Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Mutter soll Tochter mit Elektrohalsband gequält haben

Einsperren in eine Hundebox, Elektrohalsband, Peitschenhiebe - so soll eine Mutter ihre kleine Tochter misshandelt haben. Vor Gericht bestreitet die Angeklagte die Vorwürfe. Sie habe das Kind in der Box nur gesichert, das Mädchen erzähle häufig unwahre Geschichten.



Landgericht Hannover
Die 44-jährige Mutter steht wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen vor dem Landgericht Hannover.   Foto: Hauke-Christian Dittrich

Eine Mutter soll ihre kleine Tochter nur in Unterwäsche nachts in eine Metallbox gesperrt und mehrfach gezwungen haben, ein Elektrohalsband für Hunde zu tragen.

Seit heute steht die 44-Jährige wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen vor dem Landgericht Hannover. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft setzte die Hundetrainerin «drakonische Strafen» ein und fügte dem Mädchen Angst und Schmerzen zu, wenn es sich «unpassend» verhielt.

Zwischen August 2016 und September 2017 habe die Tochter mehrfach ein Elektrohalsband tragen müssen, wobei die Angeklagte mindestens einmal einen Stromschlag ausgelöst habe. Derartige Halsbänder sind in Deutschland nach Tierschutzrecht verboten.

Kurz nach der Einschulung soll die Mutter das Kind im Wald ausgesetzt haben, weil es seine Hausaufgaben nicht machen wollte. Der 44-Jährigen wird zudem vorgeworfen, das Mädchen mit einer Peitsche und einem breiten Holzstück geschlagen zu haben. Letzteres habe immer griffbereit auf dem Tisch gelegen.

Zum Prozessauftakt verteidigte sich die burschikos wirkende Angeklagte wortreich und räumte nur ein, das Mädchen einmal für kurze Zeit eingesperrt zu haben, als die Sechsjährige bereits vorher in der Hundebox im Kinderzimmer mit Kuscheltieren gespielt habe. «Ich habe sie gesichert, damit sie nicht rausläuft und vor ein Auto läuft», sagte die kräftige Frau im braunen Sakko. Jahrelang habe sie sich für die Förderung ihrer Tochter eingesetzt - etwa mit Logopädie und Ergotherapie.

Laut Anklage sperrte die Frau aus Burgwedel im Juli 2017 das Mädchen für eine Nacht in der Box ein. Der Vater, der kein Sorgerecht hat, habe die weinende, völlig aufgelöste Sechsjährige erst am nächsten Mittag befreit, sagte die Oberstaatsanwältin. Gegen den Mann wird gesondert ermittelt.

Das Kind müsse sich selbst das Halsband umgetan haben, sagte die Angeklagte. Bevor der Hausarzt von der roten Linie am Hals ein Foto gemacht habe, sei das Kind mit dem Vater allein gewesen. Auch ein Stachelhalsband habe sich das Mädchen selbst im Bett angelegt.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe wurden die heute vier und neun Jahre alten Töchter der Alleinerziehenden vom Jugendamt in Obhut genommen. Die ältere Tochter hat der Staatsanwaltschaft zufolge eine schwere Bindungsstörung und war nach der Inobhutnahme für längere Zeit in einer auf Traumatherapie spezialisierten Einrichtung untergebracht.

In ihren rund anderthalbstündigen Ausführungen berichtete die Frau, dass das Kind ihr zunehmend aus den Händen geglitten sei und in der Schule unwahre Geschichten erzählt habe. Misshandlungen habe es nicht gegeben, diese wären doch sonst Ärzten, der Familienhebamme oder der späteren Familienhelferin aufgefallen, beteuerte die Frau, der im Gerichtssaal drei psychologische beziehungsweise psychiatrische Gutachter gegenüber saßen.

