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Morddrohung gegen EKD-Chef nach Flüchtlingsschiff-Initiative

Ein breites Aktionsbündnis besonders aus kirchlichen Reihen will ein Rettungsschiff für Migranten auf den Weg bringen. Neben Unterstützung schlägt ihnen auch Hass entgegen - und EKD-Chef Bedford-Strohm sogar Morddrohungen.



Bedford-Strohm
Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof und EKD-Chef, hat Morddrohungen erhalten.   Foto: Lino Mirgeler/dpa

Wegen seines Engagements zur Entsendung eines Flüchtlingsschiffes ins Mittelmeer hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, nach eigenen Angaben Morddrohungen erhalten.

«Das war der Fall», sagte der bayerische Landesbischof der «Augsburger Allgemeinen». «Vor allem im Zusammenhang mit meinem Engagement in der Seenotrettung von Flüchtlingen habe ich recht konkrete Drohungen erhalten. Ich nehme sie nicht sehr ernst.»

Bedford-Strohm hatte die Initiative Anfang Dezember zusammen mit mehreren Mitstreitern vorgestellt. Das von der Kirche initiierte Aktionsbündnis «United4Rescue» will demnächst selbst ein Schiff zur Rettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer schicken. Bedford-Strohm ist nicht der einzige, der sich seither massiven Angriffen ausgesetzt sieht. Auf Anfrage sagte Bündnis-Sprecher Joachim Lenz am Samstag, ihm seien zwar keine Morddrohungen gegen andere Beteiligte bekannt. «Aber Hass-Botschaften gibt es schon.»

Auch für den Münchner Erzbischof und Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte Sprecher Bernhard Kellner: «Wir nehmen wahr, dass sich die Drohungen und das Klima verschärft haben.» Marx und Bedford-Strohm hatten erst Mitte Dezember bei einem ökumenischen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom mahnende Worte an die Politik gerichtet.

Bedford-Strohm verteidigte die Pläne der EKD. «Das hat nichts mit politischem Aktivismus zu tun», sagte er. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) habe sich das Thema eines europäischen Verteilmechanismus zu eigen gemacht. «Ich unterstütze ihn sehr in seinem Vorhaben, dass er von anderen Ländern entsprechende Zusagen bekommt. Wir dürfen aber nicht tatenlos warten, bis sich Europa geeinigt hat, wir müssen jetzt handeln.»

Bündnis-Sprecher Lenz bekräftigte: «Wir bleiben bei unserem Kurs. Wir können uns von Hass nicht abbringen lassen.» Genau dagegen sei das Bündnis gerichtet. Die Initiatoren wollen, dass die Mission möglichst ab dem Frühjahr von den Seenotrettern der Organisation Sea-Watch ausgeführt wird. Am Bündnis sind nach jüngsten Angaben rund 150 Organisationen beteiligt.

Für die Mission soll Ende Januar ein zur Versteigerung stehendes Schiff aus dem Besitz des Landes Schleswig-Holstein gekauft werden. Die Initiatoren wollen sich das bisherige Forschungsschiff «Poseidon» laut Lenz bei einem Besichtigungstermin Mitte Januar ansehen - vor der Versteigerung zum Ende des Monats. Zuletzt sei es auf eine Million Euro geschätzt worden. Es gebe bereits viele Spenden aus dem kirchlichen Bereich sowie von Privatleuten.

Man wisse aber noch nicht, wie das Bieterverfahren ausgehe, hatte auch Bedford-Strohm betont. Es gebe einen Plan B, ein anderes Schiff zu besorgen: Europaweit seien dafür Seenotretter angesprochen worden, nach einem geeigneten Schiff Ausschau zu halten, sagte Lenz.

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dpa

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Veröffentlicht am:
04. 01. 2020
13:23 Uhr

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