Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Brennpunkte

Nato bereitet größtes Manöver seit dem Kalten Krieg vor

Ist Russland noch eine Bedrohung? In den Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde die Frage von etlichen Nato-Staaten verneint. 2014 hat sich das dramatisch geändert. In Kürze wird nun wieder für den Ernstfall trainiert - so groß wie schon sehr lange nicht mehr.



Nato-Manöver
Bundeswehrsoldaten überqueren während eines Nato-Manövers in Litauen auf einer Pontonbrücke einen Fluß.   Foto: Mindaugas Kulbis/AP/Archiv

Das in vier Wochen beginnende Nato-Manöver «Trident Juncture 2018» soll das größte des Bündnisses seit dem Ende des Kalten Krieges werden.

Nach dem jüngsten Planungsstand werden an der Übung in Norwegen mehr als 44 000 Soldaten teilnehmen, wie Militärkreise in Brüssel der Deutschen Presse-Agentur bestätigten. Allein die Bundeswehr stellt nach eigenen Angaben rund 10 000.

Mit dem Großmanöver in Norwegen will die Nato vom 25. Oktober bis zum 23. November für den sogenannten Bündnisfall trainieren. Dieser könnte ausgerufen werden, wenn einer oder mehrere der 29 Mitgliedstaaten von einem Gegner angegriffen würden. In der Folge müssten dann die anderen Alliierten Beistand leisten.

Für den Bündnisfall war nach dem Ende des Kalten Krieges lange Zeit weniger intensiv geübt worden. Nachdem Russland sich 2014 die ukrainische Halbinsel Krim einverleibt hatte, änderte die Nato jedoch ihre Strategie. Vor allem Polen sowie die baltischen Alliierten Litauen, Lettland und Estland fühlen sich von der aktuellen Politik des großen Nachbarn verstärkt bedroht und fordern Aufrüstung und mehr Abschreckung.

Die Nato-Zentrale in Brüssel betont unterdessen, dass bei «Trident Juncture» (Dreizackiger Verbindungspunkt) nicht konkret für das Szenario eines russischen Angriffs geübt werde. Mit dem Manöver solle die gemeinsame Abwehr eines fiktiven Gegners trainiert werden, sagte eine Sprecherin der dpa. «Das Szenario und die Übung richten sich gegen kein bestimmtes Land.»

Hinter vorgehaltener Hand bestätigen Nato-Diplomaten allerdings zugleich, dass es natürlich kein Zufall sei, dass die Übung in einem Land ausgerichtet wird, das an Russland grenzt. Sie verweisen dabei auch darauf, dass das Kernland der früheren Sowjetunion zuletzt wieder intensiv für großformatige Konflikte trainiert habe. An dem jüngsten russischen Großmanöver Wostok (Osten) sollen nach Angaben aus Moskau beispielsweise knapp 300 000 Soldaten teilgenommen haben.

In der ersten Runde des bevorstehenden Nato-Manövers werden nach Bündnisangaben von Ländern wie Deutschland, Italien und Großbritannien gebildete «südliche Kräfte» einen Angriff von «nördlichen Kräften» abwehren. Letztere sollen unter anderem aus Truppen der USA, Kanadas und Norwegens bestehen. In der zweiten Runde sieht das Szenario dann einen Gegenangriff der «südlichen Kräfte» auf die «nördlichen Kräfte» vor.

Für Gastgeber Norwegen ist die Übung mit enormen logistischem Aufwand verbunden. Die Streitkräfte rechnen zum Beispiel damit, dass 1,8 Millionen Mahlzeiten ausgegeben werden müssen, und dass 660 Tonnen Schmutzwäsche anfallen.

Die letzten Nato-Manöver, die größer waren als die bevorstehende Ausgabe von «Trident Juncture», fanden nach Angaben von Nato-Diplomaten vor der Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 statt. Damals gab es unter anderem noch die «Reforger» abgekürzte Manöverreihe «Return of Forces to Germany» (Rückkehr von Streitkräften nach Deutschland). An ihr waren bis zu 125 000 Soldaten beteiligt.

Als das bislang größte Nato-Manöver nach dem Ende des Kalten Krieges gilt die Übung «Strong Resolve» im Jahr 2002. Bei ihr waren rund

40 000 Soldaten im Einsatz.

