschaft organisiert sich, um Milliarden dafür zu sammeln. Aber wo ist die Weltmacht USA? » mehr

Angela Merkel

14.07.2020

Merkel berät mit Spaniens Premier vor EU-Sondergipfel

Erst Rutte, dann Conte, nun Sánchez. Vor dem schwierigen EU-Gipfel zum EU-Wiederaufbaufonds kommt nun der spanische Premier zu Kanzlerin Merkel. «Wuchtig» soll Europas Antwort auf die Corona-Krise ausfallen, meint sie. Z... » mehr

Merkel empfängt Conte

13.07.2020

Merkel und Conte wollen wuchtige Antwort auf Corona-Krise

Am Freitag und Samstag treffen sich die Staats- und Regierungschefs der EU erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie wieder persönlich. Dabei wollen sie eine gemeinsame Antwort auf die Folgen der Krise finden. Berlin und ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

HSC Coburg: Training und Media Day

HSC Coburg: Training und Media Day | 12.08.2020 Coburg
» 25 Bilder ansehen

WG: HSC - mögliche Aufmacher

WG: HSC - mögliche Aufmacher | 12.08.2020 Coburg
» 26 Bilder ansehen

Großbrand in Tettau auf Bauernhof

Großbrand auf Tettauer Bauernhof | 09.08.2020 Tettau
» 50 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
04. 02. 2019
15:33 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.