Die Besitzerin von zwei Belgischen Schäferhunden hatte weitere Hunde zur Pflege und Ausbildung in ihrer Wohnung. Die gelernte Bäckerin, die bei Pflegeeltern aufwuchs, sitzt nicht in Untersuchungshaft, sondern lebt inzwischen neben ihrer Lebensgefährtin in Nordrhein-Westfalen.

Die Ermittlungen waren nach Gerichtsangaben ins Rollen gekommen, nachdem sich das Mädchen einer Therapeutin anvertraut hatte. Die Videovernehmung der heute Neunjährigen wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Gerichtssaal gezeigt.

An einem der kommenden Prozesstage ist der Vater des Mädchens als Zeuge geladen. Auch die Pflegeeltern der Angeklagten sollen auf Antrag der Verteidigung als Zeugen gehört werden. Nach Darstellung der 44-Jährigen haben sie dem Kind eingeredet, dass die Mutter es nicht so liebhabe wie die jüngere Schwester.

Veröffentlicht am:
23. 09. 2019
15:19 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alleinerziehende Mütter Angeklagte Jugendämter Landgericht Hannover Logopädie Mädchen Mütter Pflegefamilien Psychiatrie Staatsanwaltschaft Therapeutinnen und Therapeuten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Prozess

02.10.2019

Kind in Hundebox: Zweieinhalb Jahre Haft für Mutter

Eine 44-Jährige bestraft ihre Tochter immer wieder auf grausame Weise: Sie sperrt sie in eine Hundebox, verpasst ihr über ein Elektrohalsband für Hunde Stromstöße. Nun hat das Gericht sein Urteil gesprochen. » mehr

Landgericht Hannover

22.09.2019

Tochter mit Stromstößen und Hundebox misshandelt?

Eine Sechsjährige soll in der Nähe von Hannover Opfer körperlicher und seelischer Gewalt geworden sein. Musste das Kind zur Strafe ein Elektrohalsband für Hunde tragen? Wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen kommt die 4... » mehr

Im Sitzungssaal

12.11.2019

Frauen zu lebensgefährlichen Stromschlägen überredet

Nägel in Steckdosen, Elektroden an den Schläfen: Wozu ein falscher Mediziner junge Mädchen gebracht haben soll, ist kaum zu glauben. Wegen 88-fachen versuchten Mordes steht er nun in München vor Gericht. Auch sein mutmaß... » mehr

Prozess nach Mord an Maria in Zinnowitz

20.08.2019

Mord an 18-jähriger Maria: «Lass es uns heute machen»

Eine schwangere junge Frau wird brutal umgebracht - aus reiner Mordlust, sagte die Anklage. Als ein Beschuldigter die Tat schildert, ruft ein Zuhörer im Gerichtssaal: «Mein Gott!» » mehr

Kerzen und Blumen

18.08.2019

Schwangere auf Usedom aus Mordlust getötet - Prozess beginnt

Das Verbrechen schockierte die Menschen auf Usedom: Eine 18-Jährige wurde brutal ermordet. Die zwei mutmaßlichen Täter, junge Männer aus der Region, stehen nun vor Gericht. » mehr

Pflegefamilie

28.04.2019

In vielen Bundesländern gibt es zu wenig Pflegefamilien

Das Aufnehmen von fremden Kindern und Jugendlichen ist eine schwierige Aufgabe. Vielerorts gibt es zu wenig Pflegefamilien. Was können Gründe dafür sein? » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Viva Voce in Coburg

Viva Voce in Coburg | 15.11.2019 Coburg
» 27 Bilder ansehen

Schwerer Unfall bei Ebensfeld Ebensfeld

Schwerer Unfall in Ebensfeld | 14.11.2019 Ebensfeld
» 9 Bilder ansehen

Festakt 30 Jahre Mauerfall in Ludwigsstadt

Festakt 30 Jahre Mauerfall | 13.11.2019 Probstzella
» 25 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
23. 09. 2019
15:19 Uhr



^