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Millionen bei Trauerfeiern für getöteten General in Teheran

Die Trauerzeremonie für General Soleimani in Teheran wird zu einer großen anti-amerikanischen Kundgebung. Nur nehmen diesmal nicht nur Anhänger des Regimes daran teil, sondern auch Iraner, die mit dem islamischen System eigentlich nichts am Hut haben.



Trauerfeier
Der Sarg des iranischen Generals Ghassem Soleimani bei einem Trauerzug an der Universität Teheran.   Foto: -/Office of the Iranian Supreme Leader/dpa » zu den Bildern

Es war ein Meer von Trauernden: Millionen Iraner haben nach Medienangaben in der Hauptstadt Teheran an der Trauerzeremonie für den bei einem US-Raketenangriff in Bagdad getöteten iranischen General Ghassem Soleimani teilgenommen.

Am frühen Morgen gab es an der Universität Teheran zunächst ein Leichengebet, dem Tausende beiwohnten. Geleitet wurde es vom obersten Führer, Ajatollah Ali Chamenei, der sichtlich bewegt war. Auch Präsident Hassan Ruhani, mehrere Minister sowie Abgeordnete und der Justizchef waren anwesend. Die Zeremonie wurde auf fast allen Fernsehkanälen live übertragen.

Soleimani wurde in der Nacht zum Freitag bei einem US-Raketenangriff in der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet. Washington erklärte, der iranische Top-General habe Angriffe auf US-Bürger geplant. Soleimani war der wichtigste Vertreter des iranischen Militärs im Ausland. Er galt als Architekt der iranischen Militärpolitik in den Nachbarländern. Im Iran wird er nun als Märtyrer verehrt.

Als Hauptredner bei dem Trauergebet für Soleimani traten der Anführer der palästinensischen Hamas, Ismail Hanija, und Soleimans Tochter Sejnab auf. «Die USA und die Zionisten (Israel) sollen nicht denken, dass mit dem Tod meines Vaters der Kampf gegen sie unterbrochen ist», sagte sie. «Dieser geht auch ohne ihn weiter.»

Danach wurde Soleimanis Leiche zum Asadi-Platz im Westen Teherans gebracht. Der Leichenwagen kam wegen der riesigen Menschenmassen kaum durch und erreichte den Asadi-Platz erst am Nachmittag - deutlich später als geplant. Entlang der rund fünf Kilometer langen Strecke nahmen Medienberichten zufolge Millionen Menschen Abschied von dem getöteten Kommandeur der iranischen Al-Kuds-Einheit . Sie riefen unentwegt antiamerikanische Parolen wie «Tod den USA» und «Den Anfang habt Ihr (USA) gemacht, das Ende aber bestimmen wir ».

Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sprach am Montag über Twitter US-Präsident Donald Trump direkt an und fragte ihn, ob er jemals in seinem Leben solch ein «Meer» an Menschen gesehen habe. Zudem fragte er, ob der US-Präsident weiter auf die «Clowns» hören wolle, die ihn über die Lage in der Nahost-Region berieten. Und er fragte, ob Trump wirklich immer noch glaube, dass er das iranische Volk mit Sanktionen und Drohungen in die Knie zwingen könne.

Auffällig war, dass es sich bei vielen Menschen nicht um Anhänger des iranischen Regimes handelte. «Soleimani war ein guter und treuer Soldat und hat unser Land jahrzehntelang verteidigt», sagte Behnam M., ein 43 Jahre alter Klempner. Was passiert wäre, wenn die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in den Iran eingedrungen wäre, wolle er sich nicht vorstellen. «Ghassem hat das verhindert und dafür sind wir ihm alle für immer dankbar,» sagte der Klempner. Soleimani hatte den Kampf der iranischen Verbündeten gegen den IS koordiniert.

Auch die Hausfrau Massumeh H. ist keine Anhängerin des Regimes. Ihr Sohn studiere in Minnesota und sei auch sehr glücklich dort. Sie habe nichts gegen die USA und die Amerikaner. Trotzdem rief sie lautstark «Tod den USA». «Dieser Trump ist ein Vollidiot,» sagte die 39-Jährige. Der US-Präsident habe kein Recht, in einem anderen Land (Irak) einen iranischen Soldaten zu töten, nur weil dieser andere Interessen verfolge als das Weiße Haus, sagte die Hausfrau.

Die Regierung hat den Montag in Teheran zum örtlichen Feiertag erklärt, um dort allen Menschen die Teilnahme an der Zeremonie zu ermöglichen. Mehrere Straßen in der Stadtmitte wurden wegen der Menschenmassen für Autos gesperrt, Schulen und Hochschulen blieben geschlossen.

Von Teheran aus sollte der Leichnam dann in die schiitische Hochburg Ghom gebracht werden. Auch dort war eine Zeremonie vor einem Mausoleum geplant. Die Beisetzung Soleimanis findet voraussichtlich am Dienstag in seinem Geburtsort Kerman im Südostiran statt. Auch in Kerman hat die Regierung den Dienstag zum örtlichen Feiertag erklärt.

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dpa

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Veröffentlicht am:
06. 01. 2020
21:59 Uhr

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