Als Partnerländer der Nato sind bei «Trident Juncture» Schweden und Finnland mit dabei. Insgesamt werden neben mehr als 44 000 Soldaten derzeit etwa 130 Flugzeuge, 70 Schiffe und mehr als 10 000 Fahrzeuge erwartet. Dass die Bundeswehr so stark beteiligt ist, liegt daran, dass sie ab Anfang 2019 die Führung der schnellen Eingreiftruppe der Nato (Very High Readiness Joint Task Force - VJTF) übernehmen soll. Deutschland stellt neben rund 10 000 Soldaten auch mehr als 4000 Fahrzeuge. Darunter sind unter anderem etwa 100 Panzer.

Scharfe Kritik an der Übung kam am Donnerstag aus der Linksfraktion im Bundestag. «Solches Säbelrasseln lässt die Situation in Europa weiter eskalieren», kommentierte der verteidigungspolitische Sprecher Tobias Pflüger. Statt Militärmanövern, bei denen Angriff und Gegenangriff geübt werden, seien jetzt «mutige Abrüstungsinitiativen und Rüstungskontrolle» nötig. Die Bundesregierung solle deswegen die deutsche Teilnahme an «Trident Juncture» absagen.

Veröffentlicht am:
27. 09. 2018
14:54 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundeswehr Deutsche Presseagentur Deutsche Soldaten Deutscher Bundestag Die Linke Kalter Krieg Kriege Nato Nato Response Force Soldaten Tobias Pflüger
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
USA und Taliban unterzeichnen Abkommen

12.09.2020

«Historischer Tag» - Afghanische Friedensgespräche beginnen

Der Afghanistankonflikt gilt als tödlichster weltweit. Jahrelang lehnten die aufständischen Taliban Verhandlungen mit der vom Westen unterstützten Regierung ab. Nun wird erstmals über Frieden verhandelt. Die Atmosphäre a... » mehr

Abzeichen auf Barett

25.08.2020

Streit um Entlassung von früheren KSK-Offizieren eskaliert

Ein langjähriger KSK-Offizier protestiert bei der Wehrbeauftragten gegen seine drohende Entlassung. Er macht ein großes Fass auf. Was ist in Afghanistan passiert? » mehr

Ibrahim Boubacar Keïta

20.08.2020

Putsch in Mali: Nachbarn beraten über Konsequenzen

Meuternde Militärs haben in Mali die Macht übernommen. Doch wie geht es weiter? Die Nachbarstaaten beraten über Konsequenzen. Auch in Berlin gibt es Klärungsbedarf. » mehr

Kisten mit Patronen

17.07.2020

Wieder KSK: Bundeswehr vermisst Zehntausende Schuss Munition

Gerade erst wurde bekannt, dass der Eliteeinheit KSK Munition und Sprengstoff fehlen. Jetzt wird öffentlich, dass bei der Bundeswehr noch mehr Munition verschwunden ist. Ministerium und Verteidigungspolitiker im Bundesta... » mehr

Raketenangriff auf Ghassem Soleimani

04.01.2020

Tausende bei Trauerzug für General Soleimani in Bagdad

Die Tötung eines iranischen Generals durch einen US-Angriff im Irak schürt Sorgen vor einem neuen Krieg im Nahen Osten. Die Bundeswehr setzt nun die Ausbildung von Sicherheitskräften im Irak aus. In Bagdad machen Tausend... » mehr

US-Air Base Spangdahlem

29.07.2020

USA wollen fast 12.000 Soldaten aus Deutschland abziehen

Die Ankündigung eines Teilabzugs der US-Truppen aus Deutschland hat schon für viel Unmut gesorgt. Jetzt soll es noch schlimmer kommen als erwartet. Aber vielleicht wird Trumps Manöver auch noch gestoppt. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Parking Day in Coburg

Parking Day in Coburg | 18.09.2020 Coburg
» 23 Bilder ansehen

Schaeffler Aktionstag in Eltmann Eltmann

Schaeffler Aktionstag in Eltmann | 16.09.2020 Eltmann
» 7 Bilder ansehen

WG: Totschlags-Prozess Coburg

Gerichtsprozess in Coburg | 14.09.2020 Coburg
» 16 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
27. 09. 2018
14:54 Uhr



^