Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Neue Proteste in Hongkong

Tausende Hongkonger demonstrieren friedlich, aber am Rande eskaliert die Gewalt. Die Polizei greift schnell ein. Was wird erst am Dienstag passieren, wenn die Volksrepublik China ihren 70. Geburtstag feiert?



Tränengas
Ein Polizist setzt Tränengas gegen Demonstranten ein.   Foto: Vincent Thian/AP » zu den Bildern

Bei neuen Protesten in Hongkong ist es am Sonntag zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen.

Einsatzkräfte gingen mit Wasserwerfern, Tränengas und Pfefferspray gegen radikale Aktivisten vor, die Brandsätze, Steine und andere Gegenstände warfen. Dutzende wurden festgenommen, als Polizisten eine Gruppe von Demonstranten vor dem Regierungssitz überrumpelten.

Radikale Demonstranten legten mehrere Feuer, darunter am U-Bahnhof Wan Chai. Einer warf sogar einen Molotowcocktail in die Station, in die sich Polizisten zurückgezogen hatten. Andere zündeten Plakate zum 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik am Dienstag an. An dem Tag werden in Chinas Sonderverwaltungsregion noch größere Proteste erwartet, während es in Peking eine Militärparade geben wird.

Es war das 17. Wochenende in Folge, an dem in Hongkong demonstriert wurde. An drei Orten gab es Protestaktionen, darunter einen «Marsch gegen Totalitarismus», der Teil einer weltweiten Kampagne war, aber von der Polizei nicht genehmigt worden war. Trotzdem zogen Tausende durch die Straßen. Die Lage eskalierte am Nachmittag.

Ein Polizist in Zivil zog seine Waffe und gab einen Warnschuss in die Luft ab, als vier von ihnen von Demonstranten angegriffen wurden, wie die Zeitung «South China Morning Post» berichtete. Die Polizisten hatten sich in schwarzer Montur und mit Masken unter die Demonstranten gemischt, wurden aber enttarnt.

Schon zu Beginn hatte es Zwischenfälle gegeben, als sich die Demonstranten im Einkaufsviertel Causeway Bay versammelten. Polizisten durchsuchten Passanten. Es gab erste Festnahmen. Empörte Demonstranten warfen Wasserflaschen und andere Gegenstände auf die Beamten, die mit Tränengas und Pfefferspray antworteten.

«Wir wissen alle, dass wir festgenommen werden können», sagte der maskierte 18-jährige Student Leonard, der in vorderster Reihe der Demonstranten Barrieren baute. «Wir tun unser Bestes, dass es nicht passiert. Aber wir müssen uns erheben, weil Hongkong unser Zuhause ist.» Eine Hongkongerin in ihren 30ern namens Jane sagte, dieser Sommer habe für sie alles aufgezeigt, «was schlecht ist».

Gezielte Protestaktionen gegen pekingfreundliche Geschäfte gab es bei einer «Shopping Tour» im Einkaufszentrum «Festival Walk» in Kowloon Tong. Mittelschüler demonstrierten in Tsuen Wan nahe der Grenze zu China. Schon seit fünf Monaten protestieren Hongkonger gegen die Regierung und den langen Arm der kommunistischen Führung in Peking.

«Wir sehen wachsenden Einfluss der chinesischen Regierung und sie hören nicht, was die Leute wollen», sagte ein Demonstrant in seinen 30ern. Er marschiere friedlich mit seinen Freunden, «solange wir noch Meinungsfreiheit haben». Die Regierung könne sich nur erholen, wenn sie einen echten Dialog aufnehme - anstelle von Lippenbekenntnissen.

Die Demonstranten fordern eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt bei den seit fünf Monaten andauernden Protesten, eine Amnestierung der mehr als 1500 bisher Festgenommenen, eine Rücknahme der Einstufung ihrer Proteste als «Aufruhr» sowie freie Wahlen.

Schon am Samstag war es nach einer friedlichen Kundgebung von Zehntausenden zum fünften Jahrestag der «Regenschirmbewegung» zu Zwischenfällen gekommen. Die Demokratiebewegung im September 2014 erhielt ihren Namen von den Schirmen, die die Demonstranten damals gegen Sonne, Regen und das Pfefferspray der Polizei einsetzten.

Über Wochen legten die Aktivisten damals mit Straßenblockaden Teile der asiatischen Wirtschafts- und Finanzmetropole lahm. Auslöser war die Entscheidung der kommunistischen Führung, nur handverlesene, pekingtreue Kandidaten für in Aussicht genommene Wahlen aufstellen zu wollen. Die geplante Wahlreform scheiterte schließlich.

Zum Jahrestag verkündete der Anführer der Bewegung, Joshua Wong, im November bei den Lokalwahlen antreten zu wollen. Es gebe «keinen Grund», warum er disqualifiziert werden könnte, sagte der 22-Jährige. So sei er heute alt genug und habe bisher keine Haftstrafe von mehr als drei Monaten erhalten. Wegen seiner Beteiligung an der «Regenschirmbewegung» hatte Wong zwei Monate Haft absitzen müssen.

In Taiwans Hauptstadt Taipeh demonstrierten am Sonntag Zehntausende aus Solidarität mit den Hongkongern. Ähnlich wie die frühere britische Kronkolonie steht die demokratische Insel unter Druck durch die Führung in Peking, die Taiwan nur als Teil der Volksrepublik ansieht. Das Autonomiemodell «ein Land, zwei Systeme» für Hongkong will Peking auch für eine Vereinigung mit Taiwan anwenden, was unter den 24 Millionen Taiwanern auf großen Widerstand stößt.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong mit einem eigenen Grundgesetz autonom regiert. Die sieben Millionen Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
29. 09. 2019
16:04 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Chinesische Regierungen Demokratie Demonstranten Demonstrationen Molotowcocktails Polizei Polizeigewalt Polizistinnen und Polizisten Sozialer oder politischer Protest Tränengas Wahlrechtsreformen Wasserwerfer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Proteste in Hongkong

31.08.2019

Schwere Zusammenstöße bei Protesten in Hongkong

Die Festnahme führender Köpfe der Demokratiebewegung in Hongkong hat die Atmosphäre aufgeheizt. Trotz des Verbots einer Großdemonstration protestieren wieder Tausende. China rasselt mit dem Säbel. » mehr

Proteste in Hongkong

26.08.2019

Proteste in Hongkong: 65 Festnahmen nach Ausschreitungen

Die Polizei greift nach erneuten Demonstrationen mit Ausschreitungen in Hongkong durch. Am Wochenende wurden nach offiziellen Angaben 65 Menschen festgenommen. Zudem soll es viele Verletzte geben. » mehr

Festgenommene Demonstranten

02.11.2019

Dutzende Festnahmen nach neuen Ausschreitungen in Hongkong

Die Atmosphäre in Hongkong ist aufgeheizt. Seit 22 Wochenenden in Folge wird demonstriert. Die Polizei setzt Tränengas und Wasserwerfer ein. Aktivisten attackieren erstmals Chinas Staatsagentur Xinhua. » mehr

Brennende Barrikaden

02.10.2019

Proteste in Hongkong: Schuss auf Aktivisten schürt neue Wut

Erstmals ist bei den Protesten in Hongkong ein Demonstrant mit scharfer Munition verletzt worden. Der 18 Jahre alte Aktivist soll in einem «stabilen Zustand» sein. Mitstreiter sind entsetzt. » mehr

Bewaffneter Einsatz

19.10.2019

Nach neuer Krawallnacht in Katalonien: Madrid erhöht Druck

Im katalanischen Unabhängigkeitskonflikt verhärten sich die Fronten. Nach fünf Krawall-Nächten in Serie will Spaniens Zentralregierung nicht mit dem separatistischen Regionalpräsidenten Torra sprechen. Ein Ende der Demon... » mehr

Flammen

01.09.2019

Proteste in Hongkong - Ist China «bereit für den Kampf»?

Seit drei Monaten wird in Hongkong demonstriert. Auf friedliche Märsche folgen oft Ausschreitungen. Die Gewalt eskaliert. Peking rasselt mit dem Säbel. In dem Klima reist die Kanzlerin nach Peking. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall Rosengarten

Unfall im Coburger Rosengarten | 12.11.2019 Coburg
» 7 Bilder ansehen

Schwäne werden in die Freiheit entlassen

Schwäne werden in Freiheit entlassen | 11.11.2019 Ebersdorf
» 10 Bilder ansehen

30 Jahre Mauerfall

30 Jahre Mauerfall | 10.11.2019
» 13 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
29. 09. 2019
16:04 Uhr



^