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Neue IRA bekennt sich zu tödlichen Schüssen auf Journalistin

Eine Journalistin stirbt bei Ausschreitungen in Nordirland. Eine Kugel trifft ihren Kopf. Nun gibt es ein Bekennerschreiben und eine weitere Festnahme.



Tatort
Blumen am Fanad Drive in Londonderry, wo Lyra McKee am 18. April erschossen wurde.   Foto: Brian Lawless/PA Wire

Die militante katholisch-nationalistische Gruppe «Neue IRA» hat sich zur Tötung der Journalistin Lyra McKee in Nordirland bekannt.

In einem der Zeitung «The Irish News» am Dienstag zugespielten Bekennerschreiben hieß es: «Im Laufe des Angriffs auf den Feind wurde Lyra McKee tragischerweise getötet, während sie neben den feindlichen Kräften stand.» Man wolle sich beim Partner des Opfers, der Familie und ihren Freunden aufrichtig entschuldigen.

Die 29-jährige McKee war am Donnerstagabend bei gewaltsamen Ausschreitungen in der Stadt Londonderry erschossen worden. Sie stand in einer Menschengruppe in der Nähe von Polizeifahrzeugen, als eine Kugel ihren Kopf traf. Die Ermittler bezeichneten die Tat als Mord und riefen die Bevölkerung zur Mithilfe auf, um die Täter zu finden.

Eine 57 Jahre alte Frau wurde am Dienstag im Zusammenhang mit der Tat festgenommen, wie die Polizei in Nordirland mitteilte. Zwei am Wochenende nach der Tat festgenommene junge Männer waren zuvor wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Anschuldigungen gegen sie seien nicht erhoben worden, teilte die Polizei mit.

Mehr als 50 Brandsätze waren am Donnerstag in Tatortnähe am Rande von Londonderry auf Polizisten geschleudert worden. Fahrzeuge brannten. Zuvor hatten Polizisten in dem Wohnviertel nach Waffen gesucht. Auslöser für die Krawalle war der Jahrestag des Osteraufstands, bei dem irisch-katholische Nationalisten im Jahr 1916 vergeblich versuchten, die britische Herrschaft in Irland zu beenden.

Die «Neue IRA» hatte sich im März auch zu Briefbomben bekannt, die in London und Glasgow aufgetaucht waren. Auch für die Explosion einer Autobombe in Londonderry im Januar zeichnete sie verantwortlich. Sie lehnt das friedensstiftende Karfreitagsabkommen von 1998 ab und strebt mit gewaltsamen Mitteln eine Vereinigung mit der Republik Irland im Süden der Insel an. Freundinnen von Lyra McKee brachten am Montag aus Protest gegen die Militanten rote Handabdrücke an das Büro der Saoradh-Partei in Londonderry an, die der «New IRA» nahestehen soll.

Gegründet wurde die Gruppe der BBC zufolge zwischen 2011 und 2012, sie ging aus mehreren kleineren Splittergruppen der IRA (eigentlich Provisional IRA) hervor, die im Bürgerkrieg von 1968 bis 1998 gegen protestantische Paramilitärs, die Polizei und das britische Militär kämpfte und Dutzende Anschläge verübte. Etwa 3700 Menschen kamen bei den sogenannten Troubles ums Leben, 50 000 Menschen erlitten Verletzungen und Hunderttausende wurden traumatisiert.

Nordirland ist im Gegensatz zur Republik Irland noch immer Teil des Vereinigten Königreichs. Die Gesellschaft dort ist tief gespalten in Protestanten, die sich als Briten verstehen und Katholiken, die sich als Iren definieren. Nur sieben Prozent der nordirischen Kinder gehen auf gemischt-konfessionelle Kindergärten und Schulen. Viele Wohnviertel sind entweder katholisch oder protestantisch, oft getrennt durch meterhohe Mauern oder Zäune.

Noch immer treten paramilitärische Gruppen in Nordirland wie ein Staat im Staat auf. Um geschwundene Spendeneinnahmen zu kompensieren, kontrollieren sie inzwischen den Drogenhandel. Wer ihnen in die Quere kommt, riskiert so genannte «Punishment Beatings» - drakonische Strafaktionen wie dem «Kneecapping», gezielte Schüsse in die Kniekehle oder Knöchel.

Zuletzt nahmen die Spannungen in Nordirland wieder zu. Befürchtet wird zudem, dass zu neuen Gewaltausbrüchen kommen könnte, wenn wegen des geplanten EU-Austritts Großbritanniens wieder Grenzkontrollen zwischen Nordirland und der Republik eingeführt werden müssen. Das wollen zwar alle Seiten verhindern, aber solange das Brexit-Abkommen nicht ratifiziert ist, ist die Gefahr nicht gebannt. Für Katholiken, die eine Teilung der Insel ablehnen, wären neue Grenzkontrollen nur schwer zu akzeptieren. Die Grenzposten waren während der Troubles häufiges Ziel von Anschlägen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
23. 04. 2019
16:19 Uhr

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23. 04. 2019
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