Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Brennpunkte

Nach Trump-Drohung: Microsoft streckt Fühler nach Tiktok aus

Die Trump-Regierung will die zum chinesischen Internetkonzern ByteDance gehörende App Tiktok in den USA eigentlich verbieten, doch nun bahnt sich eine Wende an. Mit Microsoft bringt sich ein US-Unternehmen in Stellung, die Videoplattform zu übernehmen.



Microsoft
Microsoft-Vorstandschef Satya Nadella.   Foto: Elaine Thompson/AP/dpa

Ein Übernahmemanöver des Software-Giganten Microsoft könnte das von US-Präsident Donald Trump angedrohte Verbot der Videoplattform Tiktok womöglich doch noch verhindern.

Microsoft bestätigte am Sonntag (Ortszeit) erstmals, den Zukauf des US-Geschäfts von Tiktok anzustreben. Konzernchef Satya Nadella und Trump hätten sich darüber ausgetauscht, nun wolle Microsoft weitere Gespräche mit dem chinesischen Tiktok-Eigentümer ByteDance führen. Ziel sei es, bis zum 15. September einen Deal zu vereinbaren.

ByteDance steht unter hohem Druck, Tiktoks US-Geschäft zu verkaufen, da Trump wegen Sicherheitsbedenken ein Verbot der beliebten App in den Vereinigten Staaten angekündigt hat. Die US-Regierung fürchtet, dass über Tiktok Daten von US-Bürgern in die Hände der chinesischen Kommunistischen Partei geraten. Trump will Pekings Einfluss in den USA mit aller Macht zurückdrängen, auch andere chinesische Konzerne wie die Telekom-Riesen Huawei und ZTE bekamen dies schon zu spüren.

Sollte jedoch ein US-Unternehmen Tiktoks Geschäft in den Vereinigten Staaten übernehmen, so könnte die App dort weiter eine Zukunft haben. ByteDance bemüht sich deshalb schon länger, seine internationale Plattform von der chinesischen Version zu trennen. Über ein Interesse von Microsoft hatten US-Medien bereits am Freitag berichtet, danach äußerte sich Trump jedoch zunächst ablehnend und bekräftigte seine Verbotsabsicht. Nun meldete sich Microsoft erstmals offiziell zu Wort.

Der Konzern erklärte, die Einwände Trumps ernstzunehmen, den Übernahmeplan aber nach dem Gespräch zwischen Vorstandschef Nadella und dem Präsidenten weiter zu verfolgen. Das deutet auf ein Entgegenkommen Trumps und eine mögliche Einigung hin. Zuvor hatte das «Wall Street Journal» noch unter Berufung auf Insider berichtet, dass die Verhandlungen zwischen Microsoft und ByteDance wegen des Widerstands aus dem Weißen Haus vorerst gestoppt worden seien.

Trump selbst reagierte zunächst nicht auf die Microsoft-Mitteilung. Sein Finanzminister Steven Mnuchin hatte zuvor lediglich gesagt, es herrsche überparteilich Einigkeit darüber, dass Tiktok nicht in der jetzigen Form in den USA bestehen bleiben könne. US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Sonntag dem Sender Fox News, Trump werde «in den kommenden Tagen Maßnahmen in Bezug auf ein breites Spektrum nationaler Sicherheitsrisiken ergreifen, die durch Software in Verbindung mit der chinesischen Kommunistischen Partei entstehen».

Microsoft betonte, dass eine Übernahme nur im Einvernehmen mit der Regierung und im Zuge einer Sicherheitsprüfung sowie klarer Belege für einen Nutzen der US-Wirtschaft infrage käme. Der Dialog mit der Trump-Regierung solle während der weiteren Gespräche mit ByteDance in den kommenden Wochen fortgeführt werden. Microsoft will der Mitteilung nach allerdings nicht nur das US-Geschäft von Tiktok übernehmen, sondern auch das in Kanada, Australien und Neuseeland.

Dabei sei der Konzern auch offen gegenüber anderen Investoren, die sich als Minderheitspartner beteiligen. Damit könnte sich eine Tür für eine Reihe bestehender amerikanischer Anteilseigner von ByteDance um den Wagniskapitalgeber Sequoia Capital öffnen, die wegen des drohenden Verbots der US-Regierung angeblich ebenfalls schon seit längerem eine Übernahme auf eigene Faust anstreben. Microsoft betonte aber, dass die Verhandlungen in einem vorläufigen Stadium seien und es keine Sicherheit gebe, ob letztlich eine Einigung erzielt werde.

Tiktok ist eine international erfolgreiche Videoplattform, die in 65 Sprachen auf 175 Märkten angeboten wird. Nutzer können dort selbsterstellte Clips hochladen oder die von anderen ansehen. In Festland-China gibt es nur die zensierte Version Douyin. Tiktok versichert, es gehe der Plattform um kreative Inhalte, bei der «Privatsphäre und Sicherheit» geschützt würden. Chinas Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten und habe dies auch nie verlangt. Die Nutzerdaten würden in den USA gespeichert und verarbeitet.

In den USA hat Tiktok nach eigenen Angaben 100 Millionen Nutzer und ist damit ein äußerst attraktives Übernahmeziel. Microsoft könnte aus dem politischen Gerangel um die App somit als lachender Dritter hervorgehen - der Softwarekonzern hat bislang kein eigenes Social-Media-Geschäft. Tiktok verzeichnet rasantes Wachstum und gilt schon länger als angesagteste große Plattform bei jüngeren Leuten. Wie viel Microsoft für Tiktok zahlen müsste, ist bislang unklar. Es dürfte aber um einen zweistelligen Milliardenbetrag gehen.

© dpa-infocom, dpa:200803-99-18528/5

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
03. 08. 2020
18:26 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Chinesische Konzerne Daten und Datentechnik Donald Trump Finanzminister Fox News Channel Huawei Kommunistische Parteien Konzerne Microsoft Mike Pompeo New York Stock Exchange (NYSE) Präsidenten der USA Satya Nadella Steven Mnuchin Trump-Regierung US-Außenminister US-Regierung Unternehmen in den USA Wall Street Journal Wirtschaft in den USA
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Tiktok

07.08.2020

Trump verschärft Vorgehen gegen Tiktok

Tiktok ist der erste globale App-Erfolg aus China in der Liga von Facebook. Doch US-Präsident Trump sieht darin eine Bedrohung der nationalen Sicherheit. Und auch gegen ein anderes chinesisches Unternehmen kündet er Maßn... » mehr

Donald Trump

20.09.2020

Trump billigt Tiktok-Deal

Wochenlang setzt der US-Präsident die Video-App Tiktok unter Druck, jetzt darf sie doch im US-Markt bleiben. Der von Trump präsentierte Deal: Das globale Geschäft von Tiktok zieht in die USA um - und die Firma zahlt fünf... » mehr

Donald Trump

20.06.2020

US-Gericht: Bolton-Buch über das Weiße Haus kann erscheinen

In letzter Minute wollte die Regierung von US-Präsident Trump die Veröffentlichung des Buches von Ex-Sicherheitsberater Bolton juristisch verhindern. Ohne Erfolg. Trump reagiert mit martialischen Drohungen - und will Bol... » mehr

Donald Trump

18.06.2020

China droht USA wegen Sanktionsgesetz mit Widerstand

Die US-Regierung prangert immer wieder die Unterdrückung muslimischer Minderheiten in China an. Nun unterzeichnet Präsident Trump ein Gesetz, das Sanktionen möglich macht. Peking droht mit Widerstand. » mehr

Video-App Tiktok

31.08.2020

China verschärft vor Tiktok-Verkauf Ausfuhr-Regeln

Könnte China einen Weg gefunden haben, den Verkauf der Video-App Tiktok zu blockieren? Das Handelsministerium lässt Technologien für Personalisierung und künstliche Intelligenz, wie sie Tiktok und andere Start-ups nutzen... » mehr

Den Präsidenten im Visier

19.06.2020

Bolton will Klage gegen Buchveröffentlichung stoppen

Der ehemalige Sicherheitsberater John Bolton geht mit dem US-Präsidenten in seinem Buch hart ins Gericht. Donald Trump will das Buch vorläufig stoppen lassen - zu spät, meint Bolton. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

ICE kollidiert mit Schafherde Sonneberg

ICE kollidiert mit Schafherde | 23.09.2020 Sonneberg
» 23 Bilder ansehen

Parking Day in Coburg

Parking Day in Coburg | 18.09.2020 Coburg
» 23 Bilder ansehen

Schaeffler Aktionstag in Eltmann Eltmann

Schaeffler Aktionstag in Eltmann | 16.09.2020 Eltmann
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
03. 08. 2020
18:26 Uhr



^