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Porno im Klassenchat - Mehr Ermittlungen gegen Minderjährige

Das Smartphone ist bei den meisten Jugendlichen immer dabei - auch beim Entdecken der eigenen Sexualität. Dies erhöht das Risiko, Opfer und Täter zu werden. Experten fordern mehr Aufklärung über Cybergrooming - am besten bereits in der Grundschule.



Smartphone
Viele Minderjährige besitzen ein Smartphone. Die notwendige Medienkompetenz ist hingegen nicht bei allen vorhanden.   Foto: Stefan Sauer

Erst werden Mädchen oder Jungen in Chats mit Komplimenten eingewickelt, darauf folgen sexuelle Belästigung und die Aufforderung, intime Bilder und Videos zu schicken. Im Internet geben sich Sexualtäter nicht selten als Jugendliche aus.

Die jüngste Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS 2018) zeigt allerdings auch, dass die Tatverdächtigen bei derartigen Delikten zunehmend selbst noch unter 18 sind. «Ihre Zahl ist in den letzten Jahren massiv angestiegen», sagt der Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger. «Der Hauptgrund ist offenbar, dass Minderjährige immer früher ein Smartphone besitzen, ohne die entsprechende Medienbildung zu erhalten.» Schon Grundschüler fertigten Nacktbilder von sich an.

Zu unterscheiden seien aggressive junge Täter, die sich des Unrechts ihrer Handlungen bewusst sind, und solche, die sich teilweise unwissentlich strafbar machten, sagt der Wissenschaftler von der Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg. Wenn ein 14-Jähriger zum Beispiel ein pornografisches Nacktbild seiner ein Jahr jüngeren Freundin bekomme, handele es sich um Kinderpornografie. Seit 2015 sind auch Bilder von ganz oder teilweise unbekleideten unter 14-Jährigen in «unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung» Kinderpornografie. Früher wurden sie als «Posing» eingestuft.

Die Schule ist ein Tatort: Es kommt vor, dass die Polizei nach dem Auftauchen von Kinderpornos in Klassenchats die Handys von Dutzenden Schülern einsammelt und überprüft. Wie oft dies passiert, ist nicht bekannt. «Häufig bekommt man die sexuellen Belästigungen unter Schülern erst mit, wenn es zu spät ist und die Opfer bereits Schäden davongetragen haben», sagt Ilka Hoffmann, Vorstandsmitglied der Lehrergewerkschaft GEW.

Sie sieht vor allem die Eltern in der Verantwortung, ihrem Nachwuchs nicht unbeaufsichtigt Tablet und Smartphone zu überlassen. «Die Aufklärung muss intensiver werden und sollte schon im Kindergarten anfangen», meint Hoffmann. Bereits in der Grundschule könnten Themen wie Sexting und Cybermobbing angesprochen werden. Sexting ist das einvernehmliche Hin- und Herschicken von selbst produzierten erotischen Fotos und Videos sowie Nachrichten. Problematisch wird es, wenn der Empfänger die Bilder an andere weiterleitet, zum Beispiel um sich zu rächen, wenn die Freundin Schluss gemacht hat.

Studien zufolge haben 12 Prozent der Jugendlichen schon einmal sexualisierte Bilder verschickt und bis zu 38 Prozent auch entsprechende Bilder erhalten, berichtet der Unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig. Notwendig sei eine bessere Vermittlung von Medienkompetenz in Schule und Elternhaus.

«Das Entscheidende ist dabei eine grundsätzlich positive Haltung gegenüber der Nutzung digitaler Angebote, also nicht der erhobene Zeigefinger», sagt Rörig. «Wissen Kinder und Jugendliche, dass ihre Lehrkräfte oder Bezugspersonen «sowieso gegen alles Digitale sind», werden sie sich im Notfall nicht an diese wenden, weil sie keine Hilfe, sondern zusätzlichen Ärger erwarten.»

Der Sexualmediziner Klaus M. Beier weist darauf hin, dass die Internetseiten mit Darstellungen von sexuellem Kindesmissbrauch enorm zugenommen haben - laut der Organisation Internet Watch Foundation von 1351 im Jahr 2010 auf 105.047 im Jahr 2018. Beier geht davon aus, dass auch immer mehr Jugendliche zu Missbrauchsdarstellungen Zugang haben. «Sexting und Cybergrooming nehmen ebenfalls eindeutig zu und erhöhen das Risiko, Opfer zu werden», sagt er. Ihm zufolge lassen sich Kinder und Jugendliche online oft auf Kommunikationspartner ein, mit denen sie offline einen engeren Kontakt meiden würden.

Beier leitet den Berliner Standort des bundesweiten Präventions-Netzwerkes «Kein Täter werden». Seit 2014 gibt es dabei auch ein spezielles Therapieangebot für pädophile Jugendliche.

Viele Fälle werden gar nicht bekannt. Das reicht von sexueller Belästigung von Grundschülern in Computerspiele-Chats bis hin zum Versenden von Masturbationsvideos an Kinder und von Kindern. Fachleute gehen von einem großen Dunkelfeld aus. Im Bereich Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinder- oder jugendpornografischer Schriften weist die Polizeiliche Kriminalstatistik 2018 insgesamt 8022 Tatverdächtige aus, davon 2101 Kinder und Jugendliche. Zwei Jahre zuvor waren es 5801 Tatverdächtige, davon 1154 Minderjährige.

Veröffentlicht am:
18. 08. 2019
11:23 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
18. 08. 2019
11:23 Uhr



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