Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Polizei erwischt 3100 Handysünder am Lenkrad

Wer kennt die Versuchung nicht: Das Handy piept auf dem Beifahrersitz und man will wissen, wer geschrieben hat. Doch dieser Versuchung sollten Autofahrer lieber widerstehen. Warum? Das macht die Polizei bei bundesweiten Aktionen klar - und bestraft die Sünder.



Polizeikontrolle
Ein Polizist hält einen Autofahrer an, der während der Fahrt telefoniert hat.   Foto: Roland Weihrauch » zu den Bildern

Mitten auf dem Gehweg liegt ein langer gelber Teppich. Er ist 14 Meter lang und markiert den Weg, den ein Auto bei Tempo 50 pro Sekunde zurücklegt. Eine Sekunde, in der der Fahrer blind fährt, wenn er auf seinem Mobiltelefon tippt, statt auf die Straße zu schauen.

Ein unterschätztes Risiko, mahnte der Innenminister von Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht (CDU). «Keine Nachricht dieser Welt ist es wert, dass man dafür sich und andere in große Gefahr bringt.» Das ist die Botschaft, die am Donnerstag gut 11.000 Polizisten bundesweit bei Kontrollen und Infoaktionen unter die Menschen bringen wollten.

Zum ersten Mal organisierten die Sicherheitsbehörden mit dem amtierenden Chef der Innenministerkonferenz, Stahlknecht, und der Hochschule der Polizei den Aktionstag «Sicher. Mobil. Leben.». Mehr als 3000 Kontrollen und Aktionen gab es seit den frühen Morgenstunden an Straßen, in Schulen und in Fußgängerzonen. Zum Beispiel mit bunten Blindflug-Teppichen wie in Wuppertal, mit einem Überschlagssimulator in Magdeburg oder mit einem Kettcar-Parcours in Göttingen. Teilnehmer sollten dort die Strecke abfahren, Schilder lesen und das Gelesene ins Handy tippen. Jeder Vierte fiel durch.

Mehr als 9400 Menschen wurden bis Donnerstagmittag von den Infoaktionen erreicht. Doch nicht nur spielerisch, sondern auch ganz klassisch griff die Polizei durch. Allein in den ersten sechs Stunden erwischten die Beamten am Donnerstag bei der Kontrolle von mehr als 51.000 Lastwagen-, Auto- und Radfahrern fast 3100 Handysünder am Steuer oder Lenker.

«Ich habe befürchtet, dass die Zahl so hoch sein wird», sagte Stahlknecht bei der Zwischenbilanz am Nachmittag in Magdeburg. «Weil es sich eingebürgert hat, jederzeit erreichbar sein zu wollen.» Daher sei es richtig gewesen, den Aktionstag unter das Thema Ablenkung zu stellen. Jahrelang habe man vor Rasen und Alkohol am Steuer als Unfallrisiko gewarnt - die ebenso große Gefahr mangelnder Aufmerksamkeit aber nicht erwähnt. Die Gesamtbilanz des Aktionstages soll am Freitag bekanntgegeben werden.

Die Erkenntnisse der Verkehrswissenschaftler sind alarmierend. Wer beim Fahren auf sein Handy statt auf die Straße guckt, agiert, als würde er mit 0,8 bis 1,0 Promille Alkohol im Blut fahren, rechnete Stahlknecht vor. Tippend am Lenkrad lege man meterlange Wege blind zurück und reagiere verzögert. Manche Infokampagne fasst es so zusammen: Tippen tötet.

Wie oft Handy, Navi und Co. zu Unfällen führen, wird in Deutschland derzeit statistisch nicht erfasst, sagte Verkehrsexperte Heinz Albert Stumpen von der Hochschule der Polizei in Münster. Niedersachsen lässt das in einer einjährigen Studie gerade untersuchen. Österreich hingegen erhebe diese Ursache seit Jahren, sagte Stumpen, dort gebe es einen rasanten Anstieg von Fällen, in denen die Ablenkung durch elektronische Geräte mitverantwortlich für Unfälle sei. Bei jedem dritten tödlichen Unfall spiele Ablenkung eine Rolle.

Mit nur einem Schwerpunkttag lasse sich die Entwicklung zu mehr Techniknutzung im Straßenverkehr kaum umkehren, aber das Thema komme in die Köpfe, sagte Stumpen. «Es gibt niemanden, der nicht weiß, dass man innerorts nicht schneller als 50 fahren darf, aber was man mit dem Handy machen darf, wissen viele nicht und vor allem wissen viele nicht, wie gefährlich das ist.»

Teuer ist es im Übrigen auch: Seit Herbst vorigen Jahres müssen Handysünder am Steuer deutlich mehr Bußgeld berappen: Statt 60 Euro und einem Punkt belasten 100 Euro und ein Punkt die Geldbörse und das Verkehrskonto in Flensburg. Auch Radfahrer sind nicht von Strafe frei: Sie müssen statt 25 Euro inzwischen 55 Euro hinblättern, wenn mit dem Handy auf dem Rad erwischt werden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
20. 09. 2018
17:39 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aktionen CDU Holger Stahlknecht Innenministerkonferenzen Lenkrad Mobiltelefone Polizei Verkehrswissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Flugzeug

22.12.2018

Abschiebezahlen stagnieren, Zahl der Rückkehrer gesunken

Fast eine viertel Million Ausländer in Deutschland sind ausreisepflichtig. Freiwillig wollen die meisten nicht gehen und Abschiebungen bleiben schwierig. Probleme gibt es zudem mit Straftätern aus patriarchalischen Kultu... » mehr

Annegret Kramp-Karrenbauer

24.06.2019

CDU-Spitze will Zusammenarbeit mit AfD mit Härte verhindern

Immer wieder gibt es gerade in der ostdeutschen CDU Gedankenspiele einer Öffnung hin zu den Rechtspopulisten von der AfD. Die Parteiführung versucht nun erneut, dem einen Riegel vorzuschieben. » mehr

Abschiebung

13.06.2019

Mehr Polizei für Abschiebungen - Keine Afghanistan-Einigung

Abschiebungen nach Afghanistan und der schwierige Kampf gegen Clan-Kriminalität - die Innenminister ringen in Kiel um Kompromisse. Doch vor allem beim Thema Abschiebung hakt es. » mehr

Zentrale Anlaufstelle für Geflüchtete

09.08.2019

Übergriffe auf Flüchtlinge durch Wachpersonal

In einer Anlaufstelle für Geflüchtete haben Wachleute Asylbewerber attackiert. Das zeigen zwei Videosequenzen. Das Innenministerium in Sachsen-Anhalt will den Fall nun lückenlos aufarbeiten. » mehr

Schwerer Busunfall

20.05.2019

Busunglück auf der A9: War es Sekundenschlaf?

Die Verunsicherung nach dem Flixbus-Unglück auf der Autobahn 9 bei Leipzig ist groß. Dabei sei die Reise mit Bussen vergleichsweise sicher, heißt es beim ADAC. » mehr

Gregor Gysi

29.06.2019

Wirbel um geplanten Gysi-Auftritt am 9. Oktober in Leipzig

Gregor Gysi ist zu einer Veranstaltung am 9. Oktober - dem Jahrestag der friedlichen Revolution - in Leipzig eingeladen. Für einige eine unerträgliche Vorstellung. Darf ein Ex-SED- und PDS-Politiker als Zeitzeuge gehört ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

TV Hüttenberg - HSC 2000 Coburg 23:22

TV Hüttenberg - HSC 2000 Coburg 23:22 | 21.09.2019 Hüttenberg
» 64 Bilder ansehen

Klima-Demo in Haßfurt Haßfurt

Klima-Demo in Haßfurt | 20.09.2019 Haßfurt
» 56 Bilder ansehen

Klima-Demo in Kronach

Klima-Demo in Kronach | 20.09.2019 Kronach
» 66 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
20. 09. 2018
17:39 Uhr